Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, in Fulda. Die katholischen Bischöfe in Deutschland kommen zu ihrer Herbstvollversammlung zusammen. Foto: Arne Dedert/dpa Foto: dpa

Die katholischen Bischöfe kommen an diesem Montag in Fulda zusammen. Wichtigstes Thema: die angestrebte Reform der Kirche. Dabei gibt es auch Grabenkämpfe innerhalb der Bischofskonferenz.

Fulda - Die katholischen Bischöfe in Deutschland kommen heute zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda zusammen. Ein Schwerpunkt der viertägigen Beratungen ist der Reformprozess Synodaler Weg.

Vom 30. September bis zum 2. Oktober tagt in Frankfurt/Main zum zweiten Mal die Synodalversammlung, die den Prozess vorantreibt und am Ende Empfehlungen für konkrete Änderungen vorlegen soll. Der Prozess umfasst vier Punkte: die Stellung der Frauen in der Kirche, die kirchliche Sexualmoral, den Umgang mit Macht und die priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat).

Ein weiteres Thema des Bischofstreffens ist die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch katholische Priester. Hierzu liegen mittlerweile mehrere Studien vor. Sie bestätigen immer wieder, dass es der Kirche jahrzehntelang nur darum ging, die Täter zu schützen. Die Bischofskonferenz beschäftigt sich außerdem mit der Lage in Afghanistan und dem Kampf gegen Antisemitismus.

Das Treffen findet in einer Atmosphäre der Unklarheit statt. Zum einen ist unsicher, wie Papst Franziskus zu den Reformbestrebungen der deutschen Katholiken steht. Zum anderen ist die Zukunft des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki ungeklärt. Sein Bistum befindet sich seit etwa einem Jahr in einer tiefen Krise, was sich unter anderem in einer Welle von Kirchenaustritten niederschlägt. Im Juni hatten zwei Bevollmächtigte des Papstes die Situation überprüft.

Im Fall des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße hatte Papst Franziskus in der vergangenen Woche entschieden, dass dieser im Amt bleiben darf. Heße hatte seinen Rücktritt angeboten, weil ihm ein Gutachter Pflichtverletzungen bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen nachgewiesen hatte. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) - die Vertretung der Laien - reagierte "schockiert" auf die Entscheidung des Papstes.

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" sieht die deutschen Bischöfe in Fulda an einem Scheideweg: "Bleiben die Bischöfe ihrem Versprechen treu, mit dem Synodalen Weg und gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken sich um grundlegende Reformen zu bemühen, die sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch verhindern? Oder lassen sie sich durch gezielte Störmanöver einzelner Bischöfe und auch durch den jetzt von Rom organisierten weltweiten synodalen Prozess von ihren Zusagen abbringen?" Zuletzt hatte der konservative Regensburger Bischof Rudolf holzer alternative Textvorschläge zum Synodalen Weg auf einer eigenen Website publiziert. Der Papst bereitet einen eigenen Synodalen Prozess vor, wobei unklar ist, was genau er darunter versteht.

"Die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland erwarten von dieser Bischofsversammlung ein überzeugendes Bekenntnis zum Reformprozess des Synodalen Weges, wenn der nicht zur Farce werden soll", mahnte "Wir sind Kirche".

Die feministische Bewegung "Maria 2.0" will auch in diesem Jahr anlässlich der Herbstvollversammlung für Gleichberechtigung und Glaubwürdigkeit in der katholischen Kirche auf die Straße gehen. Am Abschlusstag der Bischofsversammlung an diesem Donnerstag (23. September) ist unter dem Motto "Wir bleiben laut" eine Demonstration in Fulda geplant. "Mit den Verbrechen des sexuellen und geistlichen Missbrauchs, mit der fehlenden Gleichberechtigung, der lebensfremden und diskriminierenden Sexualmoral, der Zölibatsverpflichtung, mit dem Klerikalismus und dem Machtmissbrauch ist übergroßes Leid verbunden", erklärte die Reformgruppe. Nötig sei eine radikale und grundlegende Erneuerung der katholischen Kirche. Unterstützt werde die Demonstration von der Friedensbewegung "Pax Christi" sowie "Wir sind Kirche".

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