Saskia Esken vertritt den Wahlkreis Calw/Freudenstadt seit 2013 im Bundestag. Foto: dpa

Die baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Saskia Esken will sich mit dem früheren NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans um die SPD-Führung bewerben. Im Landesverband agierte sie bisher eher unauffällig.

Stuttgart - Vier Tage vor Bewerbungsschluss kommt weiter Bewegung ins Rennen um den SPD-Vorsitz. Der ehemalige nordrhein-westfälische Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans will mit der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken aus Baden-Württemberg ins Rennen um den SPD-Bundesvorsitz ziehen. Die gebürtige Stuttgarterin vertritt seit 2013 den Wahlkreis Calw/Freudenstadt. Vor zwei Jahren zog sie über die Landesliste erneut in den Bundestag ein. In der baden-württembergischen SPD verhielt sich Esken in den vergangenen Jahren eher unauffällig.

„Wollen von Kahrs bis Kühnert alle mitnehmen“

„@NowaboFM und ich, wir treten dafür an, dass Vertrauen und Zusammenhalt in der SPD eine größere Rolle spielen als die eigene Macht. Wir treten an für Erneuerung als Haltung und für eine sozialdemokratische Politik, die sich wieder für die Menschen stark macht“, twitterte Esken am Mittwochmittag, zugleich ihr 58. Geburtstag. „Wenn die SPD Zukunft haben will und eine gerechte Zukunft schaffen, dann muss sie sich an Kopf & Gliedern neu erfinden! Wir müssen wieder für die Menschen da sein, die eine Lobby brauchen. Wir müssen Klartext reden, klare Politik machen und dabei offener und digitaler werden.“ Als Beispiel nennt sie „die Abkehr von Hartz IV und anderen neoliberalen Irrtümern“. Der „ewige Kompromiss nimmt uns alle Luft zum Atmen“. Als „Tandem auf Augenhöhe“ ergänze sie sich ideal mit Walter-Borjans, so die gelernte Informatikerin. „Gemeinsam stehen wir für klar sozialdemokratische Botschaften und Haltungen ohne Schnörkel. Wir wollen eine neue politische Kultur in der SPD erarbeiten und dabei von Kahrs bis Kühnert alle mitnehmen.“

Walter-Borjans war von 2010 bis 2017 Finanzminister in NRW. Bundesweit bekannt wurde er durch den Ankauf von Steuer-CDs aus der Schweiz. „Mich haben viele Menschen, die der SPD nahestehen oder wieder nahestehen wollen, darum gebeten, für den Parteivorsitz zu kandidieren“, sagte der 66-Jährige dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Mich treibt die Krise der SPD seit Langem um, und ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich die Bitte, mich an einem Neustart zu beteiligen, ablehnen würde.“ Er werde aber „nur mit dem klaren Votum des Landesvorstandes“ kandidieren. Die Bewerbungsfrist für den SPD-Vorsitz endet am Sonntag. Aus NRW treten schon die frühere Landesfamilienministerin Christina Kampmann mit Europa-Staatsminister Michael Roth sowie der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach mit Nina Scheer an. Am Freitagabend will der SPD-Landesvorstand entscheiden, welches Team er unterstützt.

Noch eine Bewerberin aus dem Südwesten

Esken ist nicht die einzige Bewerberin aus Baden-Württemberg: Auch die Ulmer Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis will mit Dierk Hirschel, dem Chefökonomen der Gewerkschaft Verdi, kandidieren. Beide empfehlen einen „radikalen Neustart“, ohne den die Partei nicht wieder auf die Beine komme, wie die Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21 sagt. In der großen Koalition gelinge es der SPD nicht, eine wirklich soziale Politik zu machen.

Mittlerweile haben die acht SPD-Unterbezirke Ulm, Sigmaringen, Ravensburg, Landshut, Vorpommern-Greifswald, Freudenstadt, Freiburg sowie Bad Tölz-Wolfratshausen für die Nominierung von Mattheis und Hirschel gestimmt. „Damit wurde in nicht einmal zwei Wochen das erforderliche Quorum erreicht“, freuten sie sich am Mittwoch. Das Willy-Brandt-Haus habe den Eingang der Nominierung bestätigt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: