Die neun Jungs des Stuttgarter Karls-Gymnasiums haben sich durchgesetzt und die süddeutsche Meisterschaft gewonnen – unterstützt von der Lehrerin Fanny Meisel. Foto: privat

Die Debating AG des Karls-Gymnasiumns hat die süddeutsche Meisterschaft gewonnen. Die Gruppe, bestehend aus neun Schülern, war dabei so überzeugend, dass selbst das Finale klar mit 7:0 gewonnen werden konnte.

Eine Zeit lang sei die Mannschaft noch im Anzug zu den Wettkämpfen gefahren, sagt Andrey Belkin, Mitglied der Debating AG des Karls-Gymnasiums. Bis sie sich gefragt hätten: Warum so arrogant? Seither tragen die Jungs nur noch Jeans und Hemd beim Debattieren. Geschadet hat es dem Team nicht. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Fanny Meisel ist das Oberstufenteam Sieger in der Süddeutschen Liga geworden.

Debating kommt aus dem Englischen. Es bedeutet, dass zwei Gruppen, die beim Debating Häuser genannt werden, einen Wettkampf in Form einer Debatte austragen. Das Thema wird vorgegeben und auch die Seite, die das Team einnehmen muss – entweder muss für oder gegen eine Position argumentiert werden. Innerhalb einer bestimmten Zeit haben dann drei Sprecher jeder Seite die Möglichkeit, ihre Argumente vorzutragen und die der Gegenseite zu entkräften – und das alles auf Englisch.

Ein klares 7:0 im Finale

Eine unabhängige Jury entscheidet am Ende, wer gewonnen hat. Die Aufgabe für die Mannschaft des Karls-Gymnasium im Finale war, das Publikum und die Jury davon zu überzeugen, dass der Präsident der EU-Kommission nicht vom Volk gewählt werden soll. Die Schüler waren so überzeugend, dass sie den Wettkampf 7:0 gewonnen haben. Den Grund für ihren Sieg sieht Fanny Meisel in der klaren Rollenverteilung des Teams. Andere Mannschaften würden oft viel Zeit benötigen, um zu bestimmen, wer was tut und sagt. Die Lehrerin sagt: „Bei uns läuft das sehr schnell. Deshalb haben wir mehr Zeit für die Vorbereitung.“ Diese besteht darin, zu überlegen, was das Publikum erwartet und welche Modelle und Prinzipien es zu einem Thema gibt, sagt Eric Swanson, einer der Gewinner. „Wir fragen uns: Ist es legitim? Was bringt es für Vorteile?“, sagt Swanson. „Dann überlegen wir, wie man es durchsetzt“, fügt sein Kollege Pascal Beleiu hinzu. Belkin sagt: „Wir analysieren den Status quo. Wir überlegen: Was läuft gerade falsch?“ Müsse die Gruppe dagegen argumentieren, versuchten sie, die logischen Schlüsse und Beispiele der Gegenseite anzugreifen. „Wir versuchen dann, alles zu attackieren“, sagt Swanson. Dabei haben sie viel Freude. „Wir sind so weit, dass wir sogar Spaß hatten, wenn wir verloren hatten“, erzählt Belkin. Neben dem Spaß profitieren die Schüler aber auch von ihren Erfahrungen beim Debating. Präsentieren, Argumentieren und Analysieren, das lernen sie nicht nur theoretisch, sondern gleich in der Praxis – und auf Englisch.

Bewertet werden Stil, Inhalt und Struktur

Doch auch das beste Team hat mal mit den Themen zu kämpfen. Im Halbfinale ging es um die Rente mit 63. Das sei besonders schwer gewesen, da die Meinung von Lehrern und Medien hierzu sehr einseitig sei, sagt Beleiu. Am besten seien die Themen, die gut von beiden Seiten vertreten werden könnten. Auch Belkin findet neutrale Themen am besten. Es sei schwer, gegen die allgemeine Meinung zu argumentieren, erklärt ihre Lehrerin. Wer möchte schon begründen, warum Homosexuelle nicht heiraten sollten? Dabei kommt bei den Rednern die Sorge auf, dass die Jury nicht objektiv nach dem Können und den Argumenten entscheidet, sondern sich auch von ihrer eigenen Meinung leiten lässt. „Das ist das Problem mit dem menschlichen Gehirn“, sagt Beleiu. Meisel sagt, dass die Unterscheidung in drei Bewertungskriterien – Stil, Inhalt und Struktur – dazu führe, dass solche Fehler in der Jury in der Regel nicht vorkämen. Und trotz schwerer Themen haben die Schüler des Karls-Gymnasiums bewiesen, dass sie sich nicht unterkriegen ließen.

In Zeiten von Wettkämpfen trainieren die Jungs der Debating AG auch mehrmals in der Woche. Sie führen Übungsdebatten und verbessern ihr Allgemeinwissen durch Zeitunglesen und Nachrichtenschauen. Nach ihrem Sieg lassen sie es nun locker angehen. „Vielleicht gibt es auch noch ein paar friendly debates“, sagt Meisel. Aber außer Freundschaftswettkämpfen passiert vor den Sommerferien nicht mehr viel.

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