Kate Hudson spielt in „Deep Water Horizon“ die besorgte Ehefrau. Foto: Verleih

Der Explosion auf der „Deep Water Horizon“ folgte eine große Umweltkatastrophe, nun kommt der Film zum Desaster ins Kino. Im Gespräch erzählt Hollywood-Schauspielerin Kate Hudson wie die Arbeit mit dem Ex ihrer Mutter, Kurt Russel, war und wie ihre Karriere weitergehen soll.

Stuttgart - In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um Kate Hudson. Doch in diesem Jahr ist sie plötzlich wieder omnipräsent: nach den Komödien „Rock the Kasbah“ und „Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel“ spielt sie nun in dem auf wahren Begebenheiten basierenden Action-Drama „Deepwater Horizon“ mit.

Frau Hudson, Ihr neuer Film spielt auf der Ölplattform Deep Water Horizon. Nur Sie sind nicht dort in die Szenen des Unglücks verwickelt, sondern als besorgte Ehefrau zu Hause zu sehen. Ist das letztlich die schwierigere Rolle?
Sie meinen, weil ich nicht körperlich im Einsatz war und mich vor den Flammen retten musste? Glaube ich eigentlich nicht. Weil ich selbst Mutter bin, fielen mir meine Szenen ziemlich leicht. Ich will nicht verallgemeinern und sagen, dass es allen Müttern so geht. Aber für mich war die Erfahrung, ein Kind zu bekommen, die prägendste meines Lebens. Sobald ich das erlebt hatte, diesen überwältigenden Moment, ein Lebewesen zur Welt zu bringen, war klar: Für den Tod ist in diesem Leben kein Platz mehr.
Wie meinen Sie das?
Vor meinen Kindern hatte ich mir darüber nicht den Kopf zerbrochen, selbst wenn ich verliebt war. Aber die Liebe zu meinen Söhnen ist so unbeschreiblich groß, dass plötzlich auch die Gefahr des Verlustes präsent ist. Und genau daran konnte ich für meine Rolle in „Deep Water Horizon“ anknüpfen. Was diese Angst um einen geliebten Menschen mit einem macht – das weiß ich.
Theoretisch oder auch in der Praxis?
Ich habe schon ein paar Momente in meinem Leben erlebt, in denen ich nicht wusste, ob alles wieder gut wird, für mich oder meine Liebsten. Ein Unfall, eine gesundheitliche Hiobsbotschaft – solche Dinge. Das fühlt sich an, wie wenn dir jemand mit einem Baseballschläger in die Knie haut, da knickst du einfach ein. Doch gleich nach dem Schock schaltet man interessanterweise in den Überlebensmodus.
Einer Ihrer Liebsten spielt in „Deep Water Horizon“ auch mit: Kurt Russell, der langjährige Lebensgefährte Ihrer Mutter . . .
. . . für mich ist er mein Vater. Immerhin war ich vier Jahre alt, als die beiden sich kennengelernt haben.
Sie haben nur eine gemeinsame Szene. War das trotzdem etwas Besonderes?
Selbstverständlich. Allerdings war das nicht das erste Mal, dass wir zusammen gearbeitet haben. Ich habe 2007 einen Kurzfilm inszeniert, in dem er mitgespielt hat. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht, auch weil ich da mal eine ganz andere Seite von ihm gesehen habe, die ich sonst natürlich nicht so wirklich erlebe. Demnächst werde ich ihn tollerweise noch öfter bei der Arbeit erleben, denn dann stehen wir gemeinsam für die Fernsehserie „The Barbary Coast“ vor der Kamera. Zusammen mit meinem Bruder Oliver produzieren wir die Sache auch, und die Regie übernimmt Mel Gibson.
Apropos Regie: Sie erwähnten gerade Ihren eigenen Kurzfilm. Wird dem irgendwann auch ein Kinodebüt als Filmemacherin folgen?
