Acht politische Paare gehen ins Rennen um den SPD-Vorsitz. Foto:  

Am Sonntag endet die Bewerbungsfrist um den Parteivorsitz der SPD. Bislang acht Duos gehen in das Rennen um die Doppelspitze – die drei unbekannten Einzelbewerber gelten als chancenlos. Ein Überblick über die Kandidatentandems.

Berlin - Vor drei Monaten trat Andrea Nahles als SPD-Chefin zurück, noch mal drei Monate wird es dauern, bis die Genossen ihre neue Führung ins Amt heben. Ab Sonntag weiß die Partei, zwischen welchen Bewerbern sie wählen kann. Ein Überblick über die Etappen, die Kandidaten und deren Chancen:

 

Wie sieht das Bewerberfeld aus? Zögerlich gingen die Bewerbungen am Anfang ein: Als erstes – und jüngstes - Tandem stellten sich der Europa-Staatsminister Michael Roth und die frühere Familienministerin aus Düsseldorf, Christina Kampmann, vor, die zum linken Flügel der Partei gezählt werden. Sie blieben bis zur Halbzeit der Bewerbungsfrist unter sich. Inzwischen treten sieben weitere Kandidatenduos an – dazu drei Einzelbewerber, die keine Chance haben dürften, die nötige Unterstützung von fünf Kreisverbänden oder einem Landesverband zu bekommen. Als zweites Duo meldeten die zweifache Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, und der Parteilinke Ralf Stegner Interesse an. Einziger Bewerber aus der engsten Parteispitze ist Finanzminister Olaf Scholz, der zusammen mit der ehemaligen brandenburgischen Generalsekretärin Klara Geywitz kandidiert. Als weitere Ost-West-Paare treten der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius mit der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping sowie und die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange mit dem Bautzener Kollegen Alexander Ahrens an.

Auf der Groko-kritischen Seite steht das Duo aus der Umweltpolitikerin Nina Scheer und dem Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Zwei Kandidatinnen aus Baden-Württemberg gehören auch zum Bewerberinnenfeld: Die Parteilinke Hilde Mattheis bildet ein Gespann mit dem Verdi-Chefökonomen Dierk Hirschel, die Groko-Kritikerin Saskia Esken tritt mit dem früheren nordrhein-westfälischen Finanzminister Norbert Walter-Borjans an.

Wer tritt nicht an? Eigentlich – bis auf Scholz – alle, von denen man es hätte allein aufgrund ihrer Funktion erwarten müssen. Kein Mitglied des Kabinetts und niemand aus der Riege der Ministerpräsidenten fühlte sich berufen. Auch der Juso-Chef Kevin Kühnert winkte in letzter Minute ab.

Wie geht es jetzt weiter? Mit einem regelrechten Marathonlauf: Vom 4. September an stellen sich die Bewerber in fünfeinhalb Wochen auf 23 Regionalkonferenzen in ganz Deutschland den SPD-Mitgliedern vor. Es geht am Mittwoch kommender Woche in Saarbrücken los, der Abschluss findet am 12. Oktober in München statt. In Baden-Württemberg präsentieren sich die Bewerber am 14. September in Filderstadt und am 23. September in Ettlingen. Das wird ein hartes Programm für die Kandidaten, die in der Zeit auch noch ihre Aufgaben als Minister, Bürgermeister oder Abgeordnete erfüllen müssen.

Wie laufen die Regionalkonferenzen? Angesichts des großen Felds müssen die Bewerber mit wenig Redezeit bei den Mitgliedern punkten. Nach bisherigen Planungen soll zu Beginn der Konferenzen jeder Kandidat anderthalb Minuten Zeit für eine persönliche Vorstellung bekommen. Danach befragt ein Moderator die Bewerber nach ihren Positionen zu bestimmten Themen, über die vorab die Mitglieder online abstimmen konnten. Besonders interessiert sich die Basis demnach für Antworten auf die Klimakrise, für die Gefahr der Spaltung in der Gesellschaft sowie für Ideen, der SPD ein neues Profil zu geben. Im Anschluss kann dann das Publikum Fragen stellen. Für die Antworten ist jeweils eine Minute eingeplant. Den Abschluss bildet eine Schnellfragerunde, nach zweieinhalb Stunden soll Schluss sein. Viele der Veranstaltungen sollen live im Internet übertragen werden. Die Mitgliederbefragung läuft bis zum 25. Oktober. Wenn am 26. Oktober kein Duo die absolute Mehrheit erreicht hat, folgt eine Stichwahl. Anfang Dezember wählt der Parteitag die neue Spitze. Regionalkonferenzen und Mitgliederbefragung dürften die klamme Partei 1,9 Millionen Euro kosten – Stichwahl inklusive.

Geht es bei den Konferenzen auch um den Verbleib in der großen Koalition? Ja, schließlich treten einige der Duos ausdrücklich mit der Forderung an, das Regierungsbündnis mit der Union zu verlassen. Finanzminister Scholz dagegen ist ein ausdrücklicher Befürworter der Koalition. In der Online-Befragung der Mitglieder mit mehr als 35 000 Teilnehmern landete die Frage nach der Zukunft der großen Koalition allerdings nur auf dem 21. Platz. Es sei falsch, die Frage des Parteivorsitzes mit der Zukunft der Groko zu verknüpfen, sagte die Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion und Pforzheimer Abgeordnete Katja Mast unserer Zeitung. „Die SPD ist viel mehr als diese Koalition.“

Wer hat Chancen? Die anderen Kandidatenduos kritisierten hinter vorgehaltener Hand von Anfang an, wenn Spitzenpolitiker Scholz wiederholt als Favorit gehandelt wurde. Eine Forsa-Umfrage an der Basis bestätigt diese Einschätzung. Gut ein Viertel der Mitglieder würde demnach den Finanzminister und Geywitz wählen. Lauterbach und Scheer würden als Verfolger gerade einmal 14 Prozent Zustimmung erzielen, die Tandems Schwan/Stegner und Köpping/Pistorius knapp dahinter landen.