Ostern ist das höchste Fest der Christen, die Auferstehung von Jesus ein Anlass zur Freude. Doch darf deshalb auch in der Kirche gelacht werden? Pfarrer Bernhard Ascher ist sich sicher: ja.
Für Pfarrer Bernhard Ascher ist der Witz wie das Salz in der Suppe. Täglich liest er ein oder zwei vor dem Abendgebet, damit der Tag fröhlich ausklingt. Kein Wunder, dass der 66-Jährige Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Konrad in Plochingen an dieser Fröhlichkeit auch seine Gemeindeglieder teilhaben lassen möchte. Nicht nur an Ostern, sondern auch an Weihnachten.
Balsam für die Seele
„Der Witz ist zu meinem Markenzeichen geworden“, erklärt er. Und er weiß auch schon, was er dieses Jahr seiner Kirchengemeinde in der Osternacht präsentieren möchte. „Aber das kann ich jetzt nicht erzählen, sonst ist die Pointe weg“, sagt er. Nur soviel verrät er: „Es ist diesmal kein Witz, sondern eine wunderschöne Anekdote aus einem Buch des syrisch-deutschen Schriftstellers Rafik Schami.“
Die Witze findet er nicht nur in Witzbüchern, die er auch schon von Gemeindegliedern geschenkt bekommen hat. Manchmal erheitert er auch die Gläubigen durch wahre Begebenheiten. „Es gibt auch humorvolle Szenen im Leben eines Pfarrers“, sagt er lachend und erzählt gleich eine davon: Vor einigen Jahren sei eine Pflegerin nach dem Gottesdienst, den er regelmäßig in Seniorenstiften abhält, zu ihm gekommen mit folgenden Anliegen: „Im ersten Stock wartet auf Sie ein Mann, der will Sie ganz dringend sprechen.“ Ich fuhr mit dem Aufzug in den ersten Stock, und dann saß er dort auch, so wie von der Pflegerin beschrieben, und ich habe gesagt: „Ich bin der Pfarrer Ascher. Sie wollten mich doch sprechen.“ Sagt der Mann ganz entsetzt: „Ich brauche keinen Pfarrer, ich brauche einen Fußpfleger.“ Und ich sagte: „Das kann ich jetzt leider nicht bieten, ich kann nur die Seele pflegen“. Ascher lacht. Den habe er schon einmal als Osterwitz erzählt. Die Witze würden von den Gemeindegliedern unterschiedlich aufgenommen, je nachdem wie er war, manchmal mit schallendem Lachen, manchmal zurückhaltender.
Vergangenes Jahr hatte Ascher das „Stoßgebet eines Schülers“ seiner Gemeinde präsentiert: „Lieber Gott, mach mich zu einem braven Kind, meine Eltern und meine Lehrerin schaffen es nicht.“ Ascher lacht. Er habe 38 Jahre Religionsunterricht erteilt, von daher wisse er schon, wie es in Schulen zugehe.
Jörg Eberle, der gerade im Pfarrbüro vorbeikommt, hat das „Stoßgebet eines Schülers“ auch gehört. Der evangelische Mann aus Plochingen besuchte vergangenes Jahr zusammen mit seiner katholischen Frau den Osternachtgottesdienst von Pfarrer Ascher. „So ein Witz heitert ja die Gesellschaft wieder auf“, meint er.
Doch woher stammt das Osterlachen? Der katholische Theologe Manfred Becker-Huberti erklärt im Nachwort von „Das kleine Buch vom Osterlachen“: „Scherze und überraschender Witz in der Osterpredigt waren bis in das 17. Jahrhundert eher der Normalfall beim lateinischen ‚risus paschalis’(Osterlachen). Dieser feste Bestandteil des Volksostern drückte die Osterfreude aus.“ Die humoristischen Einlagen, die von den anwesenden Gläubigen mit dem „Ostergelächter“ oder „Osterlachen“ bedacht wurden, seien aber zunehmend in die Kritik geraten und deshalb verboten worden. Besonders in Süddeutschland und den Alpenländern scheine dieser Brauch jedoch gegenwärtig wieder aufzuleben.
Ein Witz am Ende des Gottesdienstes
Zum ersten Mal mit dem Thema Osterwitz in Berührung kam Ascher als Vikar in der Esslinger Kirchengemeinde St. Paul. Der damalige Pfarrer Wolfgang Raible habe in der Osternacht die komplette Predigt aus Witzen gestaltet, erzählt er. Er habe dies als schöne Tradition empfunden und sie gleich bei seiner ersten Pfarrstelle in Ludwigsburg übernommen, so Ascher. Doch nicht nur an Ostern, auch an Weihnachten erzählt er Witze. Und als er vergangenes Jahr wegen des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt darauf verzichtete, seien Gläubige nach dem Gottesdienst auf ihn zugekommen und hätten gesagt, sie hätten den Witz vermisst.
Diesen erzählt Ascher immer am Ende des Gottesdienstes: „Ich finde, die Leute sollen mit etwas Heiterem aus der Kirche gehen, dass am Ende eine fröhliche Stimmung da ist, sie noch lachen können“, sagt er. Wenn er dann am Ostersonntag mit den Gottesdiensten fertig sei, koche er gemeinsam mit dem ehemaligen Pfarrer Gustav Dikel und Pfarrvikar Pater Joseph von der Gesamtkirchengemeinde Wernau ein Osteressen. Was genau diesmal, wisse er noch nicht. Dikels Spezialität sei Lammhaxe, sagt er. Und die passe ja ganz gut zu Ostern.
Österliche Freude
Vita
Bernhard Ascher ist seit November 2007 Pfarrer in der katholischen Kirchengemeinde St. Konrad. Er ist zuständig für die Kirchen in sechs Orten: Plochingen, Altbach, Deizisau, Hochdorf, Lichtenwald und Reichenbach. Geboren und aufgewachsen in Biberach, studierte Ascher katholische Theologie in Tübingen und im schweizerischen Fribourg. 1986 wurde er zum Priester geweiht. Er war Diakon in Pfullingen, Vikar in Giengen an der Brenz und anschließend in Esslingen St. Paul und Hohenkreuz vier Jahre lang Vikar. 1992 bis 2007 war er Pfarrer in Ludwigsburg.
Osterlachen
Der katholische Theologe Manfred Becker-Huberti schreibt im „kleinen Buch vom Osterlachen“:. „Ostern feiert den Sieg des (ewigen) Lebens über den Tod. Das Osterlachen ist ein ‚Trotzdem-Lachen‘, ein Lachen im Angesicht des absehbaren eigenen Todes. Aber: Dieser Tod ist nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebens. Und deshalb hatten und haben die Christen zu Ostern Grund zum Lachen.“