Weggefeudelt: Übereifrige Putzfrauen kennen auch bei moderner Kunst kein Pardon Foto: Big Face - Fotolia

Nicht jedes Kunstwerk ist auf Anhieb als solches zu erkennen – wie ein aktueller Fall aus Bozen beweist. Eine kleine Auswahl von Meisterwerken, die Banausen zum Opfer fielen.

Aufgeräumt

Leere Sektflaschen, schmutzige Gläser, Konfetti und Kippen auf dem Boden: Im Bozener Museum für moderne Kunst, Museion, muss es am Wochenende ausgesehen haben, als sei eine Party ausgeartet. Die Putzfrauen waren alles andere als begeistert, sammelten den Unrat aber dennoch brav ein und wischten am Ende noch mal feucht raus. Nicht ahnend, dass es sich bei der „Sauerei“ um die Installation „Wohin gehen wir heute Abend tanzen?“ der Mailänder Künstlerinnen Sara Goldschmied und Eleonora Chiara handelte, die den Hedonismus der 80er Jahre thematisiert. Goldschmied bezeichnete die Putzaktion am Montag als „schlechtmöglichste Werbung“ für das Museion. Glücklicherweise hatten die Putzfrauen den „Müll“ noch nicht entsorgt, so dass die Installation wiederhergestellt werden kann.

Abgewischt

Martin Kippenbergers Installation „Wenn es durch die Decke tropft“ besteht aus einem Turm aus Holzlatten, unter dem ein Gummitrog mit einer weißlichen, kalkigen Schicht platziert ist. Und genau jene Schicht fiel 2011 im Dortmunder Museum Ostwall dem Übereifer einer Putzfrau zum Opfer, die den Trog so lange scheuerte, bis die Patina komplett verschwunden war. „Nach Einschätzung der Museumsrestauratorin ist der Ursprungszustand des Werkes nicht wiederherzustellen“, erklärte eine Sprecherin der Stadtverwaltung nach dem Zwischenfall zerknirscht. Der 1997 verstorbene Kippenberger hätte womöglich herzlich gelacht, hatte er in einem seiner letzten Interviews doch erklärt: „Auch Dummheit kann ja zur Kunst werden.“

Abgekratzt

Die chilenische Künstlerin Lotty Rosenfeld machte 1979 von sich reden, als sie in Santiago Fahrbahnmarkierungen mit Hilfe von Klebestreifen zu Kreuzen umwandelte, um gegen das brutale Regime von Diktator Augusto Pinochet zu protestieren. 2007 wiederholte sie die Aktion „Eine Meile aus Kreuzen auf dem Asphalt“ für die Documenta 12 – um damit „zum Aufspüren unterschwelliger Formen von Macht und Kontrolle“ beizutragen. Die Kasseler Stadtreinigung sah darin allerdings kein Kunstwerk, sondern eine Gefährdung der Verkehrssicherheit und ließ die Streifen mit Schaufeln abkratzen – und zwar noch vor Eröffnung der Ausstellung. Eine Documenta-Sprecherin erklärte, man bedauere die Zerstörung sehr, „aber selbstverständlich gilt auch hier die Straßenverkehrsordnung“.

Abgespült

Es sollte ein geselliger Abend werden im Herbst 1973, der SPD-Ortsverein Leverkusen-Alkenrath hatte ins Schloss Morsbroich geladen. Schnell gingen die Stühle aus, so dass der Hausmeister das Magazin aufschloss, um weitere herbeizuholen. Dort entdeckten zwei Genossinnen eine mit Fett, Mullbinden und Heftpflastern gefüllte Wanne – und das Drama nahm seinen Lauf. „Wir dachten, das alte Ding könnten wir schön sauber machen und benutzen, um darin unsere Gläser zu spülen“, erzählten sie später. Dumm nur, dass es sich bei der Badewanne um die Beuys-Arbeit „Unbetitelt (Badewanne)“ handelte. Beuys erhielt eine Entschädigung, Deutschland diskutierte die Frage „Was ist Kunst?“ – und ein Scheuermilch-Hersteller drehte einen Werbespot mit zwei übereifrigen Putzfrauen und einer Badewanne.

Abgeräumt

Joseph Beuys hatte eine besondere Beziehung zu Fett – eine besondere Beziehung, die der Hausmeister der Düsseldorfer Kunstakademie offenbar nicht teilte. Neun Monate nach Beuys’ Tod 1986 entfernte eine Putzkolonne unter Leitung des Hausmeisters den ranzigen Haufen Margarine, den Beuys vier Jahre zuvor in einer Ecke seines Ateliers in der Kunstakademie unterhalb der Decke angebracht hatte. Es folgte ein erbitterter Rechtsstreit, der damit endete, dass das Land Nordrhein-Westfalen dem Besitzer des Werks 40 000 Mark Schadenersatz zahlen musste. Damit nicht genug: Als drei Künstler aus den Resten der „Fettecke“ Schnaps brannten und auch kosteten, schäumte Beuys’ Witwe Eva vor Wut, einigte sich mit dem Trio aber, bevor es zum Prozess kam.

Ausgebessert

Sie hatte es nur gut gemeint und wurde weltweit zum Gespött – dabei hatte Cecilia Giménez das Kunstwerk sogar als solches erkannt. Aber der Reihe nach: Während des Kirchengangs im spanischen Borja war der Rentnerin 2012 aufgefallen, dass das Jesus-Fresko „Ecce homo“ immer mehr verblasste. Um die beschädigte Wandmalerei auszubessern, griff sie einfach selbst zum Pinsel – mit dem Resultat, dass der Gottessohn auf einmal aussah wie ein kleines Äffchen oder ein „aufgeblasener Igel“, wie die Zeitung „Guardian“ lästerte. Der materielle Schaden hielt sich in Grenzen, doch die Häme war groß. Am Schluss hieß es dennoch: Ende gut, alles gut, denn die gescheiterte Restauration sorgte für einen Ansturm schadenfroher Touristen, die der Kirchengemeinde einen wahren Geldsegen bescherte.

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