Im Kampf gegen HIV und Aids sind bemerkenswerte Fortschritte erzielt worden. Doch das Erreichte gerät zunehmend in Gefahr, meint Wissenschaftsredakteur Werner Ludwig.
Unter den vielen Erregern von Infektionskrankheiten, die uns Menschen bedrohen, gehört das HI-Virus zu den heimtückischsten Zeitgenossen. Es verrichtet sein Werk langsam, aber stetig und bleibt dabei mangels Symptomen oft sehr lange unentdeckt. Indem es Teile seiner genetischen Information ins menschliche Erbgut einbaut, zerstört das Virus nach und nach das Immunsystem, das uns doch eigentlich vor Krankheitserregern schützen soll.
Der Auslöser der Immunschwäche namens Aids hat einen langen Atem. Gerade deshalb sind bei seiner Bekämpfung langfristige Strategien gefragt. Entscheidend sind neben Aufklärung und Prävention eine schnelle Diagnose und ein frühzeitiger Beginn der Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten, die HIV-Infizierten mittlerweile zu einer nahezu normalen Lebenserwartung verhelfen können. Mit einem Mix aus all diesen Maßnahmen ist es gelungen, die Zahl der weltweiten HIV-Infektionen und die Zahl der Aids-Toten trotz einer gewachsenen Bevölkerung deutlich zu verringern.
Ausgrenzung nützt dem Virus
Auf diesem bemerkenswerten Erfolg können sich die Gesundheitspolitiker aber nicht ausruhen. Die Zahlen zeigen, dass die Krankheit dort rasch wieder an Boden gewinnt, wo Infizierte und Risikogruppen sich kaum testen lassen, weil ihnen Stigmatisierung und Ausgrenzung drohen. Auch fehlende Medikamente und instabile Gesundheitssysteme – etwa infolge von Kriegen – nützen dem Virus.
Die Rufe nach einer Verstetigung des Kampfs gegen Aids und der Bereitstellung der dafür nötigen Gelder sind absolut berechtigt, zumal die Krankheit auch hohe volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Auch an Impfstoffen muss weiter geforscht werden, wobei hier aufgrund der enormen Wandlungsfähigkeit des Virus keine baldigen Erfolge zu erwarten sind.