Kakteen ohne Erfolg Marjoke Breuning neue IHK-Präsidentin

Von Ulrich Schreyer 

Marjoke Breuning Foto: privat
Marjoke Breuning Foto: privat

Bei der Wahl des neuen Präsidiums der IHK Region Stuttgart hat die Vollversammlung Marjoke Breuning zur ersten Kammerpräsidentin gewählt. Stellvertreter sind bis 2020 Wilfried Porth und Heinrich Baumann.

Stuttgart - Marjoke Breuning ist am Dienstag zur neuen Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart gewählt worden. Mit Breuning steht erstmals in der Geschichte der Kammer eine Frau an der Spitze der regionalen Selbstverwaltungsorganisation der Wirtschaft. Breuning erhielt auf der ersten Sitzung der Vollversammlung seit der Neuwahl im vergangenen Sommer 59 von 91 abgegebenen Stimmen. Für ihre Gegenkandidatin Martina Ueberschaar, die von der kammerkritische Kakteengruppe nominiert worden war, stimmten 32 Vollversammlungsmitglieder. Dies bedeutet, dass sie nur die Stimmen der Kakteengruppe auf sich vereinigen und niemand aus dem anderen Lager herüberziehen konnte.

Aus der Kakteengruppe wird niemand ins Präsidium gewählt

Zu stellvertretenden Präsidenten wurden Heinrich Bauman, geschäftsführender Gesellschafter des Esslinger Autozulieferers Eberspächer, und Wilfried Porth, Personalvorstand der Daimler AG, gewählt. Heinrich Baumann, der Sohn des früheren IHK-Präsidenten Günter Baumann, war erst kürzlich auch zum Präsidenten der IHK-Bezirkskammer Esslingen gewählt worden.

Auch bei den weiteren Sitzen im Präsidium der Kammer gingen die „Kakteen“ leer aus. Neun der 100 Vollversammlungsmitglieder waren der Wahl fern geblieben. Wie aus der Versammlung zu hören war, seien in einer lebhaften Diskussion an die Kandidatinnen viele Fragen gestellt worden. Breuning ist nun für die Amtsperiode von 2017 bis 2020 gewählt. Sie tritt die Nachfolge von Georg Fichtner an, der in den vergangenen vier Jahren an der Kammerspitze stand.

Bislang gab es bei der Wahl traditionell nur einen Kandidaten

Die „Kakteen“ konnten bei der letzten Wahl der Vollversammlung im vergangenen Sommer die Zahl ihrer Sitze in diesem Gremium von 20 auf 32 erhöhen. Ueberschaar hatte als einen der Gründe für ihre Kandidatur genannt, die „Kakteen“ wollten eine wirkliche Wahl ermöglichen. Traditionell hatte es bisher bei der Wahl des Stuttgarter Kammernpräsidenten nur einen Kandidaten gegeben.

Breuning ist nun eine von inzwischen bundesweit neun Präsidentinnen von Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Der Vollversammlung gehört sie bereits seit dem Jahr 2005 an, seit 2013 war sie auch stellvertretendes Mitglied des Präsidiums. Außerdem hatte sie bereits eine Reihe weiterer Ehrenämter inne. So leitete sie den Arbeitskreis Unternehmerinnen und ist in der Stuttgarter City-Initiative aktiv.

Breuning sieht sich als Teamplayerin

Unmittelbar nach der Bekanntgabe ihrer Kandidatur Ende Januar hatte sie gesagt, sie sehe sich als Teamplayerin. Auf ihr Verhältnis zu den „Kakteen“ angesprochen bezeichnete sie sich als „ausgleichende Figur“. Zusammen mit ihrer Schwester ist sie geschäftsführende Gesellschafterin des Stuttgarter Traditionsunternehmens Maute-Benger.

Breuning hatte sich auch bei den „Kakteen“ vorgestellt. Nach dem Gespräch sei aber klar gewesen, dass ihre Gruppe nicht auf eine eigene Kandidatur verzichten könne, hatte Martina Ueberschaar erklärt. Sie hatte ihre Kandidatur Ende vergangener Woche bekannt gegeben. Eines der Ziele der Kakteengruppe ist es, die Pflichtmitgliedschaft bei den Kammern abzuschaffen. Ueberschaar ist seit 2012 Mitglied der Vollversammlung. Mit ihrem Mann betreibt sie das Feinkostgeschäft La Fattoria in Stuttgart-Botnang, das italienische Spezialitäten anbietet.

Anders als in Stuttgart hatten die Kammerkritiker kürzlich bei der Wahl zur Vollversammlung der Handelskammer Hamburg einen durchschlagenden Erfolg erzielt und 55 der 58 Sitze in diesem Gremium gewonnen.

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