Von außen lässt sich kaum erahnen, wie es in dem ehemaligen Karstadt-Gebäude aussieht. Foto: Roberto Bulgrin

Seit mehr als zwei Jahren steht das große Karstadt-Gebäude in Esslingens Fußgänerzone leer. Von außen ist es blickdicht verschlossen. Wir haben einen Blick hineingeworfen.

Zwei ältere Frauen mit weißem Kurzhaarschnitt spazieren an einem sonnigen Mittag durch Esslingens Fußgängerzone. Vor einem großen Gebäude bleiben sie kurz stehen. „Hier tut sich auch nix“, sagt eine zur anderen. Die schüttelt nur den Kopf, beide Frauen gehen ihres Weges.

 

Das Gebäude, das bei so manchem Esslinger Kopfschütteln auslösen dürfte, ist das ehemalige Karstadt-Haus. Seit mehr als zwei Jahren steht es leer. Wie die zufällig angetroffenen Frauen in der Fußgängerzone, sehen Passanten von außen nur abgeklebte Scheiben. Der Reporter, der den beiden zufällig begegnet ist, darf an diesem Tag einen Blick hinter die undurchsichtigen Fenster werfen. Was passiert da?

Karstadt-Gebäude in Esslingen – Leere im Inneren

„Von außen sieht es nicht so aus, als würden wir hier drin arbeiten, das stimmt“, sagt Züblin-Bauleiterin Jasmin Rebmann, während sie durch die Gänge des Gebäudes führt. Von den Decken hängen Kabel, auf dem Boden liegt vereinzelt Bauschutt, das Licht in den großen Ebenen kommt von hängenden LED-Streifen und vereinzelt herumstehenden Leuchten. Die Rolltreppen stehen still. Nichts im Inneren des Gebäudes erinnert an das einstige Leben darin.

Seit Januar wird das Gebäude nach und nach entkernt. Bis auf den Rohbau entfernen die rund 20 Arbeiter alles, erklärt Rebmann. Seit Januar? „Der Karstadt hat doch bereits Anfang 2024 geschlossen“, wird nun der ein oder andere denken. Warum beginnen die Arbeiten erst jetzt? Nachfrage bei Strabag Real Estate. Der Baukonzern hat das Gebäude Anfang 2025 übernommen. „Es mussten umfangreiche Untersuchungen zur Beschaffenheit (Schadstoffe) durchgeführt und dann ein Entkernungskonzept erstellt werden“, erklärt Sprecherin Annette Gauger.

In den ehemaligen Mitarbeiterräumen türmt sich alte Technik. Foto: Roberto Bulgrin

Neues Esslinger Karstadt-Gebäude soll 2029 fertig sein

Fünf Stockwerke hat der ehemalige Karstadt in Esslingen. Die damaligen Kundinnen und Kunden kennen zum größten Teil aber wohl nur die ersten drei Ladenflächen. Die oberen beiden Stockwerke waren den Mitarbeitenden vorenthalten. „Hier sieht es wirklich noch aus, als hätten die Menschen alles stehen und liegen gelassen“, sagt Bauleiterin Rebmann. Auf den Tischen stapeln sich verstreut Akten, auf dem Boden häufen sich alte Bildschirme und Computer – auch das ehemalige Chef-Büro mit hübschem Blick über Esslingen ist vollkommen verwaist.

In den tieferen Etagen sind nicht einmal mehr diese letzten Überreste zu sehen. „Wir arbeiten uns von unten nach oben vor“, erklärt Rebmann. Im dritten Stock wird der Übergang deutlich. Während die unteren Ebenen weitestgehend kahl sind, findet sich hier noch ein Stück der ehemaligen Großküche.

„Wir liegen bei den Arbeiten gut im Zeitplan“, sagt die Bauleiterin. 2029 soll alles fertig sein. Dann werden nach Vorstellungen von Strabag mehrere Mieter Unterschiedliches anbieten – von Handel bis Fitness, auch Büros und Praxen sind geplant.