Immer wieder kommt es in Frankreichs Vorstädten zu Gewaltexzessen. Foto: dpa

Fremdworte finden selten Eingang in die französische Sprache - Kärcher aber hat's geschafft.

Paris - Fremdworte finden selten Eingang in die französische Sprache - Kärcher aber hat's geschafft. "Nettoyer au karcher" (sprich: karschär) steht seit zwei Jahren im französischen Wörterbuch. Zum Leidwesen des Weltmarktführers aus Winnenden wird das Wort immer häufiger von der Politik missbraucht.

Die sprachverliebten Franzosen achten pedantisch darauf, dass ihre Muttersprache frei bleibt von Fremdwörtern. Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet der Name der deutschen Firma Kärcher ("Nettoyer au karcher", übersetzt: hochdruckreinigen) zum französischen Wortschatz gehört. Dies könnte ein Grund zur Freude für das Unternehmen aus Winnenden sein, wären da nicht immer wieder französische Politiker, die das Wort in einem negativen Zusammenhang verwenden.

Fadela Amara etwa, Staatssekretärin für Stadtentwicklung, sagte in einem Zeitungsinterview: "Da muss man mit dem Kärcher durchgehen und die Gewalt ausrotten, die unsere Kinder in den Vorstädten umbringt." Damit spielte die Politikerin auf eine erschreckende Serie von Gewalttaten in den gefürchteten Banlieues an, bei der ein 18-Jähriger erstochen und ein 12-Jähriger erschossen wurde. Das Unternehmen wehrt sich: "Unsere Hochdruckreiniger sind keine Waffen, sondern ganz im Gegenteil Geräte, die säubern, pflegen und jahrhundertealte Denkmäler schonend wiederherstellen", stellt Pressesprecher Frank Schad fest.

Auf den öffentlich gemachten Kärcher-Protestbrief reagierte die Gescholtene unterdessen mit dem flapsigen Hinweis, dass die Verwendung des Firmennamens letzten Endes doch eine erstklassige Werbung für den Hersteller sei. Doch auch darauf kontert Sprecher Schad scharf: "Nein danke, auf eine derartige PR können wir verzichten."

Mit dem Kärcher durch die kriminellen Hochburgen

Die Marke mit der Signalfarbe Gelb genießt in Frankreich mit stolzen Werten von "weit über 90 Prozent" denselben Bekanntheitsgrad wie auf der anderen Rheinseite. Den vorerst letzten Karrieresprung erlebte der Begriff in Frankreich vor zwei Jahren: Das renommierte Wörterbuch "Petit Robert", vergleichbar mit dem deutschen Duden, nahm "Nettoyer au karcher" im Sinn von "durchkärchern" in seinen Bestand auf. Ebenfalls geläufig ist neuerdings das Verb "karchériser". Die Polit-Rapperin Keny Arkana aus Marseille textete sogar einen Song mit der Titelzeile "Nettoyer au karcher".

Ihr Protestlied ist eine bissige Kritik an der Politik von Nicolas Sarkozy, der dem Begriff als erster zu zweifelhafter Berühmtheit verhalf. Im Mai 2005, nach dem Tod eines unschuldigen Jungen, hatte der damalige Innenminister vollmundig angekündigt, mit dem Kärcher durch die kriminellen Hochburgen am Pariser Stadtrand gehen zu wollen. Mit einem halben Jahr Verzögerung - bei den schweren Unruhen im Pariser Norden - fassten die Demonstranten das unrühmliche Wort als Kampfansage auf.

Die daraufhin in ganz Frankreich geschalteten Kärcher-Anzeigen halfen wenig. Deshalb drang das Unternehmen 2007 im Präsidentschaftswahlkampf erneut darauf, den Missbrauch des Firmennamens zu unterlassen. Kärcher verweist dabei immer wieder auf seine in einen Ehrenkodex gegossene Unternehmensphilosophie. Darin heißt es: "Wir achten in allen Ländern die jeweiligen Werte und Normen, die Menschenrechte sowie die rechtlichen und sozialen Ordnungen im Sinne eines Good Citizen."

Kärcher macht über 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland, die Hälfte der fast 7000 Beschäftigten sind keine Deutschen. Ferner engagiert sich das Unternehmen im Bereich Kultursponsoring. Kärcher war etwa mit von der Partie, als den US-Präsidentenköpfen am Mount Rushmore oder der Christus-Statue in Rio ein strahlendes Antlitz verpasst wurde.

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