Innenhof von Schloss Zeil bei Leutkirch: hier soll der Fürst den „Sphärman“ getroffen haben. Foto: /imagebroker

Wer steckt hinter dem PR-Berater, der Stimmung gegen ein großes Reservat in Oberschwaben gemacht hat? Immer mehr deutet auf einen schwer reichen „Fürsten“ hin.

Manfred Lucha (Grüne) musste nicht lange überlegen. Ob er Fürst Erich von Waldburg zu Zeil und Trauchburg (63) für einen „lupenreinen Demokraten“ halte? Selbstverständlich tue er das, versicherte der ebenfalls in Oberschwaben beheimatete Sozialminister vor Journalisten und erklärte die Frage indigniert für „unstatthaft“. Später hörte man aus seinem Umfeld, er hege sehr wohl gewisse Zweifel.

Der Hintergrund war Lucha ohne nähere Erläuterung klar: es ging um die Rolle des Adligen beim Kampf gegen das – inzwischen gescheiterte – Biosphärengebiet Oberschwaben. Gegen das Vorhaben der grün-schwarzen Koalition hatte sich der Chef des Hauses Waldburg-Zeil früh in Stellung gebracht, mit einem geharnischten Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Wie andere „Adelshäuser“ aus der Region gehörte es zur Allianz der Kritiker aus Grundbesitzern und Landwirten (Slogan: „Vernunft statt Bürokratie“), sein Förster fungierte als Sprecher des letztlich siegreichen Bündnisses.

Krude Theorien über die Nutznießer des Reservats

Aus seiner Ablehnung des Naturreservates machte Waldburg-Zeil also keinen Hehl. Aber steckte er auch hinter einer verdeckten Kampagne, mit der massiv Stimmung dagegen gemacht wurde? Seit fast zwei Jahren begleitete der PR-Berater und Ex-Journalist Marcus Johst (59) mit Wohnsitzen in Berlin und Wien das Projekt mit einem breit gestreuten, bitterbösen Newsletter. Als „Sphärman“ thematisierte er darin durchaus berechtigte Einwände und Fragen, verbreitete aber vor allem krude Theorien, wer aus welchen eigennützigen Motiven für das Biosphärengebiet eintrete. Dessen Befürworter ging er persönlich gerne scharf an.

„Schwarze PR“ nennt sich das in der Public-Relations-Branche – und ist eigentlich geächtet. Prompt setzte es eine Rüge vom Deutschen PR-Rat, der Transparenz und vor allem „Absenderklarheit“ vermisste. Johst machte sich darüber nur lustig: er sei der falsche Adressat, weil als Journalist tätig. Tatsächlich hat er wiederholt solche Kampagnen orchestriert, jeweils im Auftrag. Unwidersprochen ließ er sich als „PR-Drecksau“ oder „medialer Auftragskiller“ bezeichnen.

Ein Interview ohne kritische Fragen

Wer aber finanzierte seine durchaus aufwendige Arbeit? Schnell geriet der „Fürst“ Waldburg-Zeil in den Blick, auch als Co-Verleger der „Schwäbischen Zeitung“. Deren Geschäftsführer Lutz Schumacher soll Johst seit langem kennen; er reagierte nicht auf eine Anfrage. Das Blatt berichtete früh, von Kritikern sei „ein PR-Spezialist auf das Vorhaben angesetzt“ worden. Ein Mitarbeiter soll sogar gehört haben, wie der Verleger vom Auftrag an einen „Journalisten“ sprach. Später erhielt Johst in einem ganzseitigen Interview Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzulegen – weitgehend ungestört von kritischen Fragen. Titel: „Ganze Verlogenheit aufzeigen“. Dabei hatte er, wie fast über die gesamte Landespresse, immer wieder auch über die „Schwäbische“ gelästert.

Ob und von wem er bezahlt werde, ließ er in dem Interview bewusst offen. Wohl aus guten Gründen: Einkünfte dürften Begehrlichkeiten seiner Gläubiger wecken, die in Wien erhebliche Ansprüche durchzusetzen versuchen. Dort läuft eine Art Privatinsolvenzverfahren, in dem Johst als Beruf „Oberkellner“ angibt – mit dürftigen Bezügen. Der verstorbene frühere Chefredakteur hatte auf die Frage unserer Zeitung, ob er vom Auftraggeber hinter dem „Sphärman“ wisse, interpretierbar geantwortet: das sei „im Detail nicht bekannt“. Aber im Grundsatz?

Abschlussbesprechung auf Schloss Zeil?

Nun gibt es eine neue, heiße Spur ins Haus Waldburg-Zeil: Am Dienstag voriger Woche kam es dort offenbar zu einer persönlichen Begegnung. Erst traf am späteren Vormittag der „Fürst“ auf Schloss Zeil ein, eine Stunde später brachte eine Limousine (RV-WZ …) einen Gast; auf dem Beifahrersitz wollen Beobachter Marcus Johst erkannt haben. Handelte es sich also um eine Art Abschlussbesprechung, nachdem „der Spuk vorbei“ ist, wie der „Sphärman“ das Scheitern des Biosphärengebiets gefeiert hatte? Auf Anfragen an Johst und das Haus Waldburg-Zeil kam, wie bisher stets, keinerlei Rückmeldung. Der auf mehrere 100 Millionen Euro taxierte Adlige – einer der reichsten Baden-Württemberger – hält es wohl nicht für geboten, sich gegenüber der Öffentlichkeit zu erklären.

Unbeantwortet blieb somit auch die Frage, ob die verdeckte Stimmungsmache nicht „antidemokratisch“ wäre.