Die Eltern, deren Kinder nach dem Abriss des Kinderhauses Franziskus derzeit im Waldheim betreut werden, sind verärgert, dass es keinen Zeitplan für den Neubau der Einrichtung gibt. Foto: Rüdiger Ott

Im Herbst entscheidet der Gemeinderat, ob er die gestiegenen Kosten für den Neubau des Kinderhauses Franziskus in Kaltental mitträgt. Erst dann berät die Kirchengemeinde. Die Eltern sind unterdessen über die Verzögerung verärgert.

S-Süd - Vielleicht wird Nick nie im Kinderhaus Franziskus in Kaltental spielen. Seit einem Jahr besucht der Junge die Kita der katholischen Gemeinde Sankt Antonius in Kaltental. Und genau vor einem Jahr zog eben diese Einrichtung ins evangelische Waldheim im Dachswald – eigentlich als kurzfristige Übergangslösung. Das Kinderhaus an der Burgstraße wurde abgerissen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Voreilig, wie die Eltern meinen. Weil der Neubau immer teurer wurde, bewegt sich auf der Brache gar nichts mehr (wir berichteten). Bis Nick eingeschult wird, wird es noch mindestens zwei, vielleicht auch drei Jahre dauern. „Und vielleicht wird er nur die Interimslösung erlebt haben“, sagt seine Mutter Monika Kronmüller.

Kronmüller sitzt im Elternbeirat der ausquartierten Kita. Der Beirat hat einen Brief an den Oberbürgermeister Fritz Kuhn, an den Stadtdekan Christian Hermes und die Gemeinderatsfraktionen geschrieben. Darin machen die Eltern ihrem Ärger Luft. „Man kommt sich gehörnt vor“, sagt Kronmüller. „Die einen sagen, die Kirche ist schuld, die anderen sagen, es ist die Stadt.“ Vor allem aber würden die Eltern nur vertröstet und hätten von der prekären Lage erst aus der Zeitung erfahren. „Es wäre schön, wenn man mal mit einem Verantwortlichen sprechen könnte“, sagt sie.

Die Kosten wurden immer höher

Die Baukosten liegen mittlerweile bei 2,4 Millionen Euro

2011 sollte der Neubau 1,7 Millionen Euro kosten, von denen 75 Prozent die Stadt übernimmt und 25 Prozent das Stadtdekanat. Anfang 2012 war schon von zwei Millionen Euro die Rede. Die entsprechenden Mittel liegen bereit, und zwar nach wie vor. Im Sommer 2012 zog die Kita aus, der Abriss folgte Anfang 2013. Inzwischen belaufen sich die Kosten auf wohl 2,4 Millionen Euro. Als Gründe werden wahlweise Brandschutzauflagen sowie die schwierige Hanglage genannt. Die Stadtverwaltung ist zwar bereit, die Kostensteigerung mitzutragen, darüber entscheidet aber der Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen Ende Dezember. Erst anschließend will sich auch das Stadtdekanat beraten. Bis dahin wird nicht gebaut.

Den Eltern dauert das zu lange. „Wir halten es für unverantwortlich, den Start der Bauarbeiten weiterhin über Monate hinauszuzögern“, schreiben sie in dem Brief. „Wir erwarten die sofortige Aufnahme der Bautätigkeiten.“ Denn die eigentlich nur bis Ostern 2014 befristete Übergangslösung tauge nicht als Dauerunterbringung.

Im Winter fällt die Heizung des Waldheims häufiger aus

Konnten viele Eltern ihre Kinder früher zu Fuß in das Kinderhaus bringen, ist das „nun nicht mehr möglich“. Je nach Wohnort betrage die Entfernung bis zu fünf Kilometer. Das Waldheim im Dachswald verfügt nur über einen großen Saal. „Der Lärmpegel ist enorm, wenn sich 30 Kinder gleichzeitig darin aufhalten“, schreiben die Eltern. Musizieren oder Lesen üben ist fast unmöglich. Weil das Waldheim in den Ferien auch anderweitig genutzt wird, „müssen Spielsachen, Möbel, Bodenbeläge und Raumteiler vom Erzieherteam ausgeräumt und durch eine Spedition eingelagert werden.“ Die Kinder ziehen dann in ein weiteres Interimsquartier, den Franziskussaal der Gemeinde. In elf Monaten ist das dreimal geschehen.

Eltern wollen ihre Kinder abmelden

Das alles war absehbar. Dass die alte Heizung in dem Waldheim mehrfach ausfallen würde, eher nicht. „Erzieherinnen und Kinder mussten den Tag frierend und in Winterjacken verbringen“, steht in dem Brief. Als es dann wieder wärmer wurde, wurden Kinder beim Spielen im Grünen von Zecken befallen. „An einem Tag wurden bei 25 Kindern 15 Zecken gefunden“, schreiben die Eltern. Eines der Kinder erlitt eine Borrelioseinfektion. „In der Folgezeit entfiel das Spielen im Außenbereich.“

Inzwischen sind die Eltern derart verärgert, dass sich manche „mit dem Gedanken tragen, ihre Kinder abzumelden oder zumindest jüngere Geschwister nicht im Kinderhaus Franziskus, sondern in anderen, umliegenden Kindergärten anzumelden“.

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