Vermehren sich rasant: Wildschweine Foto: dpa

Je weniger Wildschweine, desto geringer das Ausbreitungsrisiko der Afrikanischen Schweinepest. Um den Bestand zu dezimieren, empfiehlt Agrarminister Peter Hauk drastische Maßnahmen.

Stuttgart - Das Ausbreiten der Afrikanischen Schweinepest lässt sich nach Ansicht von Agrarminister Peter Hauk (CDU) am besten durch Massentötungen von Wildschweinen verhindern. „Mit der Bejagung allein ist eine spürbare Reduzierung des Bestandes nicht zu erreichen“, sagte Hauk unserer Zeitung. Da müsse man realistisch sein. „Deshalb werden wir Fallen und Fänge installieren müssen, in die man die Wildschweine lockt, um sie dann tierschutzgerecht zu töten.“ Das werde zwar den Tierschützern „nicht besonders gefallen“, sei aber ein wirkungsvolles Mittel, um die Population zu reduzieren. Wildschweine gelten als Überträger der Seuche. Hauk: „Je höher ihre Dichte, desto schneller kann sich die Seuche ausbreiten.“

Hauk beschrieb die Fallen als oben offene Gatter mit einem Tor, das zwar den Zugang ermöglicht, nicht aber den Ausgang. Nach dem Anlocken der Tiere würden diese dann durch die Jäger erschossen. In seinem Ministerium werde derzeit erwogen, solche Fallen zunächst im Staatswald aufzustellen, um damit Erfahrung zu sammeln. Dies soll Teil eines Maßnahmekatalogs sein, den Hauk Anfang Februar zunächst dem Ministerrat und dann der Öffentlichkeit vorstellen will. „Da werden auch Dinge drinstehen, die Tierschützer auf den Plan rufen“, sagte der CDU-Politiker. Doch die Gefahr, dass das Virus von osteuropäischen Ländern nach Deutschland übergreift und sich hier auf Zuchtschweine überträgt, sei sehr hoch.

Die Schonzeit soll fallen

Allein die schärfere Bejagung werde den Bestand von Wildschweinen allenfalls um zehn oder zwanzig Prozent reduzieren, schätzt Hauk, der selbst studierter Forstwissenschaftler ist: „Wir können jetzt auch nicht Horden von Jägern in den Wald schicken.“ Dennoch will er auch die Vorgaben für die Wildschweinjagd lockern und etwa die Schonzeit für die Tiere im März und April aussetzen. Hauk: „Wir müssen das ganze Jahr nutzen, jetzt geht es darum, möglichst viele Tiere zu erlegen.“

Bessere Jagdbedingungen will er auch durch die Genehmigung von Nachtsichtgeräten schaffen. „Ich schlage vor, dass die Nachtsichttechnik verbunden werden kann mit der Zieltechnik der Waffe.“ Solche Vorsatzgeräte würden vor das Zielfernrohr geschraubt, dürften bisher von den Jägern in Deutschland aber nicht benutzt werden. Der Einsatz von Nachtsichttechnik sei rechtlich möglich, Nachtzielgeräte seien aber bisher untersagt. Hauk zufolge hat die Agrarministerkonferenz am Donnerstag auf ihrer Tagung in Berlin beschlossen, den Bund um eine Prüfung der waffenrechtlichen Vorgaben zu bitten.

Jagd auch in Schutzgebieten

Um den Wildschweinen keine Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, will Hauk die Jagd auch in Schutzgebieten erlauben: „Die Jagd muss überall möglich sein, wir können da keine Gebiete ausnehmen.“ Nicht zuletzt setzt er auf eine umfassende Informationskampagne bei Menschen, die häufig aus Ländern einreisen, in denen die Afrikanische Schweinepest bereits ausgebrochen ist, so etwa Polen oder Tschechien. Hauk: „Wir versuchen Fernfahrer und Saisonarbeitskräfte zu erreichen, um sie für die Gefahr zu sensibilisieren.“ Die Autobahnraststätten müssten besser durch Zäune abgegrenzt werden, damit Wildschweine sich nicht an Abfällen gütlich tun. Hauk: „In vielen Fällen gibt’s Zäune, die muss man auf Wilddichtheit prüfen, und wo es keine gibt, muss man sie bauen.“

Die allermeisten der von Hauk vorgeschlagenen Maßnahmen werden von den Grünen mitgetragen. So spricht sich auch der wald- und wildtierpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Reinhold Pix, für eine stärkere Bejagung der Wildschweine in Schutzgebieten, den Einsatz von Fallen und von Nachtsichtgeräten aus. „Das sind ergänzende Möglichkeiten und sollten probiert werden“, sagte er unserer Zeitung. Lediglich die Aufweichung der Schonzeit hält er nicht für sinnvoll: „Denn durch eine ganzjährige Bejagung werden deutlich erhöhte Populationen und stärkere Verbissschäden im Wald hervorgerufen.“ Wesentlich für die Reduzierung des Bestandes ist nach Meinung des Diplom-Forstwirts auch, dass „adulte Bachen“ geschossen werden. Das sind weibliche erwachsene Tiere, die zahlreiche Frischlinge gebären können.

Das Virus wurde bisher in Deutschland noch nicht nachgewiesen. Gegen die ansteckende Krankheit, die zwar für Menschen nicht gefährlich ist, aber bei Schweinen zum Tod führt, gibt es bislang keinen Impfstoff. Übertragen wird sie durch direkten Tierkontakt, Speiseabfälle oder kontaminierte Gegenstände. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte am Donnerstag eine Verschärfung der Schweinepestverordnung angekündigt. Diese sehe „Desinfektionsmaßnahmen in größerem Rahmen“ vor.

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