Das ist der Plan, keine Frage. Ich bin ja an Filmsets aufgewachsen. Noch lange bevor ich Filme geschaut oder sogar in ihnen mitgespielt habe, habe ich beobachtet, wie sie entstehen. Und zwar bei einigen der ganz großen Regisseure unserer Zeit. Das musste zwangsläufig Spuren bei mir hinterlassen. Ich habe auch schon eine Geschichte im Kopf, die ich gerne umsetzen will. Im Grunde ist das nur noch eine Frage der Zeit.
Nicht nur Kurt Russell, auch Ihre Mutter Goldie Hawn war während Ihrer Kindheit ein Weltstar. Hatte Sie überhaupt genug Zeit für Sie?
Meine Mama war einfach die Beste! Wenn ich an meine Kindheit denke, habe ich meine Mutter nicht anders in Erinnerung als ich sie heute erlebe: unglaublich witzig, voller Energie und einfach fabelhaft. Sie hat immer viel und hart gearbeitet, aber sie war auch immer eine gute Mutter. Und durchaus auch mal eine strenge Mutter. Oder vielleicht besser gesagt: zupackend und widerstandsfähig. Meine Brüder sind das beste Beispiel dafür, wie erfolgreich Goldie als Mutter war.
Sie selbst etwa nicht?
Ach, na ja, das müssen andere beurteilen. Ich kann nur für meine beiden Brüder sprechen. Oliver und Wyatt sind für mich die beiden tollsten Menschen auf der Welt – und Goldie und mein Stiefpapa Kurt haben die beiden erzogen. Also müssen sie doch unglaublich viel richtig gemacht haben.
2017 ist Ihre Mutter endlich wieder im Kino zu sehen, in einer Mutter-Tochter-Komödie. Aber die Tochter spielen leider nicht Sie . . .
Nein, sondern Amy Schumer, die den Film auch geschrieben hat. Ich finde das total aufregend. Meine Mama hat fast 15 Jahre lang nicht mehr gearbeitet, und es brauchte wirklich eine Frau wie Amy, um sie aus ihrem selbst gewählten Ruhestand zu locken. Aber das heißt nicht, dass nicht eines Tages auch noch mal das passende Projekt für sie und mich unseren Weg kreuzen wird.
Erinnern Sie sich noch an den besten Ratschlag, den Ihre Eltern Ihnen gegeben haben, als Sie selbst anfingen mit der Schauspielerei?
Diese Frage wird mir natürlich seit 15 Jahren immer wieder gestellt, doch eine echte Antwort habe ich nicht. Meine Eltern sind meine Eltern, nicht irgendwelche Berufsberater. Natürlich habe ich von ihnen im Grunde alles gelernt, was ich in meinem Leben überhaupt gelernt habe, und ich konnte viel von ihren Erfahrungen profitieren, als Schauspieler genauso wie als Eltern und Menschen. Aber es war nie so, dass Sie mich hingesetzt haben, um mir mal ein paar Takte zu sagen. Überhaupt waren die beiden nie so drauf, dass sie gesagt hätten, was wir zu tun oder zu lassen haben.
Also keine Standpauken?
Außer in Sachen Politik. Was das Thema angeht gibt es bei uns in der Familie schon den einen oder anderen Prediger, der immer versucht, alle von seiner Meinung zu überzeugen. Ansonsten war und ist Freiheit angesagt. Und die Erkenntnis, dass die Familie das wichtigste ist.
Das gilt immer?
Klar, immer. Das heißt nicht, dass der Beruf dem manchmal nicht in die Quere kommen kann. Ich habe sicherlich den einen oder anderen Geburtstag meines kleinen Bruders verpasst, weil ich gerade einen Film drehte. Und überhaupt sind wir alle in unserer Familie sehr karriereorientiert und ehrgeizig. Wir sind alle echte Arbeitstiere. Aber wenn es hart auf hart kommt, steht die Familie trotzdem über allem. Deswegen gibt es auch nicht Schöneres, als sie mit dem Beruf zu kombinieren, so wie mein großer Bruder und ich es mit unserer Produktionsfirma tun.
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