Dieses berühmte Gemälde von Franz Xaver Winterhalter zeigt Königin Olga als Kronprinzessin – in einem topmodischen Kleid. Foto: © Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württemberg

Herzogin Kate oder Dänemarks Kronprinzessin Mary gehören zu den Trendsetterinnen in Sachen Mode. So was gab es vor 200 Jahren auch hierzulande schon – sie hießen Olga, Katharina oder Charlotte.

Stuttgart - Es muss eine bemerkenswerte Ankunft gewesen sein: 1846 begrüßten die Stuttgarter Olga Nikolajewna Romanowa, aus der durch ihre Heirat mit Prinz Karl die Kronprinzessin des kleinen Königreichs Württemberg geworden war. Eine elegante, wenn auch mit 23 für damalige Verhältnisse nicht mehr ganz junge russische Zarentochter, die eine beeindruckende Mitgift an den Stuttgarter Hof brachte.

„Die erhaltenen Listen über die Mitgift zeigen, dass nicht nur Silberwaren, Gläser, Möbel und prunkvolle Service dabei waren, sondern auch Tischwäsche, Kleider und Stoffe“, erzählt Maaike van Rijn, Kuratorin der Sammlungen Mode und Textil am Landesmuseum Stuttgart und Leiterin des Modemuseums im Schloss Ludwigsburg. Teile dieser Mitgift sind heute in der Sammlung des Landesmuseums zu sehen.

Eine Stuttgarter Bürgersfrau blickte neidvoll auf die königliche Haute Couture

Royals von heute, allen voran die britischen Herzoginnen Kate und Meghan, aber auch die niederländische Königin Máxima oder Kronprinzessin Mary von Dänemark, sind modische Trendsetterinnen. Was sie tragen, will frau im Schrank haben – vor allem, wenn es sich um Mode von erschwinglichen Labels handelt. Aber auch die Württemberger schauten seinerzeit genau hin, was ihre Königinnen trugen: „Die Kleider, die Königinnen wie Olga oder Katharina trugen, konnte sich die normale Bevölkerung zwar nicht leisten. Dennoch standen sie natürlich unter öffentlicher Beobachtung“, sagt van Rijn.

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Wie alle höhergestellten Adligen hatten natürlich auch die württembergischen Königinnen – neben Olga auch die jung verstorbene Königin Katharina (1788-1819), ebenfalls eine russische Großfürstin, oder Charlotte (1864-1946), die letzte Königin Württembergs – Hofschneider, die ihre Kleider auf Maß anfertigten. Stoffhändler brachten die neuesten Stoffe aus Italien oder Frankreich nach Stuttgart.

Katharina und Olga hatten ein Faible für Mode

So waren Württembergs Königinnen stets nach der neuesten Mode gekleidet. Zum Beispiel Königin Katharina, die mit nur 30 Jahren verstorbene erste Frau von König Wilhelm I. Von ihrer „Grazie gepaart mit Haltung“ (so formulierte es ein Zeitgenosse) sprach damals ganz Europa. „Auf den wenigen Darstellungen, die es von Königin Katharina gibt, trägt sie immer die aktuelle Mode ihrer Zeit“, sagt die Leiterin des Ludwigsburger Modemuseums. Auf einem Porträt, das der Maler Johann Friedrich Tischbein von ihr anfertigte, ist Katharina in einem Chemisenkleid mit Kaschmirschal zu sehen – „ein typisches modisches Outfit des frühen 19. Jahrhunderts“, weiß Maaike van Rijn.

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Seit Mitte des 18. Jahrhunderts konnte sich die Frau von Welt auch in Modejournalen über die neuesten Schnitte, Saumlängen und Stoffmuster informieren. Der „dernier cri“ aus den europäischen Modehochburgen wie Paris wurden darin als Kupferstiche dargestellt. Doch am stärksten verließen sich Königinnen und Prinzessinnen auf Mund-zu-Mund-Propaganda: „Die europäischen Fürstenhäuser standen in regem Kontakt zueinander.“ Neben dem frischen Familientratsch, der Weltpolitik und sozialem Engagement tauschte man sich in den Briefen, die zwischen den Höfen hin- und hergingen auch über Mode und die neueste Garderobe aus. „Von Königin Olga sind sehr viele Originalbriefe erhalten. Ab und an berichtet sie dort auch über Alltägliches wie den Besuch von Künstlern oder Maßschneidern“, erzählt die Kuratorin.

Olga trug den In-Designer ihrer Zeit

Eine Zeitgenossin bescheinigte Olga Nikolajewna Romanowa ein Auftreten, das „königlich“ war „vom Scheitel bis zur Zehe“. Als russische Zarentochter ließ sich Olga nicht lumpen, was ihre Garderobe anging. Auf dem berühmten Bild von Franz Xaver Winterhalter, das Olga als Kronprinzessin zeigt, trägt sie ein Kleid, das die Expertin van Rijn als Kleid von Charles Frederick Worth erkennt: „Worth gilt als der Erfinder der Haute Couture, da er als allererster Schneider seinen Namen als Etikett in die Kleider nähte.“ Der englische Couturier war an Europas Höfen heiß begehrt, alle Prinzessinnen wollten seine Entwürfe tragen.

Die Bekannteste seiner Fans: Kaiserin Elisabeth von Österreich. Sisi saß in seinen Kleidern für viele Gemälde Modell. Eines der wenigen erhaltenen Originalkleider von Worth für die österreichische Kaiserin, eines der It-Girls ihrer Zeit, wird als Leihgabe aus Wien auch in der Ausstellung „Fashion?! Was Mode zu Mode macht“ , die das Stuttgarter Landesmuseum für den Herbst plant, zu sehen sein. „Indem Königin Olga sich in einem Kleid von Worth abbilden ließ, macht auch sie deutlich, dass sie zur europäischen Mode-Elite gehört“, erklärt van Rijn.

Königin Charlotte fuhr Fahrrad und jagte

Mit der letzten Königin von Württemberg zog die Moderne in Stuttgart ein: Charlotte, eine gebürtige Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, fuhr als eine der ersten Frauen Fahrrad, jagte und ritt. „Von daher war sie vielen Frauen durchaus auch Vorbild was Fragen der Emanzipation anging“, glaubt Maaike van Rijn. Das Landesmuseum nennt ein Foto von Charlotte sein Eigen, das die Königin in legerer Jagdkleidung zeigt.

Und auch eines ihrer Gesellschaftskleider aus der Zeit nach der Jahrhundertwende hat sich in der Sammlung des Museums erhalten: Es ist schwarz mit einem weißen Unterkleid, hat transparente Einsätze und ist mit Stickereien und aufgenähten Zelluloid-Pailletten versehen. Für die Kuratorin Maaike van Rijn ein Highlight der Sammlung, weil nur wenige Kleider der württembergischen Königinnen erhalten geblieben sind.

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