Beim Landesparteitag der Grünen in Reutlingen bekommen die zwei Stuttgarter Kandidatinnen ein durchwachsenes Ergebnis. Sind damit ihre Chancen für die Bundestagswahl dahin?
Mit den Plätzen 13 und 16 finden sich Anna Christmann und Simone Fischer auf den mittleren Rängen der baden-württembergischen Landesliste der Grünen für die Bundestagswahl wieder. Bei der Landeswahlversammlung am Samstag in Reutlingen hatten die beiden Stuttgarter Kandidatinnen keine Chance auf einen der vorderen Listenplätze.
Herbe Schlappe für Anna Christmann
Zumindest für Anna Christmann kam das überraschend. Die Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt und Beauftragte des Wirtschaftsministeriums für die Digitale Wirtschaft und Start-up verlor die Kampfkandidatur um Listenplatz 7 gegen die Karlsruher Abgeordnete Zoe Mayer und musste sich schließlich mit Platz 13 zufrieden geben. Sie sitzt seit 2017 für ihren Wahlkreis Stuttgart II im Bundestag.
Für Christmann ist das Ergebnis eine größere Schlappe als für Simone Fischer, die erst seit diesem Jahr im Stuttgarter Gemeinderat sitzt und den Wahlkreis Stuttgart I von Cem Özdemir übernommen hat, der nicht mehr für den Bundestag antritt. Die Beauftragte für Menschen mit Behinderungen des Landes Baden-Württemberg setzte sich auf einem offenen Listenplatz durch. Das gelang außer ihr nur Ricarda Lang auf Listenplatz zwei. Bei den Grünen ist jeder zweite Listenplatz Frauen vorbehalten, auf den zweiten können sich auch Männer bewerben. Fischer trat gegen Bundestagsabgeordneten Jürgen Kretz an.
Amelie Montigel, Kreisvorsitzende der Grünen, zeigte sich zufrieden mit der Performance der Stuttgarter Kandidatinnen und lobte besonders Fischer: „Simone Fischer ist als neue Kandidatin auf die Liste gewählt worden und hat in den vergangenen Jahren eine super steile Karriere hingelegt.“ Darüber hinaus betonte Montigel die starke Konkurrenz im eigenen Landesverband: „Wir haben wahnsinnig viel gutes Personal in Baden-Württemberg und die Listenplätze waren hart umkämpft.“
Mit den Plätzen 13 und 16 könnte es aber eng werden für das Stuttgarter Duo. Bei den Grünen geht man bei den momentanen Umfragen davon aus, dass die ersten 15 Listenplätze relevant sein werden. Momentan sitzen 17 Abgeordnete für die Grünen im Bundestag – vier davon sind aber über Direktmandate eingezogen. Ungewiss ist, ob die Partei bei den Neuwahlen trotz aktuell starker CDU wieder so viele Direktmandate wird gewinnen können. Umso wichtiger könnte ein vorderer Listenplatz für die Abgeordneten werden, um über die Zweitstimmen in den Bundestag einzuziehen.