Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat am Montag die Kampagne gegen Armuts- und Zwangsprostitution vorgestellt. Foto: dpa

Freier in Stuttgart sollen künftig mit provokanten Sprüchen auf Zwangs- und Armutsprostitution aufmerksam gemacht werden. Fritz Kuhn betonte bei der Vorstellung der Kampagne, es gehe um eine Diskussion über Frauenbild, Sexualität und Partnerschaft.

Stuttgart - Mit provokanten Slogans will die Stadt Stuttgart Freier aufrütteln. Sprüche wie „Die Würde des Menschen ist auch beim Ficken unantastbar“, „Kondome benutzt man, Frauen nicht“ oder „Willst Du der Mann ihrer Albträume sein?“ sollen ihren Blick auf die prekäre Situation der meisten Prostituierten lenken, erläuterte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) am Montag.

Vier Sprüche auf Hunderten kleinen und großen Plakaten sollten Männer animieren, beim Gang ins Bordell „Fragen des Anstands und der Würde nicht auszuschalten“. Kuhn betonte: „Es geht nicht um die Ächtung der Freier.“ Vielmehr wolle er eine breite Diskussion über Frauenbild, Sexualität und Partnerschaft anstoßen. Die offenen Worte auf den Plakaten griffen bewusst die Sprache der Freier auf; auf Bilder von Frauen aus dem Rotlichtmilieu habe man verzichtet, um dem Voyeurismus keinen Vorschub zu leisten. Kuhn betonte, dass Männer aus allen sozialen Schichten Sexdienstleistungen kauften.

Die Kampagne kostet die Stadt 125 000 Euro. In Stuttgart arbeiten laut Stadt am Tag 600 Prostituierte, vor allem aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn. In 165 Rotlichtbetrieben gehen Frauen anschaffen.

Nach Ansicht von Sozialarbeiterin Sabine Constabel können Freier erkennen, ob eine Prostituierte unter Zwang steht. Sie sollten sich fragen, ob sie genügend Deutsch spricht, Geschäfte tätigen kann, volljährig ist und ihren Körper freiwillig verkauft.

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