Die Schönheit und Erhabenheit der Natur ist für Glaubende ein sichtbarer Hinweis für Gottes Wirken. Foto: dpa

Gott kann man erfahren. Doch lässt sich seine Existenz auch nachweisen? Theologen und Philosophen haben es immer wieder versucht.

Stuttgart - Wer oder was ist Gott? Ist er erfahrbar? Und wenn wie und wo? Der Mensch steht grundsätzlich vor dem Problem eines verantwortlichen Sprechens von Gott, das sich zumal heute in der wissenschaftlich-technischen Welt im Lichte der Vernunft vollzieht. Deshalb ist das Denken genauso wie die Erfahrung ein zentraler Ort des Fragens nach Gott. Gottesbeweise sind der Versuch, mit Hilfe des Denkens das zu begründen, was man im Glauben bereits erfahren und als wahr erkannt hat. Die Dimension des sinnlich Wahrnehmbaren wird dabei ins Überweltliche, dem Metaphysischen, übertragen

Gottesbeweise zwingen nicht zur Anerkenntnis ihrer Aussage. Sie sind vielmehr eine Einladung zum Glauben, ein begründeter Appell an die Freiheit und zugleich Ausdruck der Verantwortbarkeit des Glaubens vor der Vernunft. Sie geben Rechenschaft ab von der intellektuellen Redlichkeit des Glaubens.

Anselm von Canterbury

Der mittelalterliche Philosoph und Theologe Anselm von Canterbury (1033-1109) hat einen der bedeutendsten Gottesbeweise entwickelt. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Gott das ist, was größer nicht gedacht werden kann. Der Glaube ist bei Anselm die notwendige Voraussetzung für die Einsicht des Denkens in die Existenz Gottes. Ein berühmter Satz von ihm lautet: „Credo, ut intelligam“ – Ich glaube, um zu verstehen.

Anselms Hauptwerk „Proslogion“, verfasst 1077/1078, gilt als erste Schrift, die Gott aus seinem Sein erschließt. Die darin entwickelte Begründung der Existenz Gottes wird auch ontologischer Gottesbeweis genannt (von griechisch „to on“, das Seiende, und „logos“, Wort, Lehre). Die Argumentation lautet etwa so:

Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, kann nicht nur im Verstand existieren. Denn sonst könnte etwas gedacht werden, was in Wirklichkeit existiert und größer wäre. Das also, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, wäre danach nicht das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Anselm schließt daraus: Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann – nämlich Gott –, muss auch in Wirklichkeit existieren.

Thomas von Aquin

Thomas von Aquin (1225-1274) schließt von den Erscheinungen in der Welt auf Gottes Dasein. Er geht davon aus, dass Gott die erste Ursache von allem ist und schlägt einen fünffachen Weg („quinquae viae“) ein. Dieser soll belegen, dass Gott der „unbewegte Beweger“ ist. Thomas betrachtet die Bewegung der Dinge, ihre Wirkursächlichkeit, Kontingenz, Seinstufen und Zielstrebigkeit.

Daraus schließt er auf Gott als dem Erstbeweger, der selbst unbewegt ist. Gott ist nicht ein Glied in einer Kausalkette, sondern begründet alles und ist nicht mehr selbst auf eine höhere Ursache zurückzuführen.

René Descartes

Ein weiterer bedeutender Gottesbeweis stammt von René Descartes (1596-1650). Der französische Philosoph hat ihn in seiner Schrift „Meditationes prima philosophia“ dargelegt. Descartes geht davon aus, dass man nichts – auch nicht dem Denken – blind vertrauen darf. Er sucht nach einem Ausgangspunkt, der nicht mehr in Zweifel gezogen werden kann.

Woher weiß der Mensch, dass nicht alles Lug und Trug ist? Täuscht er sich, wenn er sagt: „Ich bin?“ Sowohl das „Ich“ als auch das „bin“ können Täuschung sein. Wenn der Mensch aber zweifelt, kann er selbst dann, wenn er sich täuscht, nicht daran zweifeln, dass er zweifelt. Und: Dass er derjenige ist, der zweifelt. Als derjenige, der denkt, ist er folglich auf jeden Fall existent. Daraus folgert Descartes den berühmten Satz: „Cogito ergo sum“ – Ich denke, also bin ich.

Die Gottesidee, so führt Descartes weiter aus, ist dem Menschen angeboren. Ihre Wahrheit ist ihm so selbstgewiss wie die eigene Existenz. Zu den wichtigsten dieser angeborenen Ideen, die weder aus der Erfahrung gewonnen noch ausgedacht werden, gehören: die Idee Gottes, des menschlichen Geist und der Materie.

Fazit: Gottesbeweise wollen und können die Existenz Gottes nicht lückenlos und stichhaltig beweisen. Sie wollen vielmehr dazu einladen, über sich und die Welt genauer nachzudenken.

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