Die katholische Gesamtkirchengemeinde der Filderbezirke steht vor Herausforderungen, die in der Verbundenheit durch den Glauben gemeistert werden sollen. Foto: dpa

Die Katholische Kirchengemeinde St. Antonius bereitet sich auf den Weggang ihres Priesters vor. Er ist nicht der einzige, der die Kirchengemeinde verlässt. Vor allem mit ehrenamtlichem Engagement soll die anstehende Lücke geschlossen werden.

Hohenheim - Mit 30 bis 40 Teilnehmern hatte Christiane Reim, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius, bei der jüngsten Gemeindeversammlung gerechnet, knapp die doppelte Menge an Gemeindegliedern ist gekommen. Aus gutem Grund: Die Zukunft ihrer Gemeinde ist den Katholiken auf den Fildern auch angesichts des bevorstehenden Weggangs von Priester Stefan Karbach nicht egal. Seine Stelle, so machte Karbach deutlich, ist bereits ausgeschrieben und soll nach seinem Wechsel zum November an das dann neue Spirituelle Zentrum im Stuttgarter Westen wiederbesetzt werden. Wann, ist aber noch unklar.

Für die katholische Filder-Gesamtkirchengemeinde, die die Bezirke Birkach, Degerloch, Plieningen und Sillenbuch umfasst, bedeutet dies aber wohl, dass es zunächst eine Vakanz geben wird. Keine neue Situation für die Fildergemeinden, aber eine, die für Haupt- und Ehrenamtlich eine Herausforderung ist. Dies hatte die Vakanz in der Zeit gezeigt, bevor Karbach als Priester auf den Fildern tätig wurde. Über einen längeren Zeitraum wurde diese – unter großem Einsatz vieler ehrenamtlicher Mitstreiter – trotz Problemen laut Reim gut gemeistert.

Versammlung zur Standortbestimmung

Auch diesmal will die Kirchengemeinde die anstehende Zeit ohne Priester möglichst gut bewältigen. Um zu erörtern, wo die Gemeinde aktuell steht und wie sie wahrgenommen wird, hatte man die Versammlung einberufen.

„Wir wollen gemeinsam schauen, was wir künftig tun und was wir lassen“, brachte es Christiane Reim auf den Punkt. Dass dies ein wichtiger Schritt ist, machte auch Stefan Karbach deutlich, der seit Ende 2016 auf den Fildern tätig ist, und der der Gemeinde künftig weiter als Administrator teilweise erhalten bleiben wird. Aber nicht nur er wird die Gemeinde verlassen. Es wird auch weitere Veränderungen geben (siehe nebenstehender Kasten).

Zum Tragen kommt in Zukunft laut Stefan Karbach auch, dass es weniger hauptamtliche Mitarbeiter geben wird – vor allem weniger theologisch ausgebildete Kräfte. Netto blieben bei Umsetzung des neuen Stellenplans der Diözese 3,7 Stellen übrig – von denen 2,95 von Theologen besetzt sein sollen. 0,75 Prozent der Stellen sollen künftig von Mitarbeitern „anderer Berufe“ übernommen werden. Dahinter stehe die Idee, „multifunktionale und multiprofessionelle Teams“ zu bilden.

Neue Herausforderung für die Kirchengemeinde

Für die Gemeinde bringt die personelle Situation spätestens ab Jahresende neue Herausforderungen, die man aber laut Reim annehmen wolle. So will sich der Kirchengemeinderat intensiv damit befassen, am 16. September stehe zudem ein Gespräch mit einem Vertreter des Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart an. Bis dahin, so Reim, wolle man sich Gedanken machen, wie man nicht nur „den Mangel verwalten kann“, sondern wie die Gemeinde mit Leben erfüllt werden könne. Daran könnten alle Gemeindeglieder mitarbeiten. Die Zeit dafür sei gut, denn die Kirche müsse sich jetzt generell verändern, ist nicht nur Reim überzeugt. „Warten wir nicht darauf, dass sich die Bischöfe ändern“, sagte Karbach, der vor allem überzeugte und engagierte Christen als Motor für einen Wandel sieht – primär durch deren gezieltes Zusammenwirken.

Zur Beteiligung bereit

Dazu sind die Katholiken auf den Fildern offenbar bereit, wie sie bei der ersten Zusammenkunft durch ihre aktive Teilnahme deutlich machten. Die Kirche solle präsenter werden, zugezogene Katholiken solle man besser einbinden und das Potenzial junger Christen stärker nutzen. In der Zeit der Vakanz gelte es aber auch darauf zu achten, dass Veranstaltungen und Gottesdienste regelmäßig stattfinden. Bei der letzten Vakanz habe man da Fehler gemacht. Die Kirchengemeinde müsse das Haushaltsrecht behalten und die Formen des Gemeindelebens mitbestimmen können. Das Miteinander müsse verbessert werden, eine bessere Einbindung von Menschen mit ihren Gaben erfolgen und der Dialog generell intensiviert werden.

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