Karlsruher hat einen orthopädischen Gebetsteppich erfunden.
Karlsruhe - Turgay Yenerers Mutter hat Osteoporose, Vaters Knie sind von Artrose gezeichnet. Die gläubigen Muslime konnten nur noch unter Schmerzen auf dem Boden kniend beten. Yenerer wusste Hilfe: Der 48-Jährige erfand einen orthopädischen Gebetsteppich. 2000 dieser Teppiche, auf die er ein Patent besitzt, hat der Karlsruher bereits in den ersten zwei Monaten der Serienproduktion weltweit verkauft.
"Ein Moslem soll sich zu 100 Prozent auf sein Gebet konzentrieren", sagt der geborene Türke Turgay Yenerer. "Wie soll er das tun, wenn er dabei Schmerzen hat?" Zwar dürfen alte oder kranke Muslime durchaus im Sitzen oder Liegen beten, die meisten jedoch wollen es wie immer machen: kniend auf ihrem Gebetsteppich in Richtung Mekka. Der "Mihrab" - deutsch: Gebetsnische - macht das wieder möglich. Ein spezieller Schaumstoff, wie er für Therapiematten in der Rehabilitation verwendet wird, ist auf der Unterseite des Mihrab angebracht. Die Knie des Betenden kommen so gar nicht in Kontakt mit dem harten Untergrund, sinken minimal ein und werden gestützt. "Dieser orthopädische Teppich leistet auch einen Beitrag, alte oder kranke Menschen mobil zu halten.
"Sie schließen mich oft in ihr Gebet ein"
In rund zwei Jahren hat der Inhaber eines Teppichgeschäfts in Karlsruhe das Modell Mihrab entwickelt. Immer in enger Abstimmung mit islamischen Geistlichen. Denen war der Schaumstoff anfangs zu hoch, denn der Gebetsteppich sollte nun doch nicht einen zu bequemen Anschein haben. "Letztlich haben sie dieses Produkt nicht nur gut geheißen, sondern sogar befürwortet", sagt Yenerer und ist stolz.
Schließlich hätte auch der Hodscha, also der islamische Religionsgelehrte, etwas vom Mihrab. "Nach dem Gebet in der Moschee können die Gläubigen seiner Predigt viel besser zuhören und bewegen sich dabei nicht wegen Knie- oder Rückenschmerzen ständig hin und her." Für 69 Euro gibt es die 1,25 Meter auf 70 Zentimeter großen Teppiche derzeit mit klassischem Muster und in sechs Farben. Bald schon wird es weitere Muster geben, und auch der Mihrab mit abnehmbarem Bezug kommt demnächst auf den Markt. In Schleswig Holstein hat ein gelernter Elektromeister übrigens einen ähnlichen Teppich auf den Markt gebracht.
In vielen Moscheen liegen Yenerers orthopädische Gebetsteppiche bereits aus. Nicht nur seine Eltern freuen sich über die Erfindung ihres Sohnes. Weltweit beten Muslime schmerzfreier auf Yenerers Mihrab. "Und das Schöne ist, sie schließen mich oft in ihr Gebet ein, weil sie sich so über den Mihrab freuen". Das hat er in den zahlreichen Dankesschreiben gelesen, die ihn aus der ganzen Welt erreichen.