Das Karlsstift in Schorndorf hat eine 130-jährige Geschichte. Die Ära als ein stationäres Pflegeheim wird aber in absehbarer Zeit enden. Foto: Gottfried Stoppel

Weil ein Umbau aus wirtschaftlich Gründen nicht machbar ist, soll das traditionsreiche Karlsstift innerhalb Schorndorfs umziehen. Für den bisherigen Standort gibt es schon erste Pläne.

Schorndorf - Pfarrerin Dorothee Eisrich kennt einige Schorndorfer, die schon genau wissen, wo sie ihren Lebensabend verbringen möchten: im traditionsreichen Karlsstift, mit direktem Blick auf die Stadtkirche. Entsprechend groß sei das Entsetzen gewesen, als im Frühsommer die Nachricht kam, dass das Pflegeheim am bisherigen Standort keine Zukunft hat: „Das war ein Paukenschlag, der einen unglaublichen Aufschrei verursacht hat. Dabei geht es nicht nur um Emotionen, sondern auch darum, wie wir den letzten Lebensabschnitt gestalten wollen“, sagt Dorothee Eisrich, die dem Förderverein des Karlsstift vorsitzt.

 

Besondere Gebäudestruktur als besondere Herausforderung

Das historische Gebäude des Pflegeheims prägt nicht nur das Stadtbild von Schorndorf. Das Seniorenstift ist mit seiner 130-jährigen Geschichte auch die älteste Pflegeeinrichtung seines Betreibers, der Zieglerschen. Deswegen sei es keine leichte Entscheidung gewesen, berichtet Stefan Wieland, der Sprecher des diakonischen Unternehmens. Doch letztlich habe es keine andere Lösung gegeben: Für das im Jahr 2003 generalsanierte Pflegeheim mit seinen 76 Plätzen muss ein neuer Standort gefunden werden.

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Die anstehenden Brandschutz- und Sanierungsmaßnahmen sowie die Umsetzung der Landesheimbauverordnung hätten hohe Kosten nach sich gezogen: „Die ursprüngliche Planung, das Gebäude entsprechend der aktuellen Anforderungen unter Einhaltung des Denkmalschutzes zu modernisieren, mussten wir verwerfen“, erläutert Christoph Arnegger, der Geschäftsführer des Bereichs Facility Management.

So sei es aufgrund der Gebäudestruktur nicht möglich, das Heim nach und nach, Ebene für Ebene, zu sanieren. Bei einem Eingriff über alle Ebenen seien jedoch unter anderem tragende Wände und die gesamte Infrastruktur betroffen – und eine wirtschaftliche Sanierung nicht möglich. „Zumal für die Bewohner keine Containerlösung während der langen Bauzeit denkbar ist“, sagt Sebastian Köbbert, Geschäftsführer des Bereich Altenhilfe bei den Zieglerschen.

Die Zieglerschen wollen die Tradition an derer Stelle fortführen

Die Zieglerschen betreiben mit dem Marienstift noch ein weiteres Pflegeheim in Schorndorf. Es in Zukunft nur bei dieser einen Einrichtung zu belassen, sei hingegen nicht in Betracht gezogen worden. „Die Tradition des Karlsstiftes möchten wir gerne an anderer Stelle fortführen“, sagt Arnegger. Man wolle weiterhin für die Stadt Schorndorf ein verlässlicher Partner sein und zudem die 110 Arbeitsplätze im Karlsstift erhalten: „Wir haben bei unseren Mitarbeitern sehr wenig Fluktuation. Wir wollen ihnen bald Planungssicherheit geben“, ergänzt Sebastian Köbbert.

Und nach intensiver Suche zusammen mit der Stadt sieht es nun ganz so aus, als könnte dies tatsächlich gelingen: Im Norden der Stadt, jenseits der Bahnlinie, gibt es mehrere Grundstücke, die in Betracht kommen. Darunter ist auch das Gelände des ehemaligen Bauhofs, vorgesehen als IBA-Projekt. Eine Anbindung an den ÖPNV und eine gute Erreichbarkeit seien dort gegeben. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in absehbarer Zeit eine Lösung präsentieren können“, sagt Sebastian Köbbert.

Umzug bis 2027 – und Ideen für das bisherige Grundstück

Die Zielvorgabe ist, bis 2027 umzuziehen. Entstehen könnte ein Heim mit bis zu 75 Plätzen. Zudem, so berichtete der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei einem Pressetermin in seiner letzten Amtswoche, habe es etliche Hintergrundgespräche und schließlich ein Spitzentreffen mit den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats gegeben. Das Ergebnis ist der gemeinsame Wille, den Bebauungsplan des bisherigen Grundstücks nicht zu verändern: „Wir wollen weiterhin eine öffentliche Nutzung ermöglichen. Das ist eine große Chance für die Stadt“, sagte Klopfer, der damit privaten Wohnbauprojekten in der attraktiven Lage eine Absage erteilt. „Und wir möchten Teil der Lösung sein“, ergänzt Sebastian Köbbert.

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Vorstellbar sei es, attraktive neue Wohnformen für Senioren auszuprobieren, gemeinschaftliches Wohnen zu ermöglichen – und Angebote für alle Generationen zu schaffen. „Wir sehen uns als Impulsgeber und laden andere Partner ein“, beschrieb Klopfer die Rolle von Stadt und Träger. Sobald klar ist, wo das Karlsstift hinziehen wird, könne es in die strategische Planung gehen. „Wir werden von Gästen von außerhalb beneidet, dass man mit dem Rollator direkt in die Innenstadt kann. Das ist ein gigantischer Vorteil“, sagt Dorothee Eisrich. Sie wünscht sich einen gemeinsamen Willen aller Partner, dass die Schorndorfer auch in Zukunft mitten in ihrer Stadt älter werden können.