Die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, hat die letzte Messe als speziell in Erinnerung. Es kann nur besser werden.
Stuttgart - Papierknappheit und andere Sorgen können die Wiedersehensvorfreude nicht trüben, mit der Karin Schmidt-Friderichs auf die nächsten Tage blickt.
Frau Schmidt-Friderichs, gibt es ein Buch, das Ihnen während der Pandemie besonders nahe gerückt ist?
In meinem Fall ist das ein Buch, zu dem ich Ihnen noch wenig sagen darf. Es erscheint im Frühjahr 2022 und ist von Bonnie Garmus. Es hat dazu geführt, dass ich morgens früher aufgestanden bin und abends später das Licht ausgemacht habe – genau das, wofür meine Mutter mich schon als Kind geschimpft hat.
Damit haben Sie ja schon einmal den Grundstein für ein erfolgreiches Buchjahr 2022 gelegt. Die Bilanz für das letzte Jahr sieht eher durchwachsen aus.
Dafür, dass wir ziemlich lange geschlossene Türen im Handel hatten, ist es eine unvorstellbar positive Bilanz. Hätten Sie mich am 13. März 2020 gefragt, als wir hörten, es gibt so etwas wie einen Lockdown, da hätte ich nicht gedacht, dass wir uns auch nur ansatzweise so schlagen würden. Die Verlage sind lieferfähig geblieben, die Logistik hat funktioniert, die Buchhändler und Buchhändlerinnen haben Unvorstellbares geleistet.
Wer hat in der Krise profitiert?
Die beiden schönsten Gewinner sind zum einen das Kinder- und Jugendbuch: Das macht mich tief glücklich. Die Kinder haben offenbar die frei gewordene Zeit mit Büchern gefüllt. Im Idealfall könnte das heißen, sie haben etwas wiederentdeckt. Das andere ist das Kochbuch: Die Menschen haben mehr gekocht, die Kantinen und Restaurants waren zu.
Wenn Sie auf die Buchmesse blicken, was sehen Sie? Sind die Hallen halb voll oder halb leer?
Ich bin für meinen Teil enorm froh über alles, was stattfindet – und sehe das Halbvolle äußerst positiv. Ich habe die letzte Messe 2020 auf dem Gelände verbracht, und das war schon speziell. Ich glaube, wir Buchmenschen sind besonders soziale Wesen. Wir brauchen den Austausch und leben in der Interaktion miteinander. Wenn ich in einem Wort sagen sollte, was ich fühle, wäre das Wiedersehensvorfreude.
Zu Beginn der Pandemie wurde das Klopapier knapp, jetzt geht den Verlagen das Material aus. Können wir uns Bücher aus Papier noch leisten?
Wir werden sie uns noch leisten. Aber tatsächlich kann ich aus persönlicher Verlegerinnenerfahrung sagen: Wir sind massiv am Kämpfen. Das hat viele Gründe: Zum einen die weltweite Rohstoffknappheit wegen unterbrochener Lieferketten. Dann haben zwei große Papierfabriken auf Verpackungsmaterial umgesattelt, weil es renditestärker und einfacher zu produzieren ist. Aber die Leute wollen immer noch auf Papier lesen. Und wir werden das anbieten.
Werden Bücher teurer?
Das kann ich nicht ausschließen. Wobei der Buchpreis in den letzten Jahren weder an die Lohn- noch an die Lebenshaltungskosten angepasst worden ist.
Das müsste den E-Books in die Hände spielen, doch nun tobt ein Streit mit Bibliotheken über die Online-Ausleihe.
Wenn sich ein großer Teil der E-Book-Leser die Bücher nur noch mehr oder weniger kostenlos ausleiht, ist das ein Problem. Es ist wichtig, darüber zu sprechen, wie man das fair entlohnt – Autorinnen und Autoren sowie Verlage müssen davon leben können, dass sie gemeinsam Bücher veröffentlichen.
Karin Schmidt-Frderichs
Verlegerin
Nach einem Architekturstudium in Stuttgart hat Karin Schmidt-Friderichs (60) gemeinsam mit ihrem Mann den Verlag Hermann Schmidt gegründet.
Börsenverein
Seit 2019 Jahr ist sie Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Zuvor hat sie dessen Berufsbildungsausschuss geleitet, von 2011 bis 2016 war sie Vorstandsvorsitzende der Stiftung Buchkunst.