Karstadt-Umbau Aus für Kiosk nach 50 Jahren

Von Jürgen Bock 

Prem-Chand Choogh vor seinem kleinen Kiosk in der Schulstraße. Das Büdchen muss nach Jahrzehnten den Bauarbeiten im benachbarten Karstadt-Gebäude weichen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Prem-Chand Choogh vor seinem kleinen Kiosk in der Schulstraße. Das Büdchen muss nach Jahrzehnten den Bauarbeiten im benachbarten Karstadt-Gebäude weichen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der kleine Kiosk in der Schulstraße gehört für Generationen von Stuttgartern zur Innenstadt. Doch bald soll dort Schluss sein. Der Grund: der Umbau des benachbarten Karstadt-Gebäudes.

Stuttgart - Lächelnd steht Prem-Chand Choogh in seinem kleinen Reich und bedient die Kunden. Um mit ihm zu reden, müssen sie sich ein wenig nach vorn beugen, denn das Fenster des Kiosks in der Schulstraße ist nicht groß. Seit acht Jahren verkaufen Choogh und seine Frau neben dem Karstadt-Gebäude Zeitungen, Zeitschriften und vieles mehr. Aber nicht mehr lange. Wohl zum Jahresende soll der traditionsreiche kleine Pavillon verschwinden.

Die Fläche, auf der das Büdchen steht, gehört der Stadt. Und die hat dem Pächter, der Süddeutschen Zeitungszentrale (SZZ) in Esslingen, jetzt mitgeteilt, dass zum Jahresende Schluss sein soll. „Aufgrund der im Karstadt-Gebäude vorgesehenen Umbauarbeiten ergibt sich nun aus städtebaulicher Sicht die Möglichkeit, die derzeit sehr unbefriedigende Situation zwischen der Schulstraße und dem Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz deutlich aufzuwerten“, heißt es in einem Brief an den Presse-Großhändler. Man wolle eine freie Sicht- und Fußwegeverbindung herstellen.

„Wir haben Widerspruch eingelegt und hoffen, dass die Stadt ihre Entscheidung noch einmal überdenkt“, sagt SZZ-Geschäftsführer Hans Helfferich. Den Kiosk gebe es schließlich seit über 50 Jahren. Hunderte Kunden kommen jeden Tag dorthin. Gerade in der Innenstadt gebe es nur noch sehr wenige solcher kleiner Läden mit einem entsprechenden Angebot. Oft sind die Kioske nicht nur Verkaufsstellen, sondern auch Orte für Gespräche und Begegnungen.

Für die Betreiberfamilie bedeutet ihr kleiner Pavillon noch weit mehr. „Der Kiosk ist für uns wie ein zweites Zuhause“, sagt Prem-Chand Choogh. „Es gibt nur noch wenige solche Orte. Die Kunden sind alle traurig, wenn sie erfahren, dass der Abriss droht.“ Und für seine eigene Familie steht die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel – zumal er derzeit noch gar nicht genau weiß, wie lange er in der Schulstraße noch weitermachen kann.

Auf Nachfrage bei der Stadt spielt die städtebauliche Gestaltung des Areals eine weniger große Rolle als in dem offiziellen Schreiben an den Pächter. „Die Umgestaltung des Karstadt-Gebäudes nebenan wird eine richtig große Baustelle. Dafür wird die Fläche benötigt“, sagt Sprecher Fabian Schlabach. Beim Einsatz von schwerem Gerät und dem Aufbau der Baustellenlogistik wäre der kleine Kiosk also im Weg. Der Vertrag läuft laut Schlabach noch bis Ende Dezember. Er macht Pächter und Betreiber aber ein wenig Hoffnung: „Wir machen das Angebot, bei der Suche nach einem Ersatzstandort behilflich zu sein, wo immer das möglich ist.“ Die Frage sei aber, ob man den kleinen Kiosk überhaupt umziehen könne.

Am liebsten würde Prem-Chand Choogh sich über solche Fragen gar keine Gedanken machen müssen. „Ich möchte hier bleiben“, sagt er – und muss weiterarbeiten. Die nächsten Kunden warten schon darauf, sich zu dem kleinen Fenster herunterzubeugen.

Hintergrund

Kioske

Wie viele Kioske es in Deutschland gibt, steht nicht genau fest. Die Angaben unterschiedlicher Institutionen schwanken stark und reichen von 18 000 bis 48 000. Ein einheitliches Gewerbeverzeichnis gibt es nicht. Generell nimmt die Zahl aber ab.

Schuld daran ist vor allem die große Konkurrenz durch Supermärkte oder Tankstellen. Dabei erfüllen viele Kioske in ihrem direkten Umfeld auch eine soziale Funktion als Treffpunkt für viele Leute. (jbo)

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