Barcelona kann auch anders: Demonstranten gehen für die Einheit Spaniens auf die Straße Foto: AP

Carles Puigdemonts Aufruf zum zivilen Widerstand in Katalonien ist unverantwortlich, findet unser Korrespondent Martin Dahms.

Barcelona - Wer Carles Puigdemont in diesen Tagen zuhört, möchte ihm zurufen: Jetzt komm mal wieder runter! Aber der gerade abgesetzte Ministerpräsident Kataloniens hat dafür kein Ohr. Friedlich will er für eine katalanische Republik kämpfen. Er weiß selber, dass das unmöglich ist.

Puigdemont ist ein gefährlicher Agitator, einer dieser Brandstifter, die sich als Biedermann geben. Seit er Anfang 2016 eher zufällig ins Amt gelangte, hat er seine ganze Energie darauf verwendet, sein geliebtes Katalonien in den Abgrund zu führen. Er ist den Weg nicht allein gegangen, aber er lief an der Spitze. Spätestens nach der Referendumsparodie am 1. Oktober hätte er den Zug stoppen müssen.

Trotz fehlenden internationalen Rückhalts, trotz etwa 1700 katalanischer Unternehmen, die aus der Region fliehen, rang er sich nicht zu Neuwahlen durch, die allen Beteiligten eine Atempause verschafft hätten. Stattdessen ließ er die katalanische Republik ausrufen. Und als ihn die spanische Regierung deswegen absetzte, fiel ihm nichts anderes ein, als seine Landsleute zum zivilen Ungehorsam aufzurufen. Im besten Falle wird sein Aufruf ungehört verhallen. Im schlimmeren Fall wird aus dem zivilen ein unfriedlicher Ungehorsam. Die Verantwortung dafür wird für immer auf den Schultern Puigdemonts lasten.

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