Die Postkarte zeigt die Thomaskirche im Jahr 1938. Foto: z

Die evangelische Gemeinde feiert ihr 125-jähriges Bestehen, die Thomaskirche wird 75 Jahre alt.

S-Süd - Die Thomasgemeinde hatte keinen leichten Start. Wurde das Dorf Kaltental bereits 1832 gegründet, wurde es noch 55 lange Jahre „geistlich betreut von Vaihingen“. So steht es im Gemeindebrief vom September 1988, der Jubiläumsausgabe anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Thomaskirche. Doch die Bürger beharrten darauf, eine eigene Kirche zu bekommen. Das zahlte sich aus.

Die Evangelische Gesellschaft Stuttgart finanzierte einen Betsaal an der Feldbergstraße 52 – dort, wo sich heute noch der Kindergarten befindet. Am 2. Juni 1887 war Einweihung. Und am 10. Dezember 1888 genehmigte „Seine Königliche Hoheit, der Prinz Wilhelm, durch ein Dekret die Einrichtung einer ständigen Pfarrverweserei“. Das war die Geburtsstunde der evangelischen Thomasgemeinde.

Aber bis diese ihre eigene Kirche hatte, sollten noch viele weitere Jahre vergehen. Die Kaltentaler sparten und hatten bis 1914 eine stattliche Summe zusammen. „Doch der Ausbruch des Kriegs und die anschließende Inflation machten all diese Anstrengungen wieder zunichte“, sagt Pfarrerin Mirja Küenzlen. Für die Gemeinde sei das eine schmerzliche Erfahrung gewesen.

„Der Bau einer Kirche in der NS-Zeit war ein Zeichen“

Dennoch blieb der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus bestehen. „Es bedurfte eines bewussten Hinstehens als Christ, um in dieser Zeit eine Kirche zu bauen“, sagt Küenzlen. Der Regierungsbaumeister Hannes Mayer fertigte Pläne und ein Modell an. Das allein war kein einfaches Unterfangen. Denn das Grundstück war ein ehemaliger Steinbruch in Hanglage. Hinzu kamen die politischen Verhältnisse jener Zeit. Doch der junge Pfarrer Maximilian Koepf ließ sich davon nicht abschrecken. Auch wenn das kirchenfeindliche Dritte Reich den Bezug von Zement und Baustahl erst frei gab, nachdem sich die Gemeinde verpflichtet hatte, im Untergeschoss öffentliche Luftschutzräume einzurichten. Am 17. Juli 1938 – vor 75 Jahren – weihte der Landesbischof Theophil Wurm das neue Gotteshaus.

„Der Bau einer Kirche in der NS-Zeit war ein Zeichen“, sagt Küenzlen. Darum sei es auch wichtig gewesen, dass das Gotteshaus schon aus der Ferne als solches erkennbar war. Doch dann kam der Luftangriff vom März 1943. Die Thomaskirche brannte aus. „Ältere Gemeindemitglieder berichten mir immer wieder, dass der Turm wie eine Fackel glühte“, sagt Küenzlen. Nach der Währungsreform 1948 begann der Wiederaufbau. Nach zwei Jahren wurde die Wiedereinweihung gefeiert.

Heute steht die Gemeinde vor neuen Herausforderungen: Für Gabriele Veil, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, geht es vor allem um die Frage, wie junge Menschen wieder einen Zugang zur Kirche finden können. Zu Veränderungen habe aber auch die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen geführt, ergänzt Küenzlen. Denn eine der Folgen sei, dass die Gemeindemitglieder immer weniger Zeit hätten, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Auch in finanzieller Hinsicht muss die Gemeinde in naher Zukunft einige Aufgaben stemmen. Im evangelischen Waldheim Sonnenwinkel im Dachswald sollen zwei Kindergartengruppen eingerichtet werden. Im Idealfall könnte bereits im Herbst 2014 mit dem Bau begonnen werden. Schon in diesem Jahr soll das Außengelände neu gestaltet werden. Das Waldheim dient schon seit einiger Zeit immer wieder als Ausweichquartier, wenn Einrichtungen saniert oder neu gebaut werden. Zudem soll die Thomaskirche eine neue Küche bekommen. Für dieses Projekt sammelt die Gemeinde seit einiger Zeit Spenden.

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