Die Liebe fürs Detail treibt Fabian Straub an: Mit größter Sorgfalt feilt er an seiner Technik. Foto: karategallery

Fabian Straub von der SV Böblingen hat in Sachen Karate schon viel erreicht. Der Kata-Spezialist ist Dauergast auf dem Treppchen bei deutschen Meisterschaften und wurde jüngst EM-Dritter mit dem deutschen Team. Sein unermüdliches und geduldiges Streben nach Perfektion trägt Früchte.

Fabian Straub würde sich selbst als äußerst strukturierten Menschen bezeichnen. Vielleicht sogar mit dem positiven Hang zum Perfektionismus. Ob das eine Eigenschaft ist, die schon immer in ihm steckt, oder ob sie sich vor allem durchs Karate entwickelt hat? Der Versuch, das zu beantworten, wäre wie die Erörterung der Frage mit dem Huhn und dem Ei. Fest steht: Seine akribische Arbeit hat den Kampfsportler von der SV Böblingen weit gebracht. Und er ist noch längst nicht am Ende des Weges angekommen.

 

Begonnen hat er diesen einst als fünfjähriger Steppke beim TSV Plattenhardt. Es ist eine Variation der altbekannten Geschichte. Bei ihm war es der Bruder seines besten Kindergartenfreundes, der ihm einen Schnupperkurs schmackhaft machte. Das Talent war zweifelsohne vorhanden. „Ich habe außerdem gemerkt, dass man vorankommt, wenn man sich anstrengt“, erklärt Fabian Straub, warum er dranblieb.

Von Wettkämpfen ließ er zunächst die Finger. „Vielleicht war ich ein bisschen eingeschüchtert, weil ich der Jüngste in meiner Gruppe war“, blickt er zurück. Ein Anfängerturnier entfachte dann aber doch das Feuer in ihm. Acht oder neun war er da, genau kann er sich nicht erinnern. Dass er Zweiter wurde, weiß er aber noch genau.

Nach und nach spezialisierte sich Fabian Straub auf die Disziplin Kata. Grob beschrieben ist das der Kampf gegen imaginäre Gegner mit einstudierten Bewegungsabläufen. Er verinnerlichte langsam die Philosophie sich weiterzuentwickeln, kam mit immer mehr Gleichgesinnten in Kontakt, die ähnliche Ziele verfolgten, und wechselte 2012 schließlich zur SVB, wo er bessere Möglichkeiten sah zu wachsen.

Genau das tat er dann auch. Schritt für Schritt. Mit größter Sorgfalt. „Von außen betrachtet sieht das alles ziemlich einfach aus. Es ist schwer einzuordnen, was dahintersteckt“, erläutert der heute 24-Jährige. „Wenn man an seiner Technik feilt, kann man aber total ins Detail gehen, die Elemente auseinanderschrauben und wieder zusammenbauen.“ Diese Liebe für Nuancen treibt ihn an, gepaart mit der damit verbundenen Ästhetik. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass es klappt. Man kann sich ins Unendliche verbessern.“

Ohne Ehrgeiz geht es nicht

Das Körpergefühl dafür kommt im Prozess. Den Ehrgeiz muss man allerdings in sich haben. „Das Training kann sehr repetitiv sein, es gibt sehr viele Wiederholungen“, nickt Fabian Straub und fügt dann mit einem Schmunzeln hinzu: „Man muss ein bisschen einen Schaden haben, um das zu wollen.“ Wer unentwegte Abwechslung sucht, ist hier falsch. „Für Kata brauchst du Geduld und Ausdauer. Es ist monoton.“ Wobei er diesen Begriff keinesfalls im negativen Sinn verwendet. „Es geht eben darum, dass man schleift und schleift. Darauf muss man Lust haben.“

Der Spaß am eigenen Fortschritt ist sein Treibstoff. Der Mittzwanziger würde sich selbst nämlich noch lange nicht als kompletten Karateka bezeichnen. „Ich konzentriere mich ja nur auf eine Säule, bin Spezialist in diesem einen Bereich“, begründet er.

Auch international hat Fabian Straub bereits einige Erfolge vorzuweisen. Foto: karategallery

Wie sehr die Thematik allgemein den jungen Mann, der in Filderstadt aufgewachsen ist und nun in Fasanenhof lebt, beschäftigt, zeigt sich auch an der Wahl seines Studiengangs: Bewegungswissenschaft und Biomechanik im Master an der Uni Stuttgart. „Es gibt da einige Prinzipien, die ich auch in mein Training übertrage“, sagt Fabian Straub. „Wenn eine Sequenz nicht klappt, überlege ich, wie unser Körper funktioniert, und wie ich das aufs Karate anwenden kann.“

Drei- bis viermal pro Woche übt er vormittags in Böblingen. Ab und zu fährt er für einige Tage nach Wiesbaden und feilt dort mit dem Landestrainer an seinen Fertigkeiten. Außerdem sind da noch die Einheiten zu Kraft, Athletik und Ausdauer sowie die regelmäßigen Lehrgänge mit der Nationalmannschaft, zu deren Kader er seit 2019 ebenso gehört. Denn der unermüdliche Einsatz trägt Früchte.

Seit 2017 steht Fabian Straub stets auf dem Podest bei deutschen Meisterschaften. Anfangs noch in der Jugend, dann in der Leistungsklasse bei den Erwachsenen, wo er sich 2022 DM-Silber sicherte. In der Folge belegte er einige vordere Plätze bei Weltranglistenturnieren, bevor er seiner Sammlung an Erfolgen im November 2024 EM-Bronze mit dem deutschen Team hinzufügte. Die Liste dürfte sicherlich noch um einige Posten länger werden. Dafür wird sein positiver Hang zum Perfektionismus schon sorgen.