Dustclean (li.) und Dustcart sammeln Müll in schwer zugänglichen Gassen Foto: Networked and Cooperating Robots for Urban Hygiene

Zwei neuentwickelte Roboter sollen in Italien Müll in schwer zugänglichen Gassen sammeln.

Peccioli - Auf den Straßen von Peccioli fühlen sich Besucher ins Mittelalter zurückversetzt. In dem kleinen Ort in der Toskana geht es recht idyllisch zu - einzig die Müllhaufen, die oft tagelang unabgeholt auf den Wegen liegen, stören. Das Problem sind die engen Gassen und schmalen Straßen, durch die auch kleinste Mülltransporter kaum einen Weg finden.

Der Müll wird, wie in vielen alten Ortschaften Italiens und andernorts in Europa, in Säcke gepackt und vor die Haustür gestellt. Dort sollen sie von Müllmännern abgeholt werden. Doch dafür fehlt vielen Kommunen das Geld.

Zwei Müllroboter sollen nun Abhilfe schaffen: Dustclean und Dustcart. Entwickelt wurden die beiden Roboter an der Eliteuniversität von Pisa, in Zusammenarbeit mit acht weiteren europäischen Partnerhochschulen. Deutschland ist an dem Projekt mit Namen "Networked and Cooperating Robots for Urban Hygiene" nicht beteiligt. Finanziert wird es zu einem großen Teil von der EU-Kommission für technologische Entwicklung.

Zwei Modelle, ein Ziel

"Diese Roboter sind etwas Neues, weil sie sich mit Müll und Verschmutzung beschäftigen", erklärt die an dem Projekt beteiligte Wissenschaftlerin Barbara Mazzolai. "Deshalb bekommen wir die Unterstützung von der EU." Ziel des Projekts: die Müllentsorgung in kleinen Ortschaften, zu denen die herkömmliche Müllabfuhr keinen Zugang hat.

Die beiden Fahrzeuge übernehmen jeweils unterschiedliche Aufgaben. Beide finden ihren Weg mit Hilfe eines Navigationssystems, beide arbeiten autonom. Um den Müll auf Straßen und in Gassen kümmert sich Dustclean. Das Gerät funktioniert wie ein von einem Müllmann gefahrener Reinigungswagen. Mit einer Breite von etwa 50Zentimetern ist es jedoch wesentlich kleiner. Im Fahrgestell aus Leichtmetall befindet sich ein elektronisches Gehirn, das mit der detaillierten Straßenkarte einer Ortschaft programmiert werden kann.

Seite 2: Stufen sind kein Hindernis

Der automatische Müllsammler arbeitet rund sieben Stunden selbstständig. Dann muss er an die Steckdose. Er ist mit vier Rädern ausgestattet und mit einer Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Stunde unterwegs. Auf seinem Weg saugt er weggeworfenes Papier, vertrocknete Blätter, Zigarettenkippen und anderen kleineren Abfall von Straßen und Plätzen auf. Dank einer eingebauten Hebetechnik sind auch Stufen von bis zu zehn Zentimetern kein Hindernis. In einer Stunde Arbeit reinigt das Gerät bis zu 3000 Quadratmeter öffentlicher Fläche. Bis zu 20 Liter Müll findet in seinem Inneren Platz.

Zudem verfügt Dustclean über eine mobile Messstation zur Ermittlung der Luftverschmutzung. Über einen Sender gibt der Roboter die von ihm ermittelten Daten an die Umweltbehörde des örtlichen Rathauses weiter.

Auch für die Entwicklung des zweiten in Pisa entwickelten Müllsammlers wurden bekannte Technologien genutzt. Dustcart kommt der allgemeinen Vorstellung von einem Roboter auch optisch ziemlich nahe. Er ist rund 120 Zentimeter hoch, 65 Zentimeter breit und wiegt 64 Kilogramm. Wie sein Kollege besteht er aus Leichtmetall und besitzt einen Computerspeicher mit geografischen Fähigkeiten zum Auffinden einer Adresse. Auch Dustcart bewältigt Stufen und Steigungen von bis zu zehn Prozent. Allerdings arbeitet er auf Abruf.

Dustcart holt den Müll zu Hause ab

"Die Methode ist einfach", sagt die Wissenschaftlerin Barbara Mazzolai. "Der Bürger ruft beim Ordnungsamt an und gibt seine Adresse an sowie die Uhrzeit, zu der er zu Hause ist." Ein kommunaler Beamter programmiert den Roboter mit den Daten. Dieser macht sich zu gegebener Stunde auf den Weg, um die Abfälle einzusammeln. "Allerdings muss der Bürger mit seinem abzugebenden Müll pünktlich vor der Haustür stehen, denn der Roboter wartet nur 15 Minuten, dann fährt er wieder in seine Garage zurück", erklärt Mazzolai.

Damit das Gerät nur Gegenstände einsammelt, die tatsächlich entsorgt werden sollen, muss der Besitzer des Mülls erst auf einen Knopf am Roboter drücken. Dann öffnet dieser eine Art Schublade an seinem Bauch, in der rund 80 Liter Müll Platz haben. Ist der Roboterbauch voll, fährt er zu einem Umladeplatz. Dort fährt der Roboter auf eine Brücke, und an einer Ladebucht verschwindet der Dreck automatisch in einem Container.

Beide Müllsammler wurden bereits in verschiedenen toskanischen Ortschaften erfolgreich getestet. Bis jede Kommune mit den Robotern ausgestattet ist, könnte es aber noch eine Weile dauern. Pro Gerät sind rund 30000 Euro fällig.

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