An den Finanzmärkten werden die Karten durch Donald Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt neu gemischt. Foto: //Florian Wiegan

Trumps Comeback schickt US-Aktien, Dollar und Bitcoin auf Höhenflug. Besonders stark profitieren seine Medienfirma und Tesla. Was steckt hinter dem „Trump Trade“?

Donald Trump kehrt ins Weiße Haus zurück – an den Finanzmärkten werden dadurch viele Karten neu gemischt. Während die exportorientierte deutsche Industrie angesichts von Trumps Zolldrohungen vor neuen Handelskonflikten zittert, schickt die Aussicht auf sinkende Unternehmenssteuern und Deregulierung die US-Aktienmärkte auf einen Höhenflug. Welches Kalkül hinter dem sogenannten Trump Trade an der Börse steckt, und welche Geldanlagen die größten Gewinner sind.

 

Bitcoin Die größte und älteste Digitalwährung knackte bereits ein neues Allzeithoch, bevor Trumps Wahlsieg überhaupt feststand. Der Bitcoin-Preis legte zeitweise um mehr als neun Prozent auf über 75 000 Dollar zu, toppte damit den bisherigen Rekordstand vom März 2024. Trump, der bis vor wenigen Jahren kein gutes Haar an Bitcoins ließ und Betrug dahinter vermutete, ging im Wahlkampf bei der Community auf Stimmenfang und bei finanzstarken Kryptounternehmern auf die Jagd nach Spendengeldern. Beim größten US-Branchentreffen, der Bitcoin-Konferenz in Nashville, trat er im Sommer als Stargast auf. Trump versprach, als Präsident für laxere Regulierung zu sorgen, und die USA zum weltweiten Zentrum für Kryptoanlagen zu machen. Dabei verfolgt er auch eigene Geschäftsinteressen – seit kurzem sind Trump und seine Söhne selbst beim Kryptoprojekt World Liberty Financial engagiert.

DJT-Aktie Die Papiere der Trump Media & Technology Group wurden schon im Wahlkampf eifrig für Spekulationen auf eine Rückkehr des ehemaligen US-Präsidenten genutzt, sie stiegen und fielen mit seinen Erfolgsaussichten. Die Firma, an der Trump mit knapp 53 Prozent beteiligt ist, steht hinter der Social-Media-Plattform Truth, die neben X/Twitter sein bevorzugter Kommunikationskanal ist. Die in Anlehnung an Trumps Initialen unter dem Börsenticker DJT gehandelte Aktie schoss durch seinen Wahlsieg vorbörslich zwischenzeitlich um über 50 Prozent in die Höhe. Im Jahresverlauf liegt der Kurs mit über 90 Prozent im Plus, obwohl das Unternehmen starke Umsatzeinbußen verkraften musste. Für Trump ist die Rallye als größter Aktionär lukrativ, sein Anteil ist Milliarden wert. Dabei galt die Aktie bislang als reiner Zock, Trump Media schreibt tiefrote Zahlen, bei einer Wahlschlappe hätte der Kurs laut Analysten auf null sinken können.

Tesla Der Aktienkurs des Elektroautokonzerns des umstrittenen Tech-Unternehmers Elon Musk stieg nach Trumps Wahlsieg im vorbörslichen US-Handel um mehr als zwölf Prozent. Dahinter steckt nicht etwa die Erwartung, dass die Autoindustrie oder die Elektromobilität insgesamt von Trumps Wirtschaftspolitik profitieren dürften – im Gegenteil. Seine protektionistische Agenda könnte neue Handelskriege auslösen und die Geschäfte der Branche massiv erschweren. Mit Umweltschutz hat Klimawandelskeptiker Trump auch nicht viel am Hut. Der Grund, dass Anleger zur Tesla-Aktie greifen, liegt schlichtweg darin, dass Musk und Trump im Wahlkampf ein Bündnis schmiedeten. Dadurch besteht jetzt die Möglichkeit, dass der Multimilliardär und seine Unternehmen von der neuen US-Regierung eine Günstlingsbehandlung erfahren oder er dort selbst einen Posten erhalten könnte.

US-Aktien Der US-Leitindex Dow Jones legte vorbörslich um über drei Prozent beziehungsweise mehr als 1300 Punkte zu. Neben der Hoffnung auf eine Entfesselung des Unternehmenssektors durch Steuersenkungen und den Abbau von Regulierungen machen Marktbeobachter kollektive Erleichterung verantwortlich, da der Wahlausgang eindeutig ausfiel und die befürchtete Hängepartie mit drohenden sozialen Unruhen in den USA ausblieb. Auch in Deutschland und Europa reagierten die Börsen mit Kursaufschlägen. Die Euphorie könnte sich jedoch laut Experten bald wieder legen. „Nach der kurzfristigen Freude über potenziell niedrigere Unternehmenssteuern dürfte eine Ernüchterung folgen: Mittel- bis langfristig dürfte der Trump’sche Politik-Mix aus mehr Verschuldung, höherer Inflation und schärferer handelspolitischer Gangart belastend wirken“, heißt es etwa von der großen deutschen Fondsgesellschaft Union Investment.

US-Dollar Der Dollar-Index, der den Wert der US-Devise im Verhältnis zu anderen großen Währungen abbildet, erreichte den höchsten Stand seit Monaten. Hinter der Stärke steckt jedoch auch die Befürchtung, dass höhere Staatsausgaben den strapazierten US-Haushalt weiter belasten und in Kombination mit Importzöllen die Inflation anfachen. Das würde die US-Notenbank Fed zwingen, ihre Geldpolitik zu verschärfen. Das Risiko höherer Defizite und Zinsen schlägt sich auch in steigenden US-Anleiherenditen nieder.