„Yo, Bro!“ – der künftige US-Präsident Donald Trump und der US-Rapper Kanye West grüßen sich in der Lobby des Trump-Tower in New York mit dem Hip-Hop-Gruß. Foto: AFP

„Über das Leben“ hätten sie gesprochen, sagte der designierte US-Präsident Donald Trump anlässlich des Treffens mit dem US-Popstar Kanye West. Dem wiederum hatte es die Sprache verschlagen.

New York - Kanye West ist immer für eine Überraschung gut. Versetzte er vor ein paar Wochen seine Fans in Aufruhr, weil er wegen Stress- und Erschöpfungssyndromen ins Krankenhaus eingeliefert worden war, zeigte er sich gestern wie aus dem Ei gepellt mit frisch blondiertem Haupthaar mit dem künftigen US-Präsidenten. Beide erschienen im Trump-Tower in New York, wo der künftige Präsident gerade sein Kabinett zusammenstellt. Als Reporter Trump in der Lobby fragten, worüber sie sich unterhalten hätten, antwortete der 70-Jährige kurz: „Das Leben. Wir haben über das Leben diskutiert.“

Ein bisschen verwirrt, der Mann

Dunkel gekleidet schlenderten die beiden Männer aus einem der goldenen Fahrstühle in die goldene Lobby, Trump im dunklen Anzug, West in schwarzer Hose und Sweater, geschmückt mit einer großen Kette. West hatte seine raspelkurzen Haare blond gefärbt, etwa in Trumps Ton. Womöglich ein versteckter Hinweis? In einem Tweet im Anschluss an das Treffen postete West jedenfalls „#2024“. Man könnte daraus lesen, dass sich West in acht Jahren bei der Präsidentschaftswahl als Kandidat aufstellen lassen möchte. Unlängst hat er schon einmal seine Kandidatur für das Präsidentenamt 2020 angekündigt. Er ist eben ein bisschen verwirrt, der Mann, der sich selbst als „Yeezus“ bezeichnet und sich ganz unbescheiden mit Richard Wagner oder Michelangelo vergleicht.

Während des Treffens brachte der sonst so extrovertierte West allerdings kaum ein Wort über die Lippen. Auf die Reporterfrage, ob Kayne West nach einem Treffen mit dem designierten US-Präsidenten nichts zu sagen habe, sagte der Rapper lächelnd, er sei gerade nur da, um ein Foto zu machen. Trump sagte: „Wir sind einfach Freunde.“ Kanye West sei ein guter Mann. „Wir sind schon lange Freunde.“ Zum Abschied schlugen Trump und West ihre Hände zusammen, umarmten sich und stießen ihre Schultern gegeneinander – wie das alte Hip-Hop-Kumpels eben so tun. Das Ganze wirkte recht ungelenk und aufgesetzt.

Direkter Draht zur Macht

West schrieb später via Twitter, er habe Trump treffen wollen, um über „multikulturelle Themen“ zu sprechen, darunter Mobbing, die Gewalt in Chicago, die Unterstützung für Lehrer und die Modernisierung von Lehrplänen. „Ich finde es wichtig, einen direkten Draht der Kommunikation zu unseren künftigen Präsidenten zu haben, wenn wir echten Wandel wollen.“ Ganz nah dran am Zentrum der Macht, so gefällt das Kanye West. Im November hatte er Ärger bekommen, als er seine Unterstützung für Trump öffentlich gemacht hatte. Er hatte gesagt, er habe zwar nicht gewählt – aber wenn, dann hätte er für Trump gestimmt.

West hatte auf Fans zuletzt einen verwirrten Eindruck gemacht. Bei einem Auftritt in Kalifornien schimpfte er im November nach nur drei Songs minutenlang über Hillary Clinton und andere Prominente, bevor er die Show schließlich ganz abbrach. Wenige Tage später wurde er wegen Erschöpfungsanzeichen und Schlafmangels in ein Krankenhaus in Los Angeles gebracht.

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