2006 war Karl Lagerfeld in Stuttgart bei der Bambi-Verleihung im Mercedes-Museum von Kameras und Mikrofonen umringt. Foto: Zweygarth

Breuninger? „Den Namen kenne ich nicht.“ Mit dieser Aussage in „Wetten, dass...“ hat der verstorbene Karl Lagerfeld 2011 für Wirbel gesorgt. Warum der Modezar auch in Stuttgart Spuren hinterlassen hat und was Harald Glööckler über ihn sagt.

Stuttgart - Tief betroffen hat der Modesigner Harald Glööckler, dessen Karriere vor über 25 Jahren in Stuttgart begonnen hat, auf den Tod seines Kollegen und Vorbilds Karl Lagerfeld reagiert. „In einer Zeit, in der es immer weniger markante exzentrische Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten gibt, wird er sehr fehlen“, sagte Glööckler am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. Für ihn zählt Lagerfeld, den er mehrmals bei Einladungen persönlich getroffen hat, zu den „einflussreichsten Designern des 20 Jahrhunderts“. Über Jahrzehnte habe er Trends und Maßstäbe in Sachen Design und Ästhetik geprägt. „Mit ihm stirbt erneut ein Stück Haute Couture“, bedauert Glööckler.

„Ganz Stuttgart ist aus dem Reihenhäusle“

Auch in Stuttgart hat Lagerfeld Spuren hinterlassen. Unvergessen ist, wie der Modedesigner bei der Bambi-Verleihung im Jahr 2006 im Mercedes-Benz-Museum von Kameras und Mikrofonen bedrängt worden ist, als sei er der Hauptgast des Abends. „Ganz Stuttgart ist aus dem Reihenhäusle“, jubilierte damals Moderator Harald Schmidt in der Live-Sendung. Gäste der After-Show-Party erinnern sich, wie es leise vom weißen Haupt des Modeschöpfers rieselte, als falle Gipspulver herunter.

Als Breuninger seine Kollektion 2011 im Stuttgarter Stammhaus vorstellte, stand auf den Einladungen „Karl kommt“ – doch Karl Lagerfeld kam nicht, es kamen nur seine Kleider und Accessoires. Kurz zuvor hatte der Design-Star im Gespräch mit Thomas Gottschalk in der Sendung „Wetten, dass...?“ gesagt, er kenne Breuninger nicht. Als der ZDF-Moderator nachsetzte, „die machen eine neue Linie mit Dir“, war der Modeschöpfer vollends verwirrt, weil er Breuninger nun für den Fabrikanten einer seiner vielen Modelinien halten musste: „Breuninger? Was machen die? Den Namen kenne ich nicht“, antwortete er und fügte hinzu: „Ich mache drei neue Linien, also weiß ich nicht, welche von den dreien vielleicht von Leuten fabriziert wird, die Breuninger heißen.“

Am Ende schickte er eine Zeichnung zur Versöhnung

War sein Breuninger-Blackout ein verwegener PR-Trick, ein abgekartetes Spiel, um die neue Modelinie mit dem Namen Karl, die in Deutschland Breuninger exklusiv vertrieben hat, noch bekannter zu machen? Oder war’s nur ein Zeichen von beginnender Altersdemenz? Ein Mann, der so viel macht wie der 1933 geborene Workaholic, kommt schon mal durcheinander. Über Heidi Klum sagte Lagerfeld dann noch: „Die war nie in Paris. Die kennen wir nicht.“ Als eine Reporterin von ihm wissen wollte, ob er „Bad Hair Days“ kenne, fragte er zurück: „Wer ist die Dame denn?“ Breuninger war auch nie in Paris. Wieso sollte er das Modehaus also kennen? Am Ende aber entschuldigte er sich bei den Stuttgartern und schickte ihnen sogar eine Zeichnung. Auf der stand: „Ich kenne Breuninger, das tolle Warenhaus, aber keinen Unternehmer mit dem gleichen Namen.“

„Auch der scharfe Geist von Lagerfeld wird uns fehlen“

Der Stuttgarter Modesigner Tobias Siewert reagierte „geschockt“ auf den Tod von Karl Lagerfeld. „Nicht nur der brilliante Designer, auch der scharfe Geist von Karl Lagerfeld wird uns fehlen, der oft polarisierte, aber auch immer wieder aufs Neue begeisterte“, sagte Siewert unserer Zeitung und fügte hinzu: „Für mich ist einer der größten und prägendsten Designer meiner Generation gegangen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: