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Laut einer Studie würden bis 2012 25.000 neue IT-Arbeitsplätze entstehen, jedoch nur für IT-Fachkräfte mit Wirtschafts- und besonderem Branchen-Knowhow.

Die Informationstechnologie in den Unternehmen wird immer stärker standardisiert und automatisiert, daran besteht kein Zweifel. Doch diese Form der Industrialisierung wirkt sich, gerade was den IT-Betrieb betrifft – also den Bereich, der die Systeme konzipiert, konfiguriert und administriert –, bislang nicht negativ auf den Arbeitsmarkt aus. Trotz mancher Prognose der Vergangenheit, die genau das besagt hatte.

Zum Beispiel A. T. Kearney: Die Managementberatung hatte im Jahr 2007 die 500 größten Unternehmen in der Bundesrepublik analysiert, die 190.000 Mitarbeiter in ihren IT-Abteilungen beschäftigten. Mehr als 60 Prozent dieser Jobs, so eine Modellrechnung, würden die Unternehmen unterm Strich in den kommenden fünf Jahren abbauen, also bis 2012. Parallel würden 25.000 neue IT-Arbeitsplätze entstehen, jedoch nicht für klassische Spezialisten, sondern für IT-Fachkräfte mit Wirtschafts- und besonderem Branchen-Knowhow. Von diesem Aderlass ist bislang wenig zu spüren. Wenn man sich die einschlägigen Stellenausschreibungen anschaut, stellt man fest, dass Administratoren als personelles Rückgrat der Unternehmens-IT nach wie vor häufig gesucht werden. „Industrialisierung der IT hin oder her, Administratoren stellen weiterhin eine große und wichtige Berufsgruppe“, bestätigt Stephan Pfisterer, Bereichsleiter Personal und Arbeitsmarkt beim IT-Branchenverband Bitkom. „Die Mobilität und Interaktivität wird in der IT weiter zunehmen – wer sollte die entsprechenden Systeme bereitstellen, wenn nicht die Administratoren?“

Trotz dieser aus Arbeitnehmersicht guten Nachrichten müssen sich Administratoren auf Wandel in ihrem beruflichen Umfeld einstellen. Die Technik entwickelt sich rasch weiter, ein Einzelner wird für immer komplexere Systeme zuständig sein, und mittelbis langfristig bringt nur die richtige Spezialisierung Jobsicherheit – sofern es so etwas heutzutage überhaupt noch gibt. Martin Vesterling, geschäftsführender Gesellschafter der Vesterling Personalberatung, die sich auf die Besetzung von Positionen in der IT spezialisiert hat, unterscheidet bei den Administratoren zwei Gruppen, die Generalisten und die Spezialisten: „Zu den Generalisten zählen wir Leute, die im Umfeld der Linux- oder Microsoft-Welt eine ganze Reihe von Aufgaben zu bewältigen haben, von der Einrichtung der Server bis zum Support. Oft arbeiten sie in kleineren Unternehmen und haben sich ein breites Wissen durch Training-on-the-Job angeeignet. Andererseitsgibt es die Spezialisten, diezum Beispiel im Umfeld von Datenbanken oder Netzen tätig sind und dort ein sehr tiefgehendes Knowhow besitzen.“ Solche Spezialisten seien besonders gefragt, weshalb Vesterling jedem Administrator empfiehlt, sich in einem Fachgebiet zu spezialisieren. „Generalisten sollten im Lauf ihrer beruflichen Karriere daher auch mal bei einem großen Unternehmen arbeiten, denn dort fällt es aufgrund der größeren IT-Mannschaft und der komplexeren Systemlandschaft leichter, sich zu spezialisieren.“

In Vesterlings Augen ist eine solche Spezialisierung für Administratoren der beste Schutz, um auch bei Arbeitslosigkeit im fortgeschrittenen Alter gute Chancen als Bewerber zu haben. „Denn wir beobachten, dass es für die Generalisten unter den Administratoren jenseits der 50 noch immer schwierig ist, einen neuen Jobzu finden.“

Wobei Stephan Pfisterer zu bedenken gibt, dass, wenn der Bedarf an Administratoren sänke, diesam ehesten bei großen Unternehmen zu beobachten sein werde, weil dort schon „allein durch die Größe und neue Organisationsmodelle wie Cloud Computing am ehesten Effizienzsteigerungen möglich sind“.

Ein wichtiges Thema für Administratoren sind Zertifikate, die bestimmte Qualifikationen formal nachweisen. „Sie haben am Arbeitsmarkt einen unverändert hohen Stellenwert“, sagt Pfisterer. „Allerdings sind die konkreten Kenntnisse wichtiger als die eigentliche Prüfung, die man für das Zertifikat ablegen muss.“ Anders gesagt: da von Administratoren praktische Problemlösungen erwartet werden, reichen Zertifikate allein nicht aus. Ein K.-o.-Kriterium seien fehlende Zertifikate bei einer Bewerbung eigentlich nur, wenn ein Unternehmen im Hinblick auf Ausschreibungen oder Partnerverträge eine bestimmte Quote an zertifizierten Mitarbeitern vorweisen können müsse, so Pfisterer weiter. Auch in Martin Vesterlings Augen sind Zertifikate nicht das allein Seligmachende: „Wichtigsind der Praxisbezug, die analytischen Fähigkeiten des Bewerbers und ob er zur Unternehmenskultur passt.“

Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler- Stiftung verdienen Administratoren im Schnitt monatlich 3200 Euro, wobei es starke Unterschiede zwischen den Branchen gibt. So kommt ein Administrator, der bei einem Handelsunternehmen angestellt ist, auf lediglich 2800 Euro, während ein Administrator, der bei einer Bank oder einem Maschinenbauunternehmen arbeitet, auf 3600 Euro kommt. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2009. Die IG Metall hatte im Frühjahr aktuelle Einkommenszahlen veröffentlicht: Danach verdient ein Administrator zwischen 37.700 und 49.600 Euro jährlich. Frauen verdienen in der IT häufig noch immer weniger als ihre männlichen Kollegen – laut der Personalberatung Kienbaum im Durchschnitt zehn Prozent.

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