Nach Diskussionen und Protesten der Anwohner beschließt der Kreistag am Freitag voraussichtlich das neue Katastrophenschutzzentrum in Asperg. Die CDU startet jedoch noch einen Versuch, alternative Standorte zu finden.
Im Sommer wurde um einen Standort für das neue Katastrophenschutzzentrum für den Kreis Ludwigsburg gerungen, einmal sogar lautstark demonstriert. Nun scheint es schnell zu gehen: Am Freitag wird der Kreistag darüber abstimmen, ob auf dem Gelände neben dem Verkehrsübungsplatz Asperg ein rund 20 Millionen Euro teures, dreistöckiges Gebäude mit einer Halle für die Unterbringung von bis zu 500 Menschen gebaut wird. Aktuell scheint es dafür eine Mehrheit zu geben, die CDU-Fraktion tritt jedoch auf die Bremse.
Dass es grundsätzlich ein neues Katastrophenschutzzentrum mit integrierter Leitstelle, Materiallager und Notunterbringung braucht, ist unter den Kreisräten unumstritten. „Dass wir etwas tun müssen, sieht auch ein Großteil der Kreisbevölkerung“, sagt der SPD-Kreisrat Gerhard Jüttner.
Viel spricht für die Option Asperg
Mehrere Gründe sprechen für einen Neubau. Zum einen befindet sich die integrierte Leitstelle aktuell im Gebäude der Feuerwehr Ludwigsburg, die die Räume aber dringend selbst benötigt. Zudem habe man während der Pandemie bemerkt, dass die dezentrale Situation des Katastrophenschutzes nicht optimal sei, sagt Landrat Dietmar Allgaier. Drittens steige durch den Klimawandel die Gefahrenlage: „Wie sehr es ein modernes Katastrophenschutzzentrum braucht, sieht man gerade täglich in den Nachrichten.“
Bei der Suche nach einem Standort hat das Landratsamt unter anderem den Schanzacker und eine Fläche in Kornwestheim in Betracht gezogen, diese Ideen aus verschiedenen Gründen aber schnell wieder verworfen. Die Fläche zwischen dem Verkehrsübungsplatz Asperg und der A 81 wurde derweil früh favorisiert.
Auf dem kleinen Acker im äußersten Nordosten Aspergs scheint viel zu passen. Beispielsweise hat die Fläche keinen ökologischen Schutzstatus, liegt nahe der Anschlussstelle Ludwigsburg-Nord und bietet mit dem angrenzenden Verkehrsübungsplatz bereits Stellfläche für schweres Gerät im Katastrophenfall. „Das ist die beste Variante“, sagt Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger. Er würde sich über einen positiven Beschluss der Kreisräte freuen, denn „wir sehen den Sinn und Nutzen darin“.
Doch nicht jeder begrüßt den Neubau wie Eiberger. Im Sommer demonstrierten Anwohner des angrenzenden Eglosheimer Wohngebiets gegen die Pläne. Sie kritisierten die schlechte Kommunikation des Landratsamtes und befürchteten mehr Verkehr, Lärm und Beschattung ihrer Grundstücke. Obwohl viele Bedenken von den Verantwortlichen ausgeräumt wurden, gibt es immer noch Vorbehalte gegen den Standortes. Vor allem von der CDU-Fraktion des Kreistags.
Mehrheit für schnelle Entscheidung wahrscheinlich
In einem Antrag fordern die Christdemokraten einen neuen Anlauf der Standortsuche. Denn der Asperger Acker sei nicht optimal, sagt Fraktionsvorsitzender Klaus Herrmann. Unter anderem kritisiert die CDU die Bebauung direkt neben einem Wohngebiet, die fehlende Nähe zu THW, DRK und Straßenmeisterei – und die Anfälligkeit bei Starkregen. Denn dann wäre die Anfahrtsstraße womöglich nicht mehr nutzbar. Der CDU Antrag sieht daher vor, einen Neubau des Katastrophenschutzzentrums zu beschließen – die Entscheidung über den Standort aber aufzuschieben und Optionen zu prüfen. Das wünscht sich laut eigener Aussage auch Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht, sowie Anwohner, sagt Jutta Seyfang vom Stadtteilausschuss Eglosheim.
„Wir schlagen vor, den CDU-Antrag abzuweisen“, entgegnet Landrat Dietmar Allgaier. Das Landratsamt habe sich bereits ausgiebig mit möglichen Standorten auseinandergesetzt, ein neuer Suchlauf würde keine neuen Ergebnisse bringen. Stattdessen würde dieser Zeit kosten – das Projekt könnte sich um bis zu einem Jahr verschieben, sagt Allgaier. Laut der Einschätzung einiger Kreisräte scheint es eine Mehrheit für die schnelle Standortentscheidung zu geben – ein Katastrophenschutzzentrum in Asperg wird also immer wahrscheinlicher.