Die ehemalige Kaserne an der Sternkreuzung wurde in den 1970er Jahren saniert – und die barocke Substanz dabei fast zerstört. Foto: factum/Weise

Das Bürgerbüro in Ludwigsburg soll in eine ehemalige Kaserne an der Sternkreuzung integriert werden – inklusive Trauzimmer und autofreiem Ehrenhof. Die Stadträte loben die Pläne – aber die Kosten sollen noch reduziert werden.

Ludwigsburg - Bis zu 16 Millionen Euro will die Stadt Ludwigsburg in die Hand nehmen, um in einer ehemaligen Kaserne an der Sternkreuzung ein zeitgemäßes und modernes Bürgerbüro zu integrieren – inklusive Standesamt und Ausländerbehörde. Die Idee für das Projekt ist mehrere Jahre alt, jetzt wird es konkret. Im kommenden Jahr soll mit dem Umbau begonnen werden, 2022 alles fertig sein. Gabriele Barnert, die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Hochbau, hat das Konzept in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses präsentiert, das trotz der enormen Kosten bei den Stadträten auf ein überwiegend positives Echo stieß. „Dass etwas passieren muss, ist klar“, sagte die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins.

Der Handlungsbedarf ergibt sich daraus, dass die aktuelle Situation unzumutbar geworden ist – und zwar sowohl für Besucher des Bürgerbüros und des Ausländeramts als auch für die dortigen Mitarbeiter. Angesiedelt neben dem Rathaus, bietet die zentrale Anlaufstelle für Einwohner ein überaus trostloses Ambiente. Die Räume sind eng, im Winter zu kalt und im Sommer zu warm, der Wartebereich ist viel zu klein für fast 60 000 Kunden pro Jahr. „Ich schäme mich für diese Zustände“, sagt der Freie-Wähler-Chef Reinhardt Weiss vor einigen Monaten, und er ist mit diesem Gefühl nicht allein. Dazu kommt, dass das Standesamt, obwohl integraler Bestandteil des Bürgerbüros, mehrere Hundert Meter entfernt in der Oberen Marktstraße liegt.

Ein Trauzimmer mit Blick auf das Blühende Barock

Jetzt also plant die Stadt den Befreiungsschlag und will dabei gleich noch ein barockes Gebäude zum Leben erwecken. „Eine moderne Verwaltung in historischer Hülle“ sei das Ziel, so Barnert. Das Haus befindet sich wie das Rathaus an der Wilhelmstraße und grenzt an die B 27, schon heute sind darin Einheiten der Verwaltung untergebracht. Aber auch dort sind die Arbeitsbedingungen miserabel, beengt, klimatisch schwierig. In den 1970er Jahren wurde die alte Kaserne zuletzt saniert, und dabei ging man wenig sensibel mit der Substanz um. Nun sollen die alten Stuckdecken und Friese wieder freigelegt werden, sodass im Erdgeschoss, vor einem hübschen barocken Treppenaufgang, ein repräsentativer Wartebereich entsteht: Inklusive Kassenautomat, Schließfächern und 24-Stunden-Selbstbedienungsterminal. Die gesamte Technik in dem Gebäude muss ausgetauscht werden, ein Aufzug wird eingebaut, eine Geothermieanlage soll die Büros im Sommer kühlen.

Das Standesamt mit Trauzimmer zieht ins Obergeschoss, sodass Hochzeitsgesellschaften einen direkten Blick aufs Blühende Barock haben. Für Stehempfänge soll der Ehrenhof zwischen dem Gebäude und dem Scala umgebaut und möglichst von Autos befreit werden. Die Ausländerbehörde bleibt an ihrem jetzigen Standort, aber die Räume werden deutlich aufgewertet.

Auch zahlreiche andere Verwaltungsgebäude sind marode – die Sanierung wird teuer

Einzelne Stadträte hatten in der Vergangenheit angeregt, das Bürgerbüro in einem Neubau unterzubringen, die Idee aber ist vom Tisch. „Die historischen Gebäude sind eine Belastung für uns, aber auch eine Chance“, sagte Mathias Weißer, der Leiter des Hochbauamts, im Bauausschuss. Ein Neubau sei zwar leichter zu bewerkstelligen als der Umbau eines denkmalgeschützten Gebäudes. „Aber was machen wir dann mit den Altbauten. Sollen wir die alle leer stehen lassen?“ Die meisten Stadträte folgten dieser Argumentation und lobten, dass mit diesem Vorhaben ein weiteres barockes Gebäude öffentlich zugänglich gemacht wird.

Umstritten allerdings sind die Kosten, weshalb die Verwaltung einen externen Controller hinzuziehen wird, der Einsparpotenziale prüfen soll. „Die Pläne sind gut, aber ob das im Detail alles nötig ist, weiß ich nicht“, sagte dazu Reinhold Noz von der CDU. „Da müssen wir noch hirnen.“ Viel Zeit bleibt dafür nicht: Im Herbst soll der Baubeschluss gefällt werden.

Selbst wenn es gelingt, die Ausgaben nach unten zu drücken, steht die Stadt vor einer gewaltigen Aufgabe. Auch andere Liegenschaften der Verwaltung, etwa in der Oberen Marktstraße, sind in einem desolaten Zustand, weshalb nach 2022 weitere Sanierungen anstehen. Die Ausgaben könnten am Ende auf bis zu 40 Millionen Euro steigen.

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