Franziska und Marcel müssen noch Faschingskenner werden. Foto: Horst Rudel

Franziska Klein und Marcel Schlatterer sind das neue Baronenpaar der Zigeunerinsel.Mit der Inthronisation hat die Session begonnen.

S-West - So kann’s gehen: Franziska ist im Bierzelt geadelt worden. Sie feierte gerade mit ihren Freunden auf dem Wasen in Grandl’s Festzelt, als sie ein fremder Mann ansprach: Ob sie Baronesse werden wolle? Der Mann war Paul Blaser, der Vizepräsident der Karnevalsgesellschaft Zigeunerinsel. Und er war auf der Suche nach einer Repräsentantin für die anstehende Session. „Bis dahin hatte ich mit Fasching nichts am Hut“, sagt Franziska. „Aber dann dachte ich mir: warum nicht?“

Jetzt trägt sie bis zum Frühjahr ein silbernes Krönchen auf dem Kopf. Am Wochenende ist die 25-jährige Franziska Klein zum Auftakt der Karnevalssession im Bürgerzentrum West vor 250 Gästen als Baronesse Franziska I. vom Lenzenberg inthronisiert worden. Sie ist das Gesicht der Faschingskampagne der Zigeunerinsel. An ihrer Seite: Baron Marcel I. vom Wolfersberg, im richtigen Leben Marcel Schlatterer und der 31-jährige Cousin von Franziska Klein.

Als Baronesse muss man gern im Mittelpunkt stehen

Die beiden dürfen sich auf unzählige „Tschä-Hoi“s auf rund 80 Karnevalsterminen freuen. „Da muss man gern im Mittelpunkt stehen“, sagt Paul Blaser und scheint zufrieden mit der Wahl der Baronesse. Er gehe immer mit offenen Augen durch die Stadt. Und wenn ihm ein Mädchen auffalle, die passen könnte, „dann frag ich sie sofort. Denn wenn’s passt, dann passt’s“. So wie bei Franziska.

Ihr Baron hätte eigentlich ein anderer werden sollen, doch der hat aus beruflichen Gründen abgesagt. Ihr Cousin Marcel ist eingesprungen – auch er ist weder Mitglied der Zigeunerinsel noch großer Faschingskenner. Aber das könne ja kommen. „Ich lerne hier viele neue Menschen kennen und mache neue Erfahrungen – ist doch toll!“, sagt der VWL-Student. Mit blaublütigen Gepflogenheit kennen sich beide zumindest ein wenig aus: die Schlatterers waren im Mittealter ein Adelsgeschlecht, der Titel wurde der Familie jedoch früh aberkannt, „wegen Raubrittertums“, erzählt Marcel. Die Baronesse war Spätzlekönigin der Jahre 2009 und 2012. „Ich bin immer für so was zu haben“, sagt Franziska die Erste, einst Königin und jetzt Baronesse.

Auf Knopfdruck gute Laune versprühen

Baron und Baronesse zu sein bedeutet auch, auf Knopfdruck gute Laune zu versprühen, sein Privatleben zurückzustellen und sich in der Karnevalswoche frei zu nehmen. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagt Marcel, der gerade seine Diplomarbeit schreibt. Früher organisierte er mit anderen Kommilitonen gemeinsam Uni-Partys – an Wochenenden zu arbeiten, ist für ihn nichts Neues. Franziska ist Sattlerin und besucht die Meisterschule. „Aber das krieg ich schon irgendwie hin.“ So wie den Umgang mit Journalisten: Das junge Baronenpaar muss sein erstes Pressegespräch beenden. Die Inthronisation beginnt, der Spielmannszug ist schon auf der Bühne angekommen. Und jetzt, kurz bevor es tatsächlich losgeht, werden beide dann doch nervös. Marcel geht seinen Text noch mal durch, Franziska zupft am Rock und an ihrer Krone. Dann stehen sie auf der Bühne, vor ihnen applaudierende Zuschauer. Die Session hat begonnen.

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