Andreas Rauschenberger, Natascha Müllerschön und Jörg Rauschenberger (von links) inspizieren ihre Baustelle in Fellbach-Schmiden. Foto: Peter-Michael Petsch

Armin Karrer zieht es ins Waldschlössle auf dem Kappelberg,Rauschenberger aufs Mahle-Areal.

Fellbach/Stuttgart - An gastronomischen Aushängeschildern hat es der Stadt Fellbach über die Jahre hinweg nie gefehlt. Jetzt sind zwei aktuelle Stars der hiesigen Gastroszene drauf und dran, diesem Image noch mehr Glanz zu verleihen. Es handelt sich um den Fellbacher Sternekoch Armin Karrer (Zum Hirschen) und um den Gastro-Multi Jörg Rauschenberger. Er hat in 30 Jahren aus einfachen Anfängen (Spaghetti-Haus in Winnenden) ein Gastro-Imperium aufgebaut, das 2011 einen Jahresumsatz von 19 Millionen Euro gemacht hat.

Neben einem bundesweit agierenden Cateringservice betreibt Rauschenberger das Restaurant Cube im Kunstmuseum am Stuttgarter Schlossplatz, das Pier 51 in Degerloch und seit dem vergangenen Jahr das Lokal Goldberg in der Fellbacher Schwabenlandhalle. Noch in diesem Jahr wird die Firma ihren Sitz von Waiblingen nach Fellbach verlegen und im Stadtteil Schmiden eine Event-Halle für private und geschäftliche Anlässe eröffnen.

„Damit ist alles an einem Ort gebündelt“

Der 56 Jahre alte Firmengründer freut sich auf die neue Herausforderung. Auf dem ehemaligen Mahle-Gelände hinter dem Fellbacher Bahnhof wird er nicht nur für seine Kunden Feste ausrichten, sondern auch alle Bereiche seiner Firma bündeln: die Akademie, in der die Mitarbeiter des Unternehmens aus- und weitergebildet werden, das Logistik-Zentrum, das sich derzeit noch in Weinstadt-Großheppach befindet, und die Verwaltung, die bislang in Waiblingen-Neustadt zu Hause ist. Auch der rund 20 Fahrzeuge umfassende Fuhrpark, mit dem Food und Non-Food getrennt bei den Events angeliefert werden, findet in Schmiden Platz.

„Damit ist alles an einem Ort gebündelt, Food in der Schwabenlandhalle und Non-Food in Schmiden, das ist logistisch ­perfekt“, sagt Jörg Rauschenberger. In der großen Küche der Schwabenlandhalle ­entstehen fast alle Gerichte für die rund 800 gastronomischen Veranstaltungen, die seine Firma mit rund 200 Mitarbeitern bundesweit jährlich ausrichtet.

Versuch, zu Gastronomiegrößen wie Käfer in München aufzuschließen

Im facettenreichen Catering- und Eventgeschäft sieht Rauschenberger auch die ­weiteren Wachstumschancen für sein Unternehmen. Dieses führt er mittlerweile nicht mehr allein, sondern hat seinen Sohn An­dreas und Natascha Müllerschön daran beteiligt. „Mit richtig gutem Essen“ (Rauschenberger) und bestens ausgebildeten Mitarbeitern versucht der Noch-Waiblinger zu Gastronomiegrößen wie Käfer in München mit einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro aufzuschließen. Mit dem kochenden TV-Star Alfons Schuhbeck und seinem Imperium befindet sich Rauschenberger ­bereits auf Augenhöhe.

Ein wichtiger Baustein im Wachstumsprogramm sind die Gewerbegebäude in Schmiden. Dort wird auf 1200 Quadratmetern die fast 100 Jahre alte Gewerbebausubstanz mit neuer Architektur verbunden. „Eine Location mit dieser Kapazität hat uns bisher im eigenen Portfolio noch gefehlt“, freuen sich Vater Jörg und Sohn Andreas Rauschenberger (33), der drauf und dran ist, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Sternekoch Karrer vergrößert sein Angebot erheblich

Auf das denglische Betriebswirtschaftsvokabular der Rauschenbergers verzichtet der Sternekoch Armin Karrer, wenn er seine neuen Fellbacher Pläne beschreibt. Der Österreicher, der 2004 vom Stuttgarter Fernsehturm nach Fellbach gekommen ist, vergrößert sein Angebot erheblich. Dazu ist er drauf und dran, eine Immobilie der Evangelischen Kirche zu erwerben: das Waldschlössle.

Die alte Gaststätte hoch oben über der Stadt gehört zu Fellbach wie der Wein vom Kappelberg. Neben der Gaststätte gibt es auch moderne Gebäude für Tagungen und Veranstaltungen. Die Räume hat die Kirche in der Vergangenheit für einige Wochen im Sommer dazu benutzt, um dort Freizeiten für Kinder und Senioren zu veranstalten.

„Der deutsche Gast ist nicht bereit, einen kostendeckenden Menüpreis zu bezahlen“

An dieser Tradition will Karrer festhalten, obwohl ihm Bedenkenträger unten im Tal unterstellen, dass neben einer gehobenen Gastronomie für solche soziale Wohl­taten kein Platz mehr ist. Solchen Kritikern versucht der 43 Jahre alte Spitzenkoch die Suppe zu versalzen, indem der auf seine eigenen drei Kinder verweist, die liebend gerne solche Freizeiten besuchen. Außerhalb der Ferienzeit bewirtet Karrer in den Sälen natürlich gerne Hochzeiten, Familienfeste und Firmenveranstaltungen.

Und was hat Karrer sonst noch vor auf dem Kappelberg? Etwa Sternenglanz zu Wald und Reben bringen? „Nein“, sagt der Spitzenkoch und äußert sich ungewöhnlich kritisch zu Sternegastronomie. „Solche ­Lokale kosten viel Geld. Und der deutsche Gast ist nicht bereit, einen kostendeckenden Menüpreis zu bezahlen“, analysiert Karrer das Gästeverhalten. Auch er könne sich keine zwei Gourmetrestaurants leisten.

Was kommt dann ins Waldschlössle? „Ich werd’ aus dem Fellbacher Aushängeschild was Gscheit’s machen“, verspricht der kreative Kochkünstler. Seine Vorstellungen von einem gehobenen Wanderlokal mit regionaler Küche, mit Kaffee und Kuchen, Eis im Sommer und Jagertee im Winter sollen selbst den knausrigsten Schwaben an einen Restaurantbesuch denken lassen.

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