Ingrid Stähle hat neben Blumen nicht nur Obst und Gemüse für ihre Kunden parat, sondern auch gute Ratschläge – und immer Geduld für ein Gespräch. Foto: Schwieder

Ingrid Strähle vom Blumenfachgeschäft würde sich über einen Konkurrenten um die Ecke sogar freuen.

Kaltental - „Wir sind froh, dass es Frau Strähle gibt“, sagen die Bewohner des evangelischen Berges in Kaltental. Auf der nordwestlichen Seite des Ortes hält Ingrid Strähle mit ihrem Blumenfachgeschäft seit etwa 40 Jahren die Stellung. Vor ihr waren es die Eltern, die jahrelang dafür gesorgt haben, dass die Kunden nicht verhungern. In dem kleinen und gemütlichen Laden an der Fuchswaldstraße gibt es nicht nur Blumen und Pflanzen, sondern auch Obst und Gemüse.

Der Platz vor dem Eingang lockt mit bunten Pflanzen, der Verkaufsraum wirkt anheimelnd. Neben Äpfeln und Erdbeeren wartet eine „Schwarzäugige Susanne“ darauf, eingepflanzt zu werden, auf der anderen Seite gibt es Spargel und Spinat. Aber auch Salatöl oder Meerrettich im Glas bietet Ingrid Strähle an; eine Kundin fragt nach gelben Säcken.

In dem Laden kaufen Stammkunden ein: Man kennt sich, tauscht Rezepte aus, holt sich eine bestellte Gemüsekiste ab – und ist immer auf ein Schwätzchen eingestellt. Strähle ist die Seele der Nachbarschaft, ihr Laden ist nach Ansicht vieler Kunden einer zum Verlieben. Gleich um die Ecke aber liegt das Ärgernis von Kaltental: Ein seit geraumer Zeit leer stehender Laden, in dem die Kaltentaler gerne einen neuen Pächter sähen. Konkurrenz für Ingrid Strähle? Wohl kaum. „Ich habe, als Herr Wolff den Laden noch hatte, immer Werbung für ihn gemacht“, sagt die resolute Geschäftsfrau. „Die Leute haben sich natürlich beschwert, wenn er nicht hatte, was sie wollten. Aber sie haben hier auch nur gekauft, wenn sie mal eine Sahne vergessen haben.“

„Unsere Kunden kochen nämlich noch selbst“

Die wechselnden Nachfolger taten sich allerdings noch schwerer. Das lag nicht allein daran, dass die Kaltentaler ihren gewohnten Ansprechpartner vermisst haben und ihre gewohnten Marken wollten: Das zeitweilig russische Sortiment kam nicht gut an. Über einen der Nachfolger spricht sogar die freundliche Ingrid Strähle eher verächtlich: „Der hat beim Aldi gekauft und die Sachen dann in seinen Laden gestellt“, erinnert sie sich. „Zu so jemanden gehe ich natürlich nicht.“

Strähle selbst hätte schon längst aufgehört, wenn ihre Stammkunden nicht wären. „Deshalb kommen wir auch so fleißig“, bestätigt eine Kundin, die zu ihrem Gemüse einen Ratschlag erbittet. „Unsere Kunden kochen nämlich noch selbst“, sagt Ingrid Strähle zufrieden.

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