Eine regionale Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Mehrheitsanteile an der Kaiser-Brauerei: Thorsten Fossler, Otto Menzel, Jochen Friz, Klaus Fossler und Christoph Kumpf (von links). Die Unternehmensberaterin Xiaoping Zhao Moll war für den chinesischen Investor an den Verhandlungen beteiligt.​ Foto: Kaiser-Brauerei

Ein chinesischer Investor hatte den Betrieb nach dessen Insolvenz 2017 übernommen. Jetzt hat eine regionale Beteiligungsgesellschaft die Mehrheitsanteile gekauft. Das Unternehmer-Quintett hat viele Ideen.

Frischer Wind“ und eine „vielversprechende Weiterentwicklung“: Mit diesen Worten hat die Geislinger Kaiser-Brauerei am Montag über die Veränderung im Unternehmen informiert. Der bisherige Eigentümer der Brauerei, der chinesische Investor Guojian Jiang, hat vergangene Woche die Mehrheit seiner Anteile an eine regionale Beteiligungsgesellschaft verkauft. Ihr gehören neben Christoph Kumpf, dem Geschäftsführer der Kaiser-Brauerei, noch Otto Menzel, Jochen Friz sowie Klaus und Thorsten Fossler an.​

 

Es handle sich um fünf Unternehmer aus der Region, die mit frischen Ideen und einer gemeinsamen Vision die traditionsreiche Brauerei weiterentwickeln wollten, heißt es in der Pressemitteilung. Sie wollen demnach die Brauerei künftig noch stärker in der Region verankern, ihre Marktpräsenz ausbauen und die Qualität der Biere sichern. Auf Nachfrage teilt Christoph Kumpf mit, dass die Beteiligungsgesellschaft 51 Prozent der Anteile gekauft habe. Bislang lagen 100 Prozent bei Guojian Jiang. Die Mehrheit der Anteile zu übernehmen, sei ihm wichtig gewesen, sagt Kumpf. Und Pläne, in der Zukunft noch mehr Anteile in lokale Hand zurückzuholen, gebe es „auf jeden Fall“.

Alle fünf Partner sind gut vernetzt

Die fünf Partner der regionalen Beteiligungsgesellschaft seien in der Gegend sehr gut vernetzt und hätten sich in ihrer jeweiligen Branche einen Namen gemacht, heißt es in der Pressemitteilung: Otto Menzel ist Geschäftsführer der Menzel Metallchemie mit Sitz in Kuchen. Jochen Friz betreibt als Unternehmer unter anderem eine Autowerkstatt, einen Gastronomiebetrieb und einen Festzeltverleih und ist stellvertretender Bürgermeister von Berglen im Remstal. Klaus Fossler führt ein Elektrotechnik-Unternehmen in Winnenden, sein Sohn Thorsten betreibt mit Partnern einen Getränkehandel und einen Verleih von Eventtechnik in Winnenden. Alle fünf sprechen von einer tiefen Verwurzelung der Brauerei in der Region und einem großen Interesse der Menschen an handwerklicher Braukunst.

Friz sagt, man wolle neben der Festigung des bestehenden Geschäfts neue Möglichkeiten erschließen. Thorsten Fossler ergänzt, dass man die Kaiser-Brauerei nachhaltig weiterentwickeln und noch mehr Menschen für die Biere begeistern wolle. Sein Vater betont: „Wir sind keine kurzfristigen Investoren, sondern Unternehmer mit Herzblut und Weitblick. Hier stecken viel Tradition und handwerkliches Können drin – eine echte Chance, etwas Beständiges für die Region zu schaffen.“

Im Herbst soll es „als erstes großes Highlight“ ein Brauereifest geben, um die Brauerei und die Kunden zusammenzubringen und die neue Entwicklung zu feiern. Langfristig wolle man auf eine Mischung aus Tradition und Innovation setzen. Neben dem klassischen Sortiment arbeite man an neuen Produktlinien, um zusätzliche Zielgruppen anzusprechen. Und man wolle zudem moderne Technologien in den Brauprozess integrieren, um Effizienz und Qualität weiter zu verbessern.

2015 besuchte der damalige baden-württembergische Umweltminister Alexander Bonde (rechts) die Kaiser-Brauerei. Foto: Horst Rudel/Archiv

Christoph Kumpf kündigt gezielte Investitionen in die Weiterentwicklung der Brauerei an. „Wir haben große Pläne und sind bereit, mit Leidenschaft und Tatkraft neue Impulse zu setzen“, sagt er. Ein weiterer Fokus liege auf der intensiven Zusammenarbeit mit regionalen Partnern, darunter Gastronomen, Einzelhändler und Veranstalter. So wolle man die Vernetzung in der Region stärken und Vertriebskanäle erschließen, wie Otto Menzel erklärt.​

Geislinger Brauerei mit Geschichte

Unternehmen
 Die Kaiser-Brauerei besteht seit 1881 und hat derzeit 30 Mitarbeiter. Die Produkte werden in einem Umkreis von 70 Kilometern vertrieben. Die Brauerei hatte 2014 Insolvenz angemeldet. 2017 wurde sie von dem chinesischen Investor Guojian Jiang übernommen, der den Betrieb mit der früheren Inhaberfamilie fortführte, mit Christoph Kumpf als Geschäftsführer. Hohe Investitionen in die Marke und die Technik hätten das Unternehmen nun zukunftsfähig gemacht.​

Pläne
Christoph Kumpf erklärt, man habe seit 2023 über den Einstieg neuer Investoren aus der Region verhandelt. Der chinesische Investor habe von Anfang an den Wunsch nach einer regionalen Beteiligung an der Brauerei. „Wir waren dazu auch schon früher im Gespräch, aber dann kam die Pandemie, der Krieg in der Ukraine – so haben sich diese Pläne immer wieder verzögert. Und solche Vertragsänderungen sind auch nicht ganz unkompliziert.“