Die LBBW blickt mit Zuversicht ins neue Jahr. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Landesbank erwartet 2022 ein Wachstum von fünf Prozent. Der neue Chefvolkswirt Moritz Kraemer sorgt sich um die Handlungsfähigkeit der EZB.

Stuttgart - Volkswirtschaftlich betrachtet wäre eine Impfpflicht zu begrüßen. Das sagte am Dienstag der LBBW-Ökonom Thomas Meißner bei der Vorstellung des Kapitalmarktausblicks der Landesbank. Die Einführung einer allgemeinen Pflicht zur Impfung gegen das Coronavirus wäre „Wasser auf die Mühlen unserer recht positiven Prognose für 2022“, so Meißner. Die LBBW erwartet, dass die deutsche Wirtschaft 2022 um fünf Prozent wächst. Baden-Württemberg dürfte mit einem Plus von 5,5 Prozent bundesweit an der Spitze liegen, erklärte Meißner.

Ihre Zuversicht begründet die LBBW damit, dass die Lieferengpässe, die aktuell die Industrieproduktion beeinträchtigen, 2022 nach und nach aufgelöst werden dürften. Damit werde auch die Inflationsrate sinken, die derzeit unter anderem durch die hohen Kosten für Schiffscontainer und für knappe Vorprodukte wie Halbleiter-Chips getrieben wird. „So niedrige Inflationsraten wie vor 2021 werden wir aber so schnell nicht mehr sehen“, sagte Meißner.

EZB-Direktorin räumt Unsicherheit über Inflationsentwicklung ein

Der neue LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer betonte, die Inflationsrate von zuletzt 4,5 Prozent werde durch verschiedene coronabedingte Sondereffekte beeinflusst. Vergleiche man die heutigen Preise mit dem Vorkrisenniveau, so ergebe sich für 2020 und 2021 im Schnitt eine Inflationsrate von jeweils 2,1 Prozent. „Das ist nicht wenig, aber auch nicht dramatisch.“

Für die gesamte Eurozone geht die Europäische Zentralbank (EZB) davon aus, dass die Inflation mittelfristig wieder unter zwei Prozent sinken wird. Die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel räumte am Dienstag allerdings ein: „Die Unsicherheit über Tempo und Ausmaß des Rückgangs hat zugenommen.“

Eine Zinserhöhung durch die Notenbank 2022 hält die LBBW dennoch für unwahrscheinlich. Eurostaaten mit hohen Staatsschulden, wie Italien, könnte eine Zinserhöhung überfordern, sagte Kraemer: „Die EZB kann sich nur so schnell bewegen, dass der langsamste Wagen im Zug mithalten kann.“ Dies gefährde die „operative Unabhängigkeit“ – also die Handlungsfähigkeit – der Notenbank. Der Rückzug von Bundesbankchef Jens Weidmann, der sein Amt zum Jahresende niederlegen will, komme „zur Unzeit“.

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