Schwerer Unfall im Bereich der Welzheimer Laufenmühle: Die Waldbahn ist ungebremst auf ein Hindernis aufgefahren, es gibt zahlreiche Verletzte. Eine Übung verschiedener Rettungskräfte hat am Samstag den Katastrophenfall simuliert.
Die Schreie aus dem Zug gehen durch Mark und Bein: „Hilfe, Hilfe, holt mich hier raus!“, kreischt eine Frau. Ein Mann stöhnt: „Ich habe Schmerzen, helft mir!“
Feuerwehr, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk beteiligt
Etwa einen halben Kilometer vor der Laufenmühle bei Welzheim hat sich ein schwerer Unfall ereignet. Die Waldbahn ist ungebremst auf ein Hindernis geprallt, ganz offenkundig gibt es Verletzte. Erste Rettungsteams von Deutschem Roten Kreuz (DRK) und die Feuerwehr sind bereits eingetroffen. Ein Sichtungstrupp verschafft sich einen Überblick über das Ausmaß der Katastrophe. Auch das Technische Hilfswerk ist alarmiert.
Das Szenario am Samstag ist zum Glück nur eine Simulation gewesen. Und, wie der Welzheimer Feuerwehrkommandant Jürgen Krauß betont, „eine Übung am Zug, keine Katastrophen- oder Notfallübung“. Zwar sind an diesem Tag insgesamt mehr als 50 Retter aus den drei „Blaulichtfraktionen“ im Einsatz, bei einer realen Alarmierung hingegen wären weit mehr Fahrzeuge, Kräfte und auch ein Hubschrauber angefordert worden. Schließlich gehe man von einen sogenannten Massenanfall von Verletzten (MANV) der Kategorie Zwei aus, sagt Krauß. Eine reale Übung diesen Ausmaßes aber hätte zur Folge gehabt, dass man die parallel zur Bahnlinie verlaufende Landesstraße hätte sperren müssen.
Retter üben regelmäßig, aber nicht gemeinsam
Das wäre dem Hintergrund der Übung wohl nicht angemessen gewesen. Denn das Ziel sei zum einen, die Einsatzmittel unter realen Bedingungen zu testen, aber vor allem auch, das Zusammenspiel der Rettungsorganisationen und Leitungsstrukturen zu überprüfen. „Wir üben zwar alle regelmäßig“, sagt Krauß, „aber normalerweise nur jeder für sich.“
Der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr ist gekommen, um sich ein Bild von der Übung zu machen, die so bisher erst einmal, nämlich vor zehn Jahren, durchgeführt worden sei. Bernlöhr hält das gemeinsame Trainieren für wichtig. Zum einen weiß er um die speziellen topografischen Herausforderungen der teilweise schwer zugänglichen Gegend mit ihren steilen Hängen und Klingen, zum anderen um den Wert des gemeinsamen Erfahrungssammelns unter möglichst realistischen Bedingungen: „Das schweißt zusammen“, so Bernlöhr. Während Mitarbeiter des Roten Kreuzes damit beschäftigt sind, die im Zug erstversorgten, Passagiere auf Tragen zu heben, um sie dann nach und nach auf einem Gestell mit Rollen über die Schienen zu einem Sammelplatz zu fahren, arbeitet das Technische Hilfswerk (THW) an einer Lösung für jene, die nicht über die Ausstiegstreppen gehievt werden können: Vor einem Abteil wird in Türhöhe dazu eine Plattform aufgebaut.
Lokführer stürzt Hang hinab
Auf der anderen Seite des Zuges kümmert sich eine Spezialeinheit der Feuerwehr um den Lokführer. Der ist nach dem Unfall in Panik aus dem Zug gesprungen und einen Abhang hinuntergestürzt. Ein Mitglied der Absturzsicherungsgruppe seilt sich ab, um den Verletzten auf einen Rettungs- und Transportschlitten zu packen und dann von Kollegen über eine Winde wieder nach oben gezogen zu werden.
Parallel zur Verletztenrettung hat die Feuerwehr eine Leitung zum nächsten, etwa 500 Meter entfernten Hydranten gelegt – erfolgreich, denn ein Test zeigt: das Wasser fließt. Sollte es zu allem Unglück auch noch zu einem Brand der Diesellok kommen, wäre man gerüstet.
Drohne liefert scharfe Bilder aus der Luft
Am Kommandostand etwa 50 Meter vom Unfallort entfernt wird die Lage an einer Magnetwand für alle Beteiligten dokumentiert. Welche Einsatzkräfte sind wo unterwegs, welches Material steht zur Verfügung? Außerdem liefert eine von einem Mitarbeiter des THW gesteuerte Drohne gestochen scharfe Bilder aus der Luft, die der Einsatzleitung einen guten Überblick über das Gesamtgeschehen geben. Bei Bedarf könnten die bewegten Bilder auch live via Internet an andere Beteiligte übertragen werden, etwa wenn eine Stabsstelle im Landratsamt eingeschaltet werden soll.
Michael Linde, der stellvertretende Bereitschaftsleiter des Welzheimer DRK, ist sehr zufrieden mit seiner Truppe. Die 18 Verletzten seien fachgerecht versorgt und zum Abtransport vorbereitet worden. Und auch die Verletzten selbst hätten ihre Rolle mit zum Teil großem Schauspieltalent super ausgefüllt. Zwar trainierten die Kollegen regelmäßig alle möglichen Szenarien – aber mit Menschen sei das natürlich noch etwas ganz anderes als in der Theorie mit Papierkärtchen. Dass auch die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und dem THW gut geklappt hat, wundert ihn nicht. In Welzheimer Wald habe man eine gemeinsame Führungsgruppe aufgebaut, „deshalb flutscht’s“, so Linde über die Zusammenarbeit.