Die kanadische Flagge statt mit Ahornblatt mit einem Cannabis-Blatt vor dem Parlament in Ottawa: In der Nacht zum Mittwoch ist in Kanada die Legalisierung des Marihuana-Konsums in Kraft getreten. Foto: AFP

Als erstes großes Industrieland erlaubt Kanada den Konsum von Cannabis. Der Drogenkriminalität will man soll so den Boden entziehen. Ob es ein Erfolg wird hängt von vielem ab.

Ottawa - In Kanada können Erwachsene von jetzt an legal Marihuana erwerben und konsumieren. Um Mitternacht in der Nacht zum Mittwoch trat das Cannabis-Gesetz in Kraft, das Cannabis als Freizeitdroge legalisiert. Neufundland war die erste Provinz, in der Marihuana unter den neuen Bestimmungen verkauft wurde.

Schon am Abend davor hatten sich in St. John’s, der Hauptstadt der Provinz Neufundland-Labrador, vor dem Laden des kanadischen Cannabis-Produzenten Tweed, einem Tochterunternehmen des größten Produzenten Canopy Growth, Kunden eingefunden. Sie harrten trotz Kälte aus. Als um 23.30 Uhr die Tür des Geschäfts geöffnet wurde, füllte sich der Laden sehr schnell. Als sich der Sekundenzeiger Mitternacht näherte, stimmten die Anwesenden wie zum Jahreswechsel in den Countdown ein. Um 0.01 Uhr überreichte Canopy-Geschäftsführer Bruce Linton ein Päckchen an Ian Power und Nikki Rose. „Es war mein Traum, der erste zu sein, der das erste legale Gramm Cannabis in Kanada kauft“, sagte Powers.

Dies ist ihm gelungen: Neufundland hat eine eigene Zeitzone, anderthalb Stunden vor Zentralkanada mit Ontario und Quebec. Als letzte Provinz folgte viereinhalb Stunden später British Columbia. Dort im Westen begann der Verkauf um Mitternacht über das von der Provinzregierung eingerichtete Online-Portal von „BC Cannabis Stores“. Jede Provinz und jedes Territorium Kanadas hat seine eigene Bestimmungen, die den Cannabisverkauf regulieren.

In ganz Kanada ist Cannabis nun als Freizeitdroge erlaubt

Kanada ist das erste große Industrieland, das Cannabis und das Cannabisprodukt Marihuana als Freizeitdroge legalisiert. Bisher ist nur Uruguay diesen Schritt gegangen. In den USA haben zwar mehrere Bundesstaaten Marihuana legalisiert, nach dem Bundesgesetz aber ist die Droge weiter illegal. Der Konsum von Cannabis aus medizinischen Gründen war in Kanada bereits 2001 legalisiert worden. Nun gilt dies – mit Alters- und Mengenbeschränkungen – auch für Marihuana als Freizeitdroge.

Die liberale Partei hatte dies im Wahlkampf 2015 versprochen. Nun hat die Regierung von Premierminister Justin Trudeau dieses Versprechen umgesetzt. Begründet wird die Neuausrichtung der Drogenpolitik mit Gesundheitsschutz und öffentlicher Sicherheit. Die Regulierung von Anbau und Verkauf soll einerseits bewirken, dass Cannabis nicht in die Hände von Jugendlichen kommt, andererseits soll der illegale Markt ausgetrocknet werden. Die Legalisierung und der vom Staat kontrollierte Verkauf soll „Kriminellen und organisiertem Verbrechen den Gewinn entziehen“, betont die Regierung.

Die Regierung versucht, langfristig den Schwarzmarkt auszuschalten

Ob die Legalisierung ein Erfolg wird, hängt nach Einschätzung von Beobachtern sehr stark davon ab, ob es gelingen wird, den Schwarzmarkt auszuschalten, sodass nur noch Cannabis aus kontrolliertem Anbau auf den Markt kommt. Dieses Cannabis wird etikettiert sein und Informationen über die Cannabiswirkstoffe Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten, sodass die Kunden wissen, was sie konsumieren.

Entscheidend wird sein, ob der Grammpreis im legalen Handel, der zwischen sieben und zehn Canada-Dollar liegen wird, konkurrenzfähig ist. Nach Angaben des kanadischen Rundfunks CBC kann auf dem Schwarzmarkt Cannabis zu einem niedrigeren Preis gekauft werden. Erwartet wird zudem, dass vorerst das Angebot an Cannabis auf dem legalen Markt nicht die Nachfrage decken kann, sodass Konsumenten weiter den Schwarzmarkt nutzen könnten.

Verboten bleibt das Autofahren unter Drogeneinfluss

Die Legalisierung geht mit intensiven Aufklärungskampagnen einher, die vor den Gesundheitsgefahren vor allem für Jugendliche warnen. Nach Angaben der Regierung hat Kanada weltweit eine der höchsten Raten an Cannabis-Konsum junger Menschen. 2015 konsumierten 21 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren sowie 30 Prozent der 20- bis 24-jährigen Marihuana. Auf ihrer Website www.Canada.ca/Cannabis informiert die Regierung über die Gesundheitsgefahren. Früh einsetzender, häufiger Cannabis-Konsum könne die Entwicklung des jungen Gehirns beeinträchtigen. Cannabisrauch könne, ähnlich dem Tabak, Lungen schädigen. Der Cannabiskonsum könne auch zu mentalen Problemen wie Depression und zu Abhängigkeiten führen.

Auf die Gesundheitsgefahren wiesen am Vorabend der Legalisierung auch viele Mediziner hin. Ein Schwerpunkt ist die Warnung vor Autofahren unter Drogeneinfluss. Durch Anzeigen in Zeitungen, Rundfunk und in den Sozialmedien mahnt die Regierung: „Don’t drive high.“ Die Polizei ist in den vergangenen Monaten geschult worden, Drogenkonsum bei Autofahrern zu erkennen.

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