Maria Furtwängler, Janina Kugel, Katja Kraus, Nora Bossong und Jutta Allmendinger. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Anders als andere Länder macht Deutschland Rückschritte bei der Gleichstellung – mit einer Kampagne appelliert das Bündnis an die Bundesregierung, den Koalitionsvertrag dazu umzusetzen.

Berlin - Ein Bündnis einflussreicher Frauen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Sport fordert gemeinsam eine Quote für Frauen in Spitzenpositionen in Unternehmensvorständen, aber auch mehr Präsenz in Wissenschaft und Kultur. „Die Selbstverpflichtung funktioniert nicht“, sagte die frühere Siemens-Personalchefin Janina Kugel bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Kampagne „#ichwill“ in Berlin.

Die Initiative, zu der unter anderem auch die Schauspielerin und Produzentin Maria Furtwängler und die Leiterin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, gehören, unterstützt die Pläne der zwei SPD-geführten Ministerien für Justiz und Familie für eine Zielquote in Vorständen. Konkret geht es um die Forderung, dass in Vorständen ab einer Größe von vier Personen eine Frau sitzen muss.

Fünfmal mehr Thomasse

„Wusstest du, dass die Vornamen Thomas und Michael bei den CEO´s von deutschen Unternehmen jeweils fünfmal häufiger vorkommen, als Frauen auf den Chefsesseln sitzen?“, fragt Furtwängler in einem Video, in dem sich Künstlerinnen und Influencerinnen der Initiative anschließen. Der Kampagnentitel „#ichwill“ bezieht sich auf die immer wieder gehörte Begründung von Chefs, dass Frauen gar nicht in Führungspositionen aufsteigen wollten. Dies sei ein Vorurteil, so die Personalexpertin Kugel. „Frauen wollen genauso wie Männer, aber sie haben weniger Vorbilder und weniger Chancen.“

Bisher gibt es lediglich eine Quotenregelung für Aufsichtsräte. Seitdem dieses Gesetz vor fünf Jahren in Kraft getreten ist, müssen Unternehmen von einer bestimmten Größe an frei werdende Posten im Aufsichtsrat weiblich besetzen, bis ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist. Für die Besetzung von Vorstandsposten können Unternehmen sich freiwillig eine Zielgröße geben. Tatsächlich gäben 55 der 160 größten deutschen Unternehmen hier als Zielgröße eine Null an, so die Albright-Stiftung in ihrem Septemberbericht.

Eine Frage der Gerechtigkeit

„Wir fordern Einfluss, Macht, Sichtbarkeit und Gerechtigkeit in gleichem Maße“, so Kugel. Frauen seien auf unterschiedlichen Ebenen von gleicher Teilhabe weit entfernt. Die Initiative forderte die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Vorhaben umzusetzen. Freiwilligkeit reiche nicht.

„Strukturen werden nur selten von denen verändert, die sie geschaffen haben, denn sie sind sich ihrer Privilegien oft gar nicht bewusst – oder aber sie wollen sie nicht teilen“, so Kugel. „Der Gesetzgeber ist für die gesamte Bevölkerung zuständig, also muss er handeln“, so Kugel.

Deutschland macht Rückschritte

Kugel verwies auf die jüngsten Zahlen der Studie, wonach Deutschland anders als Länder wie die USA, Schweden oder Frankreich Rückschritte beim Frauenanteil in Vorständen gemacht habe. In den USA, Schweden, Frankreich und Großbritannien sind Vorstände mit mindestens zwei Frauen dem Bericht zufolge längst die Norm. In Deutschland ist das die absolute Ausnahme: Es gibt nur noch vier Dax-Unternehmen mit mehr als einer Frau im Vorstand. Allmendinger erklärte, bei der Quote gehe es nicht nur um die Zahl von Frauen in Vorständen, sondern auch um weibliche Vorbilder und gleiche Bezahlung. Die Schauspielerin Maria Furtwängler, deren „Malisa“-Stiftung die Darstellung von Geschlechtern in den Medien untersucht hat, kritisierte die Medien dafür, alte Rollenklischees zu zementieren.

Männer erklären die Welt im Fernsehen

Frauen kämen im Fernsehen halb so oft vor wie Männer. Ihre Präsenz schwinde nach dem 30. Lebensjahr, also in dem Alter, in dem sie Erfahrung und Expertise hätten. Nur jede fünfte Person, die mit Expertise zu Wort komme, sei weiblich. Auch Kindern werde die Welt vor allem von Männern erklärt. In der Corona-Berichterstattung sei nur eine von fünf Experten eine Frau, dabei seien 45 Prozent der Epidemiologen weiblich. Die Folgen reichten weit und prägten Vorstellungswelten: „Wir haben zu wenige Bilder von fähigen Frauen im Kopf.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: