Immer wieder sorgen Übungsflüge der Luftwaffe für Aufsehen in Stuttgart und Umgebung. Wir erklären, welche Vorschriften es gibt und welche Flugzeuge hier überhaupt zu sehen sind.
Am vergangenen Freitag war es mal wieder so weit: Fünf Tornado-Jagdbomber der Bundeswehr donnerten im Tiefflug über das Remstal. In sozialen Netzwerken folgten sofort Spekulationen, auch bei Google schnellten die Suchanfragen nach oben. Die Menschen wollen wissen: Was fliegt da über unseren Köpfen, und warum? Unsere Übersicht gibt Aufschluss darüber, wo, wie hoch und wie schnell die Luftwaffe überhaupt fliegen darf.
Wie tief dürfen Kampfflugzeuge in Deutschland fliegen?
Grundsätzlich sind Tiefflüge werktags zwischen 8 und 17 Uhr erlaubt. Kampfjets dürfen dabei in der Regel nicht unter 1000 Fuß (etwa 300 Meter) heruntergehen, Propellerflugzeuge nicht unter 500 Fuß (rund 150 Meter). Damit Piloten auch nächtliche Tiefflüge bis 1000 Fuß üben können, gibt es festgelegte Routen, die nur unter der Woche genutzt werden.
In Ausnahmefällen sind tagsüber auch für Kampfjets tiefere Flüge bis auf 150 Meter möglich – aber nur mit Genehmigung. Über Städten ab 100.000 Einwohnern und sensiblen Anlagen gelten Schutzzonen, die Tiefflug verbieten. Für Hubschrauber gelten eigene Vorschriften, sie dürfen deutlich tiefer fliegen.
Seit dem vergangenen Jahr hat die Bundeswehr auch Tieffluggebiete (Low Flying Areas, LFA) reaktiviert, in denen bis zu zwei Minuten lang Flüge in gut 75 Metern Höhe erlaubt sind. Das nächstgelegene dieser Gebiete reicht von Donauwörth bis kurz vor Ellwangen und Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall).
Flug mit Überschall: Der Knall ist viele Kilometer weit hörbar
Viele Kampfjets können schneller als der Schall fliegen. Die dabei entstehende Schockwelle ist am Boden als lauter Überschallknall zu hören. Entsprechende Übungsflüge sind in Deutschland werktags zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie 14 und 20 Uhr erlaubt und müssen in der Regel angemeldet werden. Die Mindestflughöhe dafür beträgt 36.000 Fuß, also rund 11.000 Meter. Eine Ausnahme gilt bei echten Einsätzen, etwa wenn eine sogenannte Alarmrotte aufsteigt. Dann kann auch ohne Vorwarnung im Überschallbereich geflogen werden.
Wo übt die Bundeswehr in Baden-Württemberg den Luftkampf?
Damit Luftkämpfe realistisch und trotz der großen Zahl von Flugzeugen in Deutschland sicher trainiert werden können, nutzt die Luftwaffe sogenannte temporär reservierte Lufträume (TRA). Diese Bereiche sind während der Übungen für zivile Flugzeuge gesperrt.
Für die Region Stuttgart relevant sind vor allem zwei Gebiete: die TRA Ostallgäu und die TRA Lauter. Ersterer erstreckt sich von Südosten her bis nach Gaildorf, Winnenden und Nürtingen, zweiterer beginnt am Schengener Dreiländereck und reicht bis nach Karlsruhe und Mannheim.
Diese Kampfjets sind über Stuttgart und der Region zu sehen
Über der Region Stuttgart sind meist Eurofighter unterwegs. Sie stammen häufig vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg an der Donau. Typisch für diesen Typ sind seine Deltaflügel und die kleinen Vorflügel, sogenannte Canards. Daneben ist auch der Panavia Tornado zu sehen. Die zweisitzige Maschine ist seit den 1980er-Jahren im Einsatz. Charakteristisch sind die schwenkbaren Flügel, mit denen sich die Flugeigenschaften je nach Geschwindigkeit verändern lassen.
Nicht schnell, aber groß: Transportflugzeuge des Militärs
Auch größere Militärflugzeuge sind regelmäßig über der Region zu sehen. Dazu zählen der Airbus A400M und die Lockheed C-130 Hercules. Der A400M ist das moderne Transport- und Tankflugzeug der Bundeswehr und vieler NATO-Partner. Er besitzt vier Propellerturbinen und ist an seinem T-Leitwerk am Heck erkennbar.
Die C-130 aus US-amerikanischer Produktion ist älter, aber in modernisierten Varianten weltweit im Einsatz. Die deutsche Luftwaffe betreibt eine Anzahl dieser Maschinen in einer gemeinsamen Staffel mit Frankreich. Die Hercules wird ebenfalls von vier Propellerturbinen angetrieben, lässt sich aber gut an ihrer charakteristischen „Knollennase“ identifizieren.
Diese Hubschrauber machen regelmäßig Lärm über der Region
Auch tief fliegende und laute Hubschrauber erregen regelmäßig Aufmerksamkeit. Häufig kann man mittelschwere NH90-Transporthubschrauber und die leichten H145 des Heeresflugplatzes Niederstetten beobachten, die auch den Stuttgarter Airport anfliegen. Noch eine Nummer größer ist der CH-47 Chinook der US-Armee, der einfach an den beiden Tandem-Hauptrotoren und seinem charakteristischen klopfenden Soud zu erkennen ist. Eher selten zu sehen sind hingegen die schweren CH-53 der Bundeswehr.
Regelmäßig fliegen auch amerikanische UH-60 Black Hawk die US-Installationen in der Region an. Gelegentlich überfliegen auch Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 Apache die Region – sie sind etwas kleiner als die Black Hawks, aber am Tandemcockpit und den seitlichen Waffenaufhängungen zu erkennen.