Hier ist die Schlammlawine durch den Garten der Essweins gerauscht. Foto: Jacobs

Nach einem Rohrbruch im Sommer war die Anteilnahme groß, jetzt muss Familie Esswein um Kleinigkeiten kämpfen.

S-Süd - Nicht jeder mag sich über den hartnäckigen Schnee im Advent gefreut haben, Laura und Curt Esswein aus Kaltental schon. Denn die weißen Flocken verdeckten die tiefen Reifenspuren der Räumfahrzeuge, die seit Anfang September ihren Garten zerfurchen. Am 8. September war in den Morgenstunden ein Wasserrohr oberhalb des Grundstücks der Familie am Anweiler Weg geborsten. Einem Gebirgsbach ähnliche Fluten suchten sich ihren Weg den Hang hinunter bis zur Böblinger Straße. Dabei verwüstete das Wasser den Garten der Familie Esswein und setzte das Erdgeschoss des Hauses unter Wasser.

Eine Woche nach dem Unfall war Laura Esswein voll des Lobes für die Energie Baden-Württemberg (EnBW), der Inhaberin der Wasserröhre und somit verantwortlich für den Schaden. „Wir konnten gar nicht so schnell schauen, wie die EnBW das hier organisiert hat“, sagte Esswein damals.

Einige Monate später ist sie, gelinde gesagt, nicht mehr so zufrieden mit der Hilfe des Energiekonzerns, genauer gesagt: mit der Versicherung, die den Schaden begleichen soll. Esswein, ihr Mann und ihr jüngstes Kind bewohnen den ersten Stock des Gebäudes. Sie konnten schnell wieder in ihr Zuhause zurück. Ihre beiden älteren Kinder, deren Zimmer im Erdgeschoss liegen, leben nach wie vor im Provisorium. Die Tochter ist bei ihrem Freund untergekommen, der Sohn Zino lebt bei seinem Cousin. „Wir verstehen uns gut, und als junger Mensch ist es nicht so schlecht, so zentral zu wohnen.“

„Ein ständiges Hin und Her mit der Versicherung“

Doch schnell kommt das Aber: 80 Kisten musste die Familie in einem Lager in Holzgerlingen einlagern. „Wir suchen ständig nach Dingen.“ Weil man nicht für jede Pfanne oder die Schneeschippe zum Lager fahre, kaufe man vieles neu. „Das wird irgendwann teuer.“

Knapp die Hälfte der Möbel im Erdgeschoss sind durch die Flut unbrauchbar geworden. Doch neue kauft die Familie erstmal nicht. „Es ist ein ständiges Hin und Her mit der Versicherung“, fasst Laura Esswein das Dilemma zusammen. Bislang hatte sie sich in der Zahnarztpraxis ihres Mannes um die Verwaltung gekümmert. In den vergangenen Monaten ist sie fast nur noch mit dem Haus beschäftigt. „Die Versicherung hatte uns schon am dritten Tag nach dem Schaden ein komplettes Angebot vorgelegt“, sagt sie. Aber die Essweins wollten das nicht annehmen. „Das war uns zu gefährlich“, sagt sie. Denn sie wollten sicher gehen, dass Fachfirmen die Schäden beheben. „Da sind Risse in der Wand, da kann nicht irgendein Hilfsarbeiter einmal drüber pinseln.“

Die Konsequenz ist ein Kleinkrieg mit der Versicherung. „Ich hole Angebote ein, doch der Versicherung passen sie nicht.“ Das bislang größte Ärgernis ist, dass ein Gartenunternehmen ohne Wissen der Essweins Bäume auf deren Grundstück gefällt und einen Zaun entfernt hat. „Wir hätten gerne gewusst, was passiert. Und den Zaun brauchen wir jetzt. Sonst können wir unseren Hund nicht mehr in den Garten lassen“, sagt Curt Esswein. Die Position der Versicherung: Weitere Gartenarbeiten erst im Frühjahr. Wenn die Essweins ihren Zaun jetzt wollten, müssten sie die Kosten dafür selbst tragen.

Was es insgesamt kostet, die Schäden des Wasserrohrbruchs zu beheben, weiß bislang niemand. „Der größte Posten ist der Garten, und der steht noch aus.“ Die Essweins bezweifeln aber, ob sie nicht doch einen Teil des Schadens selbst tragen müssen. „Ende dieses Jahres wissen wir mehr“, sagt Laura Esswein.

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