Manfred Wacker und sein Team arbeiten am emissionsfreien Unicampus. Dazu müssen Parkplätze verschwinden. Foto: Götz Schultheiss

Der Campus der Uni in Stuttgart-Vaihingen soll emissionsfrei werden. Dafür erproben Wissenschaftler neue Formen der Fortbewegung. Die Ergebnisse eines Reallabors zeigen, wohin die Reise gehen könnte – zum Beispiel hin zu autonom fahrenden Shuttlebussen und Scootern.

Vaihingen - Der Vaihinger Universitätscampus wird zum Versuchslabor für die Quartiere der Landeshauptstadt. Dort forschen Wissenschaftler und Studenten nämlich daran, wie sie ihren Campus so gestalten, dass in der Zukunft kein Kohlendioxid mehr ausgestoßen wird. In modischem Englisch nennt sich das Projekt Mobility Living Lab.

„Der Grundgedanke des Konzepts ist es, den Campus autofrei zu machen“, sagt Manfred Wacker, der stellvertretende Leiter des Lehrstuhls für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik und Projektleiter für das Mobility Living Lab. Um die Autos vom Campus fernzuhalten, muss man sie in einem Parkhaus unterbringen. Der Universität schwebt dazu ein Parkhaus vor, das sich über die B 14 am Johannesgraben spannt. Dabei geht es nicht nur ums Parken: Auf das Dach sollen Fotovoltaik-Elemente, mit denen die Uni den Strom erzeugt, den sie für ihr eigenes Elektro-Mobilitätskonzept braucht.

Manfred Wacker ist klar, dass es eine Weile dauern wird, bis dieses Parkhaus steht: „Realitätsnäher sind zwei Parkhäuser an der Universitätsstraße.“ Auf den Uni-Parkplätzen, sagt Wacker, könne man heute noch kostenlos parken, aber ab 2021 gebe es dort eine Parkraumbewirtschaftung. „Dann kann man die Parkplätze stark reduzieren.“ Auf den Parkplätzen, die frei würden, sollten einmal neue Uni-Gebäude mit Fotovoltaik-Dächern entstehen: „Damit wollen wir die Emissionsfreiheit auch auf die Gebäude übertragen. Ob das im Einzelnen ausreicht, den Energiebedarf zu decken, kann ich nicht sagen, denn das hängt davon ab, ob im Gebäude energieintensive Forschung betrieben wird.“

Anfordern mit App, laden mit Induktion

Rund 40 000 Fußwege werden nach Angaben der Universität täglich auf dem Uni-Gelände zurückgelegt, circa 40 Prozent davon sind mehr als 400 Meter lang. Mit dem Wegfall der Parkplätze werden sie sich natürlich verlängern. Damit Studenten und Angestellte der Uni trotzdem auf dem Campus zügig vorankommen, sollen autonom fahrende elektrisch angetriebene Shuttlebusse eingesetzt werden. Sie sollen anfangs auf einer Rundstrecke mit verschiedenen Stationen verkehren. Im nächsten Schritt, sagt Wacker, werde dann ein Dienst eingeführt, mit dem die Busse von den Fahrgästen über eine App angefordert werden können. „Die Fahrzeuge haben Platz für bis zu 40 Personen, weil man vom Parkhaus weg größere Kapazitäten anbieten muss“, sagt Wacker. „Wir wollen den Campus zum Reallabor machen und wollen versuchen, wie man die Shuttle-Busse während der Fahrt induktiv laden kann. Im Prinzip müssten dafür Spulen in die Fahrbahn verlegt werden“, sagt Wacker.

E-Scooter soll autonom zur Ausleihstation zurückfahren

Und dann: E-Scooter sind momentan in aller Munde. Sie ernten viel Kritik, weil ihre Nutzer sie nach Belieben in der Stadt abstellen. Auf dem Vaihinger Uni-Campus soll dies nicht der Fall sein. „Die Uni entwickelt gerade einen autonomen Scooter, der nicht irgendwo im Weg stehen wird, denn er soll selbstständig zum Verleihort zurückrollen. Bei dieser Leerfahrt fährt er aus Sicherheitsgründen nur vier Kilometer in der Stunde, also in Schrittgeschwindigkeit. Wenn ihn eine Person benutzt, fährt er schneller“, sagt Wacker. Normalerweise müssten 6000 E-Scooter für die Fahrten zur Verfügung stehen. Durch das autonome Zurückfahren ist es aber möglich, dass ein einziger Scooter 30 Personen pro Tag befördert. Deshalb werden nur 600 gebraucht. Der E-Scooter ist im Entwicklungsstadium: „Wir haben ihn jetzt so weit, dass er sich selbstständig ausbalancieren kann“, sagt Wacker.

Den Strom, der für die Mobilität gebraucht werde, sagt Wacker, wolle die Uni auf Dächern der Parkhäuser und der Uni-Gebäude produzieren. „Wir erproben alles im geschützten Umfeld. Wenn wir kaum Autoverkehr im Quartier haben, dann gibt es auch weniger Konflikte. Die Lösungen des Mobility Living Lab müssen später einmal auf andere Stadtquartiere übertragbar sein“, sagt der Experte.

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