Der Impfstoff AstraZeneca ist in Frankreich eher unbeliebt. Die Regierung plant nun offensichtlich eine Werbekampagne mit der Sängerin Sheila. Foto: dpa/Matthias Bein

Um die Zahl der Impfungen zu erhöhen, soll die Sängerin Sheila für AstraZeneca werben

Paris - Frankreich führe einen Krieg. Mit martialischen Worten leitet Präsident Emmanuel Macron sein Volk durch die Corona-Pandemie. Die wirksamste Waffe im Kampf gegen den unsichtbaren Feind seien Impfungen, verkündet der Staatschef unaufhörlich. Doch überraschend viele Franzosen wollen ihm auf diesem Feldzug nicht folgen. Immer wieder machen Meldungen die Runde, dass in Frankreich Impfzentren aus Mangel an Interessenten vorzeitig schließen mussten.

Viele AstraZeneca-Dosen bleiben liegen

Vor allem die Fläschchen mit dem Impfstoff AstraZeneca liegen wie Blei in den Kühlschränken der Ärzte, seit sich die Meldungen über bisweilen tödlich verlaufende Nebenwirkungen wie Thrombosen häufen. Das Satiremagazin „Canard Enchaîné“ berichtet, dass am vergangenen Wochenende nur 10 000 von insgesamt 60 000 Dosen AstraZeneca verabreicht werden konnten, weil zu wenige Menschen sich eine Injektion verpassen lassen wollten. Nach einem reichlich chaotischen Impfstart hatte Frankreich bei der Zahl der Geimpften schnell aufgeholt und hat inzwischen etwa zu Deutschland aufgeschlossen. Doch nun fürchten die Verantwortlichen offensichtlich, dass die Kampagne ihren Schwung verliert.

Ein großes Vorbild aus den USA

Wie „Canard Enchaîné“ weiter schreibt, präsentierte der französischen Premierminister Jean Castex nun einen Weg aus der Misere. Er will die Sängerin Sheila an die französische Corona-Front schicken. Sie soll eine Art Markenbotschafterin für den Impfstoff AstraZeneca werden. Castex orientiert sich bei seinem Vorstoß an großen historischen Vorbildern. Er hofft auf einen ähnlich durchschlagenden Effekt wie bei der US-Kampagne im Jahr 1956, als sich der Superstar Elvis Presley werbewirksam vor laufenden Kameras gegen Polio impfen ließ.

Sheila verbreitet immer gute Laune

Ziel der Sheila-Offensive sind die über 55-Jährigen, die in Frankreich inzwischen alle ein Anrecht auf eine Corona-Impfung haben. Die meisten der älteren Semester dürften die Gute-Laune-Sängerin in angenehmer Erinnerung haben, wurden sie doch von der inzwischen 75-Jährigen mit ihren Liedern durch die gesamte Jugend begleitet. In den 1960ern war sie vor allem in Frankreich bekannt, hatte dann aber in den 70er Jahren einige internationale Hits mit dem Disco-Projekt Sheila & B. Devotion. Danach sank ihr Stern merklich, ging aber nie ganz unter. Immer wieder veröffentlichte Sheila Alben und tingelt seit vielen Jahren als gern gesehener Gaststar durch allerlei Abendshows.

Bis jetzt hat die geplanten Werbeaktion der Regierung allerdings vor allem Spott hervorgerufen. Bezweifelt wird vor allem, dass die gute von Laune von Sheila tatsächlich für die Franzosen so ansteckend ist, dass Zehntausende liegen gebliebene AstraZeneca-Dosen in den Mann und die Frau gebracht werden können.

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