Beispielhaft: Mooswand in privater Anlage Foto: Brandhorst/Vertiko

Die in der Nähe des Feinstaub-Brennpunktes Neckartor geplant Mooswand wird erst 2017 aufgebaut werden können. Zunächst müssen Vergleichsmessungen zur Schadstoffbelastung erledigt werden.

Stuttgart - Der vom Gemeinderat grundsätzlich beschlossene Bau einer Mooswand entlang der stark von Feinstaub belasteten Cannstatter Straße soll Anfang 2017 beginnen. In diesem Jahr müssen zunächst über einen längeren Zeitraum Luftmessungen erfolgen, um anschließend den Erfolg oder Misserfolg des Versuchs beurteilen zu können, heißt es an der Universität Stuttgart.

Zwei Institute und das Naturkundemuseum sowie die Stadt haben inzwischen Verträge ausgearbeitet, aber noch nicht unterschrieben. Die Mooswand wird 100 Meter lang werden und sich vom Baumann-Steg in Richtung Berger Tunnel auf der Parkseite an der B 14 entlang ziehen. Insgesamt sollen Moose auf 400 Quadratmeter wachsen. Die Wand müsse aber nicht vier Meter hoch werden, sagt Manfred Hammer vom Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen an der Uni Stuttgart. Die bisherige Lärmschutzwand aus halbrunden Betonelementen zum Park hin soll nicht angetastet werden.

Bisher funktioniert der Feinstaub-Fänger im Labor

Moose haben sich in Versuchen als gute Feinstaubfänger und -verwerter erweisen. Sie können die gesundheitsschädlichen Partikel teils zersetzen. „Eine Freianlage in diesem Maßstab hat es bisher nicht gegeben“, sagt Hammer. Die Frage ist, ob Ergebnisse aus dem Labor sich auch in der rauen Umgebung der B 14 einstellen.

An der Uni wäre man den Forschungsschwerpunkt gerne früher angegangen. Der Gemeinderat hat aber erst Ende 2015 für den Doppelhaushalt 390 000 Euro bereit gestellt – nachdem die EU-Kommission Stadt und Land eine Klage wegen ständiger Überschreitung der lange verbindlichen Grenzwerte angedroht hat.

Der Feinstaub-Alarm wird erneut verlängert

Weil Moose langsam wachsen, würde es Jahre dauern, bis die Wand begrünt ist. Den fluffigen Belag gibt es aber wie Rasen auch als Rollware. Moos hat eine extrem große Oberfläche, in einem Kubikzentimeter verbirgt sich eine Fläche von bis zu 1700 Quadratzentimetern. Der Feinstaub wird elektrostatisch festgehalten und soll zu bis zu 50 Prozent in Pflanzenmasse umgewandelt werden. In der Summe können laut Uni bis zu 75 Prozent des Feinstaubs beseitigt werden. Davon gibt es am Neckartor genügend. Das Ende des aktuellen, am Montag ausgerufenen Alarms, ist offen, das gab die Stadt am Freitag bekannt. Weil der Luftaustausch weiter schlecht ist, soll der Alarm bis mindestens 24 Uhr am Montag gelten.

„Das momentan schöne Wetter tut dem Feinstaub nicht gut, im Gegenteil: Es führt zu einer Verlängerung des Feinstaub-Alarms“, sagt Stadtklimatologe Ulrich Reuter. Die andauernde Hochdrucklage mit nächtlichen Inversionen, schränke das Austauschvermögen der Atmosphäre stark ein. „Hinzu kommt ein schwacher Wind aus östlichen Richtungen, der die Durchmischung der Luftschichten beeinträchtigt und zu einer Anreicherung von Luftschadstoffen führt“, so Reuter.

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