Carmen III. und Stephan I. im festlichen Gewand Foto: Stuttgarter Rössle

Trotz Corona und ganz wenigen Terminen: Der Karnevalsclub Rössle hat zwei Königliche Hoheiten. Ungewöhnlich: Das Regentenpaar hat schon eine Vertragsverlängerung in der Tasche.

Stuttgart - Der Moment war einfach berührend. Carmen Neuser und ihr Mann Stephan standen vor dem Haus einer Rentnerin in Zuffenhausen, im Gepäck das aktuelle Jahresheft und den Jahresorden des Karnevalsclubs Stuttgarter Rössle für ihr Mitglied. Sie hatten sich fein gemacht für diesen Anlass. Sie ihm festlichen, langen, schwarzen Kleid samt Krönchen, er im eleganten Jackett samt Schärpe. Schließlich repräsentiert das Duo in dieser so anderen Kampagne das Regentschaftspaar der Rössle und amtiert unter den Namen Stephan I. und Carmen III. vom magischen Augenblick.

 

Die alte Dame war zutiefst gerührt, denn sie hatte eigentlich nur den Präsidenten Andreas Goihl erwartet und nicht die beiden Totalitäten. Der Orden wurde Corona gerecht mit einem eigens entwickelten „Ordenübergabeschieber“ übergeben – eine Auszeichnung auf Abstand. Die rüstige Närrin fühlte sich durch den Besuch wieder als lebendiger Teil der Rössle-Familie und sprach von einem „Lichtblick“ in den für einsame Menschen so tristen Zeiten.

Die Inthronisation auf dem Schiff fällt ins Wasser

Es sind genau diese Begegnungen, die für Carmen (43 Jahre) und Stephan (45) Neuser ihre Regentschaft so besonders machen. „Es hat viel Spaß gemacht, so viel Freude zu schenken“, sagt Carmen Neuser. Und es entschädigt dafür, dass ihre Amtszeit so ganz anders ist als geplant, denn eigentlich sollten die beiden Durchlauchten die Rössle im närrischen Jubiläumsjahr 44 Jahre nach der Gründung bei allen möglichen Anlässen repräsentieren.

Doch es ist eben auch für die Narren die Zeit der kreativen und spontanen Reaktionen. Das galt schon für die Inthronisation im vergangenen November. Diese hätte wegen der Coronavorgaben schon nicht mehr mit Publikum und in einer Halle stattfinden können. Deshalb hatte sich Rössle-Präsident Andreas Goihl etwas Besonderes überlegt: Die feierliche Zeremonie sollte im Freien auf dem Neckarkapitän stattfinden. Carmen und Stephan Neuser freuten sich schon darauf, vom Spalier und den Fackeln der Rössle-Musketiere auf das Schiff geleitet zu werden zum Auftakt am elften Elften. Angesichts der dann erneut verschärften Corona-Beschränkungen fiel der Termin auf dem Schiff dann aber buchstäblich ins Wasser. Und wieder wurde improvisiert und die Inthronisation bereits am 3. November auf dem Gelände von Schloss Hohenheim vollzogen. Mit Maske und Abstand. Andreas Goihl hat die Ernennung aufgenommen und inclusive Laudatio einen kleinen Film gemacht, der am 11.11. um 11.11 Uhr dann auf der Facebook-Seite der Rössle hochgeladen wurde und bislang mehr als 2500 Aufrufe hat.

Nur ein kleines Rathausstürmle

„Bei der Arbeit wurde ich dann als Königliche Hoheit angesprochen“, sagt Stephan I. , der im bürgerlichen Leben Direktionsbeauftragter einer großen Versicherung ist. Neben der Ordensvergabe stand dann noch ein ganz kurzes Rathausstürmle bei Zuffenhausens neuem Ortsvorsteher Saliou Gueye auf dem Programm, der sich schon auf den hoffentlich echten Sturm 2022 freut.

Die Neusers haben bereits Erfahrung als närrisches Paar und als Grafenpaar zwei Jahre bei den Karnevalsfreunden Esslingen amtiert und dabei viele spannende und herzliche Begegnungen gehabt, aus denen auch Freundschaften erwachsen sind. Mit den Abläufen im Amt, der Verantwortung, die man trägt und den eher schlaflosen Tagen während der Kampagne sind sie also schon bestens vertraut. „Wir hoffen, dass wir das im kommenden Jahr dann auch bei den Rössle ausleben dürfen“, sagt Carmen I. Denn kaum im Amt hat das Regentschaftspaar schon eine Vertragsverlängerung in der Tasche. Die beiden sollen ihr närrisches Volk nämlich für die Dauer von zwei Sessionen regieren und werden nicht wie sonst bei den Rössle üblich am Ende der Session „beerdigt.“