Auftritt mit Karate-Hechtsprung: Kakkmaddafakka am Donnerstag im Wizemann in Stuttgart. Weitere Bilder vom Konzert zeigt die Fotostrecke. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Kakkmaddafakka werden für ihre Teeniehymnen gefeiert – zu Recht. Im Wizemann erfüllen sie am Donnerstag die Hoffnung auf einen gereifteren Vortrag nicht. Das könnte der Band irgendwann gefährlich werden.

STUTTGART - Schon vom Namen her sind Kakkmaddafakka ein bandgewordener Teeniefiebertraum. Seit ihrer Gründung Mitte der Nullerjahre besingen die Norweger – einst eine Schülerband – die Gefühle, Ängste, Freuden und Unannehmlichkeiten im Leben Heranwachsender. Auf früheren Tourneen ließen sie dazu noch Halbwüchsige im Matrosenanzug über die Bühne turnen.

Die sind bei dem Auftritt im Wizemann am Donnerstag nicht dabei, dafür aber die in gewohnt zappeliger Indie-Pop-Manier gehaltenen Klassiker der Band, etwa das 2011 erschienene „Restless“. Von dem Song bleibt neben dem sonnigen Sound ein doppel­bödig-schülerhaftes Turnhallenvideo dauer­haft in Erinnerung, für das die Kamera etwas zu offensiv dorthin blickt, wo Jungs eben hinschauen, wenn sich die Mädels in der anderen Ecke gerade warmturnen.

Auf ihrer am Tag vor dem Stuttgart-Gig angelaufenen Deutschlandtour haben Kakkmaddafakka das neue Album „Hus“ im Gepäck. Das lässt ebenso wie die Verlautbarungen der PR-Leute eine wenn nicht gereifte, dann doch zumindest dem musikalischen Teenageralter entwachsene Band erwarten, dazu mehr musikalische und text­liche Tiefe, vielleicht auch Songs, die sich nicht mehr selbst überholen.

Per Hechtsprung auf die Bühne

Diesen Weg, den das 2016 erschienene Vorgängeralbum „KMF“ einschlägt, verfolgt die Band aber offensichtlich nur im Studio. Die Bühne im Wizemann betreten die Musiker mit Karate-Hechtsprüngen. Der Perkussionist zeigt seinen Bizeps, und dann geht’s los: Mit hohem Tempo und viel Kraft in den drahtigen Armen geben die Brüder und Gründungsmitglieder Axel und Pål Vindenes Vollgas, als wären sie auf einem Abiball und nicht im ordentlich gefüllten Wizemann an einem Donnerstagabend.

Es folgt ein anderthalbstündiges Konzert, das Kakkmaddafakka zeigt, wie man sie schon seit Jahren kennt. Mehr noch, der Abend läuft exakt so wie das letzte Gastspiel der Norweger im April 2016. Wieder werden T-Shirts ausgezogen, eine Kakkmaddafakka-Fahne geschwenkt. Gerade mal zwei Variationen gönnt die Band ihren Stammgästen: Als Intro ertönt nicht die frei nach Händel komponierte Champions­League-Hymne, sondern Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“; statt Haddaways „What is Love“ covert die Band im Zugabenblock „Believe“ von Cher.

Die Songs dazwischen kann man indes schon mal miteinander verwechseln. Kakkmaddafakka vergeben mit dem Abend eine Chance, sich auch live weiterzuentwickeln. Das Publikum für einen etwas zurück­genommeneren, dafür musikalischeren Vortrag hätten sie. Am Donnerstagabend fanden sich bei Weitem nicht nur feierwütige Teenies ein. Positiv gewendet könnte man auch sagen, dass die Band ihrem Stil treu bleibt und vielen Anhängern sowie möglicherweise auch sich selbst Enttäuschungen à la Mando Diao erspart. Die wollten sich auch weiterentwickeln, scheiterten 2014/15 aber mit ihrem Synth-Rock-Album Ælita auch live furios. Anfang Februar kommen sie mit altbekanntem Indie-Rock nach Stuttgart zurück – dafür ohne ihren mittlerweile ausgeschiedenen Co-Frontmann Gustaf Norén.

„Is she old enough for me?“, fragen Kakkmaddafakka in einer dieser Adoleszenzhymnen, für die sie zu Recht gefeiert werden. Irgendwann aber wird man fragen müssen: Sind diese Musiker zu jung für uns?