Axel Wolf aus Winterbach hat bei der Quiz-Show „Wer wird Millionär“ teilgenommen. Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Ein Kandidat aus Winterbach sorgt in der RTL-Quizshow für einen ungewöhnlichen Auftakt. Warum dieser Abend anders verläuft als erwartet.

Axel Wolf marschiert zielstrebig in die Mitte des Studios, setzt sich auf den nächstgelegenen Stuhl – und landet auf dem Platz von Günther Jauch. Sekunden vergehen, das Publikum lacht, der Moderator versucht, sich nichts anmerken zu lassen.

 

„Was versprechen Sie sich persönlich von dem Perspektivwechsel, den Sie jetzt bei ‚Wer wird Millionär?’ eingenommen haben?“, fragt Jauch. Da bemerkt der Kandidat seinen Fehler. „Ich sitze auf dem falschen Stuhl. Das hat eine Weile gedauert“, sagt Wolf und lacht.

Platztausch bei „Wer wird Millionär?“

Für den 29-Jährigen aus Winterbach (Rems-Murr-Kreis) ist es der Auftakt zu einem Abend, an dem bei der RTL-Quizshow so einiges durcheinandergerät. „Als ich zum Platz gelaufen bin, war ich völlig im Tunnel“, erzählt Wolf später. Sein Puls sei hoch gewesen, die Aufregung sehr groß – viel nachgedacht habe er in dem Moment nicht mehr.

Schließlich wechseln beide die Plätze. Ob sein Stuhl bequemer sei, fragt Jauch. „Nee, kommt aufs Gleiche raus“, antwortet Wolf. Nachdem der Kandidat den richtigen Platz eingenommen hat, beantwortet er die ersten Fragen ohne Probleme. Dabei war seine Teilnahme eher ein Zufall. Vor mehr als drei Jahren hatte er sich „aus Langeweile“ angemeldet, dann die Bewerbung wieder vergessen.

Anfang letzten Jahres meldete sich die Redaktion der Show überraschend zurück. „Ich bin kein eingefleischter Zuschauer und auch kein hobbymäßiger Quizzer“, sagt Wolf, der in Remshalden aufgewachsen ist und lange im Rems-Murr-Kreis lebte. Seit Dezember wohnt er am Bodensee und entwickelt Software für die Automobilbranche.

Axel Wolf kommt bei der Quizshow bis zur elften Frage. Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Ab der 2000-Euro-Hürde greift er erstmals zu einem Joker und bezieht das gesamte Publikum ein. Auch bei der 4000-Euro-Frage nutzt er einen Joker, um herauszufinden, wobei es sich bei sogenannten „Milien“ handelt. Heraus kommt: Es sind Grießkörner unter der Haut.

Bei der 8000-Euro-Frage wird es kompliziert. Günther Jauch fragt, wohin Carlo Ancelotti im Sommer als Trainer gewechselt ist. „Bei Fußball bin ich raus“, sagt Wolf offen. Für diesen Fall hat er vorgesorgt: Als Telefonjoker ruft er Rainer Hottmann an, einen Schulfreund aus Remshalden und Fahrdienstleiter bei der Bahn.

Zeit läuft – Günther Jauch liest selbst vor

Auch hier gibt es eine Panne: Statt dem Kandidaten das Wort zu überlassen wie üblich, liest Jauch selbst die Frage samt Antwortmöglichkeiten vor – und merkt erst zu spät, dass die Zeit bereits läuft. „Halt. Aus! Ihr macht mich alle wahnsinnig“, ruft der Moderator und vergräbt das Gesicht in den Händen.

Beim zweiten Anlauf streikt dann die Technik. Es rauscht und piept, Rainer Hottmann ist kaum zu verstehen. Ganz kurz ist die Leitung stabil und das Wort „Brasilien“ ist zu hören. „Hier funktioniert heute wirklich nichts“, kommentiert Jauch. Wolf entscheidet sich für Antwort A – die brasilianische Seleção – und liegt richtig. „Im Nachhinein hat mir Rainer erzählt, dass er sich mit der Antwort gar nicht sicher gewesen sei“, sagt Wolf. „Das habe ich im Studio zum Glück nicht mitbekommen“, fügt er lachend hinzu.

Moderator Günther Jauch nimmt die Pannen mit Humor. Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Ausstieg bei der 32.000-Euro-Frage

Auch die 16.000-Euro-Frage beantwortet Wolf mithilfe eines 50:50-Jokers richtig. Bei der 32.000-Euro-Frage steigt er jedoch aus. Gesucht wurde die Antwort auf folgende Frage: „Zur beruflichen Grundausstattung gehören seit Generationen die sogenannten ...?“ „Ziegelsteine für Juristen“ wäre die richtige Antwort gewesen. Obwohl Wolf intuitiv auf die richtige Antwort tippt, will er kein Risiko eingehen. „Ich habe mich schon ein bisschen geärgert“, sagt Wolf. „Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich geholt habe.“

„Sie haben den Laden hier ganz schön aufgemischt“

Günther Jauch lächelt. Er sagt: „Sie haben den Laden hier ganz schön aufgemischt.“ Mit 16.000 Euro verlässt Axel Wolf schließlich das Studio. Konkrete Pläne für das Geld hat er bisher noch nicht. „Es ist ein gutes Polster, ich bin aber nicht so gut im Sparen“, sagt er. 

Die Ausstrahlung am 12. Januar verfolgte Wolf gemeinsam mit Freunden. „Ich hatte bis dahin schon etwas Angst“, gibt er zu. Doch inzwischen kann er über den Abend lachen. „Es war keine normale Folge. Alles war ein bisschen durcheinander.“ Am Ende zieht er ein positives Fazit: viel Aufregung, viele Pannen – und ein Gewinn, der sich sehen lassen kann.