Prinzessinnen unter sich: Mimi (rechts) gratuliert Lina I. zur Inthronisation. Foto:  

Die Karnevalsgesellschaft Grün-Schwarz Stuttgart inthronisiert mit Lina I. eine Prinzessin, die heiße Reifen liebt und der es nichts ausmacht, im Mittelpunkt zu stehen.

Feuerbach - Sollte die Karnevals-Gesellschaft Grün-Schwarz Stuttgart aus einem runden Anlass heraus einmal ihre Historie resümieren, dann dürfte das glückliche Händchen, das sie bei der Wahl ihrer Faschingsprinzessinnen hat, wohl nicht das kleinste Kapitel abgeben. Als glamouröse Frontfrauen für die närrische Saison konnte die Gesellschaft zuletzt herkunftsmäßig quasi transkontinental ausgreifen. Vom Norden Indiens über das Herz Thüringens nun bis ins hintere Sibirien. Von dort kommt Lina I., die mit der traditionellen Inthronisation im Clubhaus an der Scholer-Straße an Dreikönig die heiße Phase der Faschingskampagne einläutete.

Zum Auftakt gab es eine Überraschung: Die Sindelfinger Faschingsmusiker, die in Narrenlaune einmal einen Besuch angedroht hatten, machten dies jetzt wahr – und standen ohne Vorankündigung plötzlich mit einer Busladung Musiker vor der Pforte. Mit ihrem Auftritt ließen sie nicht nur den spröden Charme der Recycling-Umgebung des Clubs vergessen, sondern schienen akustisch und volumenmäßig auch fast das Fassungsvermögen der Örtlichkeit zu sprengen.

Die neue Prinzessin stammt aus Sibirien

Während es also bereits beim Vorspiel des Inthronisationsaktes hoch herging, nahm sich nebenan die angehende Prinzessin in aller Seelenruhe Zeit für ein kurzes Gespräch. Aber Fasching hatte sie bisher eh nicht besonders in Wallung versetzt: „In Sibirien hatten wir so etwas nicht“, sagt Lina Moor, die als Siebenjährige mit ihrer Familie dank eines deutschstämmigen Vaters ins Schwabenland übersiedeln konnte. Und auch die 22 Jahre, die seitdem vergangen sind, konnten sie nicht mit dem Narren-Virus infizieren. Nun aber kam die Anfrage, und ihr Freund hat ihr zugeraten: „Mach das, das wird bestimmt eine interessante Erfahrung, hat er gesagt“, erzählt Lina I., die im bürgerlichen Leben bei einem Unternehmen arbeitet, das mit Pferdeanhängern handelt: „Ich arbeite gerne, und ich gebe immer hundert Prozent“, betont sie und ergänzt: „So mache ich das auch während der nächsten fünf Wochen als Prinzessin. Ich gehe auch sonst gern aus und feiere.“

Vollgas zu geben ist sowieso eine ihrer Leidenschaften. Denn Lina I. ist nicht nur „die erste Prinzessin von Schwarz-Grün, die Vespa fährt“, wie der Prinzessinnen-Scout Horst Schürer sagt. Er ist der Vize-Präsident des unterm Dach des Vereins Vespa-Fiat-Clubs 1950 situierten Karnevalsgesellschaft. Die Prinzessin liebt auch stärker motorisierte Fahrzeuge – eine 600-er Suzuki etwa, die sie mal „auf 250 Sachen“ getrieben hat: „Wenn es da Blitzer gegeben haben sollte, dann war ich schneller als die Blitzer“, sagt sie lächelnd, als sie das Motorrad auf ihrem Smartphone zeigt. Und auch ihr BMW habe „ordentlich was unter der Haube“.

Erfahrung als Modell gesammelt

Das „Rädle“ hat aber jetzt ohnehin Winterpause, und pausieren muss jetzt auch eine zweite Liebe der Prinzessin, nämlich die zu „dicken Romane“. Die hatte sie einst angesichts der Bücherwände ihres Vaters erfasst, eines inzwischen emeritierten Mathematik-Professors.

Die Familie ist nun trotzdem dauernd mit im Boot, denn die Mutter hat als Schneidermeisterin das prächtige Prinzessinen-Gewand angepasst, ein nie getragenes Geschenk aus Teenie-Zeiten: schulterfrei wallende Organza-Pracht in Mintgrün, ausladend per Reifrock und nur so schillernd vor floralen Stickereien mit Perlenbesatz.

Da Lina I. auch ein paar Jahre als Model im Einsatz war und Mode vorgeführt hat, fiel der erste Auftritt der blonden Schönheit auf dem „Laufsteg“ von Schwarz-Grün entsprechend sicher aus: „Es macht mir nichts aus, im Mittelpunkt zu stehen. Ich denke, das ist kein Fehler bei einer Prinzessin“, sagt Lina I. und lässt sich von der Ehrenprinzessin Mimi die Krone ins Haar heften, und sie nimmt den Jubel im Club als eine Huldigung war, die ihr nun öfter zuteil werden dürfte.

